Ute Bergner
c) Zukunft der Thüringer Bäder sichern – Fortschreibung der Thüringer Schwimmbadentwicklungskonzeption
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kollegen Abgeordnete, liebe Zuhörer, das Thema „Schwimmen“ ist ja hier als sehr komplexes Thema vorgetragen worden. Ich würde es gern ein bisschen strukturieren. In meinen Augen geht es hier um drei Hauptbestandteile: einmal die Schwimmfähigkeit der Menschen, also das heißt, unseres Nachwuchses vor allen Dingen, das andere ist die Bäderinfrastruktur und das Dritte ist der sichere Betrieb dieser Bäder durch Personal. Dass unsere Kinder schwimmen lernen, ich glaube, das habe ich herausgehört, das ist Konsens. Ich muss sagen, wenn ich dann mal zurückblicke in meine Lebensgeschichte, zu DDR-Zeiten waren wir in der Lage, dass alle Kinder schwimmen konnten, und zwar nach dem ersten Halbjahr der dritten Klasse. Das Augenmerk auf Schwimmfähigkeit wurde nach der Vereinigung systematisch zurückgefahren, indem der Schwimmunterricht nach hinten gelagert wurde, indem Schwimmunterricht ausgefallen ist. Also, es ist ein schleichender Prozess gewesen, der natürlich durch die Pandemie dann noch beschleunigt worden ist. Ich kann Ihnen sagen aus der Erfahrung meiner Enkelkinder, von denen ich 13 habe: Es hat keines der Enkelkinder das Schwimmen wirklich in der Schule gelernt. Wenn die Eltern das nicht aktiv betrieben hätten, dass ihre Kinder schwimmen gelernt hätten, wäre das in diesem Schulsystem nicht erfolgreich gewesen. Deswegen, denke ich, ist das eine ganz wichtige Aufgabe an das Bildungssystem, diesem Schwimmunterricht mehr Augenmerk zuzubilligen. Ich möchte hier auch noch etwas in die Runde werfen, eine vielleicht innovative Idee dazu. Man könnte schon mit den Vorschulklassen im Kindergarten beginnen, Schwimmen zu lernen. Ich habe das in meinem Kindergarten bis zur Pandemie sehr erfolgreich betrieben, bis es uns dann verboten worden ist, mit den Kindern in Schwimmbäder zu gehen. Der zweite Punkt „Infrastruktur“: Ja, wir müssen leider beobachten, wie die Schwimmbadinfrastruktur in unserem Land verfällt, vor allen Dingen im ländlichen Raum. Hier stimme ich dem Anliegen der CDU zu, dass es ganz wichtig ist, eine Bestandsaufnahme zu machen, wie die Situation ist. Erst nach einer Bestandsaufnahme kann man wirklich ein richtiges Sanierungskonzept aufstellen. An dieser Stelle würde ich mir hier eine Diskussion wünschen, wie wir das in zwölf Monaten schaffen, eine Bestandsaufnahme zu machen, und nicht gleich zu sagen: Nein, das ist unmöglich. Denn erst dann können wir Hand anlegen und die Infrastruktur an der Stelle retten. Der nächste Punkt ist das Betreiben der Schwimmbäder. Eine Seite sind sicherlich die Rettungsschwimmer, wofür wir sehr viele junge Menschen begeistern können, vor allen Dingen Studenten, die in der Sommerzeit, aber auch in Randregionen als Rettungsschwimmer arbeiten. Was die Betriebsvoraussetzungen mit Qualifizierung und Fachkräften für die Schwimmbäder angeht, so, denke ich, brauchen wir hier eine Flexibilisierung der Regeln und vielleicht auch der Denkweise. Wenn ich natürlich alles komplex in einem festgezurrten Kontext ausschreibe, dann finde ich natürlich die komplexen Leute nicht. Mir hat die Diskussion hier zwischen dem Kollegen Bergner und dem Kollegen Thrum gezeigt, dass es da durchaus unterschiedliche Sichtweisen gibt. Es wäre gut, wenn in den entsprechenden Ausschüssen konstruktiv daran gearbeitet wird. Ich muss Ihnen sagen, das kann ich aus meiner Firma sagen, ich habe auch nicht die eierlegende Wollmilchsau für ein Betriebsfeld gefunden. Dann kann man durchaus durchstrukturieren, dass man sagt, dass hochqualifizierte oder speziell qualifizierte Kräfte auf mehrere Einrichtungen aufgeteilt werden. Das wäre ein sehr sinnvoller Lösungsansatz, das mal zu diskutieren. Dann müssen natürlich auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, damit nicht irgendwelche gesetzlichen Regelungen dagegenstehen. Mir gefällt an dieser Debatte jetzt, dass alle Themen auf einmal auf den Tisch kommen, dass wir uns nicht immer wieder an Barrieren, Schranken, Zuständigkeitsgrenzen aufhalten müssen, sondern hier wirklich mal bereichsübergreifend diskutiert und ein Problem komplex der Lösung zugeführt wird. Darüber würde ich mich sehr freuen, wenn uns das hier in diesem Landtag gelingen würde. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
