Thomas Hartung
c) Zukunft der Thüringer Bäder sichern – Fortschreibung der Thüringer Schwimmbadentwicklungskonzeption
Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren, die vorliegenden Vorschläge sind ein buntes Sammelsurium von Themenkomplexen zwischen Schwimmen und Schwimmfähigkeit – durchaus viele wichtige Sachen dabei, durchaus viele wichtige Sachen auch angesprochen. Das hat mein Kollege Korschewsky ja schon konzediert. Auch ich bin der Überzeugung, wir sollten darüber reden. Aber ein bisschen machen diese Anträge so den Eindruck, als hätten Sie alles aufgeschrieben, was Ihnen zum Thema „Schwimmen und Schwimmfähigkeit, Bäder und Bädertechnik“ einfällt. Das kann man ja machen, einfach mal alles aufschreiben. Aber da sind eben Sachen dabei, die wirklich wichtig sind. Dann sind Sachen dabei, die nicht ganz so wichtig sind. Sie vermengen auch mal die Zuständigkeiten zwischen Bäderbetreiber, Kommunen und Land. Das muss man ein bisschen voneinander trennen. Das eine können wir direkt regeln, das andere ist ein bisschen schwieriger. Aber ich sage jetzt zum Beispiel mal Abänderung zu § 2 der Ordnungsbehördlichen Verordnung über Sicherheitsvorkehrungen in Badeanstalten – sehr detailliert. Man muss sich überlegen, was man eigentlich am Ende erreichen will. Bei der Problembeschreibung, beim Ziel sind wir nicht weit auseinander. Das muss man ganz ehrlich sagen. Es gibt diese Trias aus sinkender Schwimmfähigkeit bei den Schülern, aus sinkender Anzahl der Freibäder und aus der anhaltend hohen Zahl – das hat, glaube ich, Kollege König vorhin gesagt – von Badeunfällen und Ertrinkenden. Das ist eine Trias, die wir seit Jahrzehnten haben, seit Jahrzehnten beobachten. Deswegen hat Herr Thrum auch nicht recht, dass das alles durch die Pandemie ausgelöst worden ist. Es ist durch die Pandemie beschleunigt worden, das stimmt, weil die Kinder eben nicht schwimmen lernen konnten. Aber die Entwicklung beobachten wir seit Jahrzehnten. Das ist eben der Punkt, da muss man sich überlegen, ob man sich in einem ersten Schritt auf die gesamte Streubreite aller Ideen, die man so entfalten könnte, einlässt, oder ob man sich auf erste Schritte fokussiert. Und wenn ich über erste Schritte rede, dann meine ich zum Beispiel – das greife ich mal heraus – den Sanierungsstau an Freibädern. Das ist ein echtes Problem. Da sollte man auch tatsächlich handeln, denn – das ist hier verschiedentlich festgestellt worden – funktionierende, sanierte Freibäder sind die Grundlage dafür, dass Schwimmunterricht überhaupt stattfinden kann und dass Schwimmen erlernt werden kann, dass Kinder die Möglichkeit haben, tatsächlich Wassererfahrungen zu sammeln. Wenn ich beim Thema „Wassererfahrung“ bin, dann muss ich eben feststellen, dass, wenn in der dritten Klasse der Schwimmunterricht beginnt, eine zunehmende Zahl von Schülern noch keine Wassererfahrung hat. Das ist ein Problem. Das heißt, wir sollten nicht nur darüber reden, wie wir die Freibäder besser zugängig, besser saniert, attraktiver usw. machen, sondern wir sollten auch darüber reden, ob wir möglicherweise auch Regelungen einführen müssen, dass diese Wassererfahrung vielleicht etwas eher einsetzt. Das heißt, die Frage, ob es in der dritten Klasse möglicherweise schon zu spät ist, mit dem Schwimmunterricht zu beginnen, sodass man eher damit beginnen sollte, sollte man sich stellen. Die zweite Frage ist, ob man möglicherweise bereits im Kita-Bereich bessere Angebote schafft. Wir haben da wirklich mehrere Ansätze, die Sie hier aufführen, an denen wir gern arbeiten. Wir werden – Herr Korschewsky hat es schon gesagt – die Anträge a) und c) auf jeden Fall mit überweisen und im zuständigen Ausschuss diskutieren. Ich bin mir auch sicher, dass wir da zu einer vernünftigen Lösung kommen, aber wahrscheinlich werden wir uns tatsächlich in der Regelungsbreite und Themenvielfalt Ihrer Anträge ein wenig begrenzen müssen, weil ich glaube, alles kann man zwar diskutieren, alles kann man angehen, aber man sollte nicht alles auf einmal angehen. Man sollte Prioritäten setzen, die dann am Ende auch leistbar sind. In diesem Sinne freue ich mich auf die Beratung im Ausschuss. Vielen Dank.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
