thueringer-landtag.de ↗

Thomas L. Kemmerich

FDP 02.06.2023 Sitzungen 7/112

Gasförderung in Thüringen – Alle Optionen müssen auf den Tisch

Sehr verehrte Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren, Kollegen Abgeordnete, liebe Zuschauer hier auf der Tribüne und hoffentlich noch ein paar mehr an den Möglichkeiten, die das Netz so bietet, „heimische Gasförderung“ klingt sicherlich erst mal überraschend, aber gehen wir zurück in die Debatte, die uns lange Zeit begleitet hat und uns wahrscheinlich in Zukunft weiter begleiten wird: Wie sichern wir unsere Energieversorgung für Thüringen, aber auch für Deutschland und was kann Thüringen für einen Beitrag dazu bringen? Die Situation, die wir gerade haben, ist, dass wir zwar die Gasspeicher mit 75 Prozent gefüllt haben, aber auf der anderen Seite diese Füllstände mit Methoden und Umständen erreichen, die oftmals Verwunderung nach sich ziehen. Wir beziehen in großem Maße LNG, zum Beispiel über Niederlande und Belgien. Das wird dort mit großen Tankern angeliefert, die sicherlich nicht CO -neutral die Meere 2 dieses Planeten befahren. Wir bauen vor Rügen ein großes LNG-Terminal, das da sehr umstritten ist, und muten unseren Nachbarn diese Förderung zu, um unsere Gasversorgung sicherzustellen. Die Gasversorgung wird etwas sein, worauf wir lange Zeit nicht verzichten können. Es werden noch Gaskraftwerke gebaut werden, was auch notwendig ist, denn zurzeit haben wir die Situation, dass nach dem Abschalten der Atomkraftwerke der Ersatzstrom aus teilweise sehr stark CO verpestenden Kohlekraftwerken mit 2DDR-Baujahr produziert wird, dass wir natürlich auch Atomstrom aus Frankreich importieren – all das ist keine autarke Energieversorgung. (Beifall Gruppe der FDP) Wir haben in Deutschland und auch in Thüringen Gas gefördert. Zum Beispiel ist die zurzeit geförderte und verbrauchte Gasmenge aus deutschen Beständen nur ein Zehntel von dem, was wir zurzeit aus Norwegen importieren. Insofern wollen wir einfach eine offene Diskussion und Debatte darüber haben, auch Gasfelder in Thüringen zu explorieren, zu untersuchen und einfach die Möglichkeiten zu eruieren. Fakt ist, seit 2016 gilt ein Fracking-Verbot – Fracking ist die Methode, diese unkonventionellen Gasvorkommen zu explorieren, also nutzbar zu machen. Es gilt durch die Große Koalition in Berlin als beschlossen – also SPD und CDU und vor allem auch auf Betreiben unseres Energieministers, Herrn Habeck –, ebendieses Fracking-Verbot aufzuheben und auch da als Thüringer mitzuwirken. Ich glaube, viele haben ein Störgefühl, wenn wir quer über die Welt fliegen, in Katar LNG einkaufen, das transportieren, wenn wir zurzeit sogar Kohle aus Australien holen. All das ist keine stimmige Konzeption. (Beifall Gruppe der FDP) Das ist sicherlich eine Alternative zu der kurzfristig aufgetretenen Situation, dass aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen auf europäischem Boden Putin Gas als Waffe gegen unsere Wirtschaft und damit auch gegen uns und Europa eingesetzt hat, aber Alternativen, die wir langfristig für Deutschland nutzbar machen müssen, sind das nicht. Wir haben auch in Thüringen Abwanderungstendenzen; prominentes Beispiel ist eine Firma in Jena, die ihre Expansion nicht mehr in Deutschland macht, sondern nach Schweden geht. Bei allem, was wir so gedacht und gehört haben, ist Schweden jetzt durchaus erst mal verwunderlich, aber der Bezug ist eben preiswerte, bezahlbare, sichere Energie. Wir haben gesehen, in Norwegen bringen sie einen Meiler an das Netz, auch wenn es eine lange Bauzeit war, aber ich glaube, wir müssen alle Denkverbote aufgeben und auch über die weitere friedliche Nutzung von Kernenergie, von Fusionsenergie diskutieren. Auch da gibt es tolle Modelle. Aber jetzt geht es hier erst mal um Gas geben und Gas gewinnen in Thüringen. Danke schön.

Alle Reden von Thomas L. Kemmerich Protokoll ↗