Thomas Rudy
Klimafreundliches Bauen fördern – Lehmbauweise entbürokratisieren
Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, sehr geehrte Zuhörer, der Antrag der Thüringer FDP mit dem Titel „Klimafreundliches Bauen fördern – Lehmbauweise entbürokratisieren“ in Drucksache 7/7710 ist ein Beispiel für eine Forderung, die die Realität und die Sicherheitsstandards im Bauwesen nicht ausreichend berücksichtigt. Die Forderung nach einer Entbürokratisierung der Bauvorschriften für Gebäude, die mit Lehmbauweise errichtet wurden, birgt Gefahren. Zunächst einmal ist es wichtig zu betonen, dass die Bauvorschriftenstandards in Deutschland nicht ohne Grund so streng sind. Sie dienen dazu, die Sicherheit von Gebäuden und damit auch die Sicherheit der Menschen, die in ihnen leben und arbeiten, zu gewährleisten. Eine Lockerung dieser Vorschriften könnte potenzielle Sicherheitsrisiken mit sich bringen und somit Menschenleben gefährden.
(Zwischenruf Abg. Bilay, DIE LINKE: Neh-
men Sie deutschen Lehm, der ist doch gut!) Insbesondere die Anforderungen an den Brandschutz und die Statik sind von entscheidender Bedeutung und sollten nicht unbedingt reduziert werden. Darüber hinaus ist es wichtig zu bedenken, dass es bereits eine Vielzahl von Vorschriften und Normen gibt, die den Einsatz der Lehmbauweise regeln. Diese Vorschriften sind notwendig, um sicherzustellen, dass Gebäude, die mit dieser Bauweise errichtet werden, den gleichen Sicherheitsstandards entsprechen wie Gebäude, die mit anderen Baumaterialien errichtet wurden. Eine Entbürokratisierung dieser Vorschriften könnte dazu führen, dass Lehmbauten nicht dem gleichen Standard entsprechen wie andere Gebäude, was zu einer Benachteiligung gegenüber anderen Bauweisen führen würde. Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass die Verwendung von Lehm als Baumaterial nicht die einzige ökologisch und ökonomisch sinnvolle Option ist. Es gibt auch viele andere nachhaltige Baumaterialien wie Holz, Stroh oder recycelte Materialien, die ebenfalls ökologisch und ökonomisch sinnvoll sind und auch in der Baubranche eingesetzt werden können. Eine Fokussierung auf nur eine Bauweise könnte andere nachhaltige Optionen ausschließen und somit die Vielfalt und Innovation der Baubranche einschränken. Lehm wird eher selten genutzt, da es auch einige Nachteile gibt. Lehm ist feuchtigkeits- und frostempfindlich, schrumpft und schwindet beim Austrocknen. Eine weitere potenzielle Folge einer Entbürokratisierung der Bauvorschriften für Lehmbauweise ist die Schaffung von Ungleichheit in der Baubranche. Andere nachhaltige Baumaterialien wie Holz oder Stroh, werden derzeit strengen Bauvorschriften unterworfen, während für Lehmbauweise eine Lockerung der Standards gefordert wird. Dies würde zur Wettbewerbsverzerrung führen und den Einsatz anderer nachhaltiger Baumaterialien verhindern. Es gibt natürlich auch Vorteile beim Lehmbau, das will ich nicht verschweigen. Es gibt moderne Innenbaudämmsysteme, es gibt Lehmziegel. Natürlich kann man das probieren und deswegen sollte man das im Ausschuss besprechen. Ich bin da eher skeptisch, aber ich lasse mich auch überzeugen.
(Zwischenruf Abg. Bilay, DIE LINKE: Aber
Lehm ist doch braun, das muss euch doch gefallen!)
(Heiterkeit DIE LINKE)
Vielen Dank.
(Beifall AfD)
