Thomas L. Kemmerich
Gasförderung in Thüringen – Alle Optionen müssen auf den Tisch
Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste auf der Tribüne, wir erleben die ganze Bandbreite der Diskussion zum Thema, was zugegebenermaßen sicherlich nicht die Riesenrelevanz für den deutschen Energiemarkt hat, aber deshalb sagen wir: Erforscht es. Wenn wir dieses Erforschen aufgeben, werden wir viele Chancen eben nicht heben können. Kollege Robert Montag hat es gerade vorgelesen, diese brennenden Wasserhähne, liebe Kollegen von der AfD, das sind dieselben Fake News, die ihr uns auch oft auftischen wollt; jetzt fallt ihr selber darauf rein, das ist auch ganz spannend.
(Beifall Gruppe der FDP)
Es ist inzwischen durch tausendfache Bohrungen weltweit erwiesen, dass das Umweltrisiko durch Fracking gebändigt ist. Natürlich ist nichts ohne Risiko und man kann jetzt auch das Glas wieder halb leer sehen, aber wir wollen doch eines machen: mit offenem Verstand, mit den Wissenschaftlern an der Seite die Möglichkeiten erforschen, die uns in die Lage versetzen, unsere Energieversorgung unabhängig von Drittstaaten sicherzustellen. Da mag Thüringen einen kleinen Beitrag leisten. Ich habe eben mal zitiert, dass wir zurzeit nur ein Zehntel der Menge selber fördern, die wir aus Norwegen holen. Insofern könnten selbst Thüringer Vorräte zumindest für den Thüringer Energiemarkt einen signifikanten Beitrag leisten, die Energieversorgung tatsächlich klimaneutraler zu gestalten. Denn eines bleibt, liebe Kolleginnen von den Grünen: Immer wieder fangen Sie an, bei der Energieversorgung Deutschlands nur über den Strommarkt zu reden. Wir wissen, dass der Strombedarf zurzeit ein Siebtel ungefähr des gesamten Primärenergiebedarfs in Deutschland ist. Selbst wenn es uns gelänge, mit nicht grundlastfähiger Erzeugung von Energie, nämlich Sonne und Wind, 50 Prozent Strom zu gerieren – Fachleute sagen, heute ist der Gesamtbedarf in Deutschland 540 Terawattstunden, der wird um 200 Terawattstunden ansteigen, nur wenn man den Ausbau der Elektromobilität so vorantreibt, die ganze Frage der Heizpumpen ist da noch nicht enthalten. Also die Strommenge wird explodieren. Zurzeit ist der Strommix durch den Einsatz von Kohlestrom ein sehr dreckiger, ein sehr CO -lastiger. 2 Deshalb, liebe Kollegin Wahl, müssen wir den Leuten auch da reinen Wein einschenken und die Wahrheit sagen. Primärenergie ist weit mehr als Strom. Und wenn wir betrachten und beklagen, dass sich Schwerindustrie, Industrie, BASF in großem Maße im Ausland ansiedeln wollen, wie gesagt, auch Firmen aus Jena, der Mittelstand kaum mehr Konzepte hat, Energiegewinnung bezahlbar im Markt einzusetzen, dann müssen wir das sehr ernst nehmen. Wir können nicht sagen, das Einzige, was hindert, ist der Ausbau von erneuerbaren Energien.
(Beifall CDU, Gruppe der FDP)
Wir wissen doch alle, was dagegensteht: nicht nur unsere Landschaften, nicht nur der Wald, wo wir weiter dagegen sein werden, dass dort Windräder Platz finden. Wir sind dafür, dass wir Photovoltaik weiter aufbauen, aber erst mal die Dachflächen auf den landeseigenen Immobilien nehmen. All das sind doch zurzeit Nadelöhre, mit denen wir nicht weiterkommen.
(Beifall Gruppe der FDP)
Und nochmals, wenn wir über die Kurzfristigkeit reden und wie toll der Energieminister Herr Habeck das gemacht hat: Der fährt nach Katar – sicher auch kein besonders lupenreines, demokratisches System – und handelt einen Deal mit LNG-geförderten Gasmengen aus, die erst ab 2027 über die Weltmeere fahren. Was das jetzt für ein kurzfristiger Beitrag zur Lösung dieser Energiekrise und des nächsten Winters ist, erschließt sich mir auch nicht.
(Beifall CDU, Gruppe der FDP)
Wir muten unseren Nachbarn zu, aus ähnlichen Situationen Gas zu explorieren, was wir in Deutschland nicht machen. Vielleicht stoßen wir in Thüringen eine Debatte über Möglichkeiten los, die die moderne Wissenschaft heute über die Methode Fracking eben auch mit der – nennen wir es einfach, das Hohe Haus weiß dann, was gemeint ist – BEER-Methode bietet. Es ist eben ein anderes Fracking als das aus dem Jahr 2001, das uns auf YouTube geriert wird.
(Beifall Gruppe der FDP)
Aufgabe von Politik ist eben nicht, diese alten Ressentiments zu bedienen – insofern hat sich die AfD ja wunderbar mit entlastet –, sondern zu sagen, das ist das, was modern, machbar und möglich ist. Ich glaube, das bringt auch Zuversicht und Zutrauen in Politik, Zutrauen in Wissenschaft, Zutrauen in Fortschritt und nicht ideologisches Klebenbleiben auf Standpunkten, die wir längst hätten verlassen sollen. Vielen Dank.
