Thomas Hartung
Lehrerbildung weiterdenken – Schritte zu einer Reform der zweiten und dritten Phase der Lehrerbildung
Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Zuschauer auf den Tribünen, es geht in diesem Antrag eigentlich um die zweite und dritte Phase der Lehrerausbildung, auch wenn offensichtlich der größte Streitpunkt die erste Phase ist, wie Sie hier erkennen. Eigentlich wollte ich mich gar nicht daran beteiligen, weil es ja offensichtlich geworden ist, dass wir da unterschiedliche Auffassungen haben. Aber lieber Christian Tischner, ich muss trotzdem zwei Sätze darüber verlieren – ich habe mich gerade noch mal kurz mit Volker Emde unterhalten. Du forderst, die Ausbildung der Lehrer bedarfsgerecht zu gestalten. Das ist eine Forderung, die unterschreibe ich sofort. Die versuchen wir aber spätestens seit 2009 – so lange mache ich da nämlich mit. Wir haben da Runden mit einer schwarz-roten Koalition gehabt – Christian Schaft war in einer völlig anderen Funktion auch beteiligt – und wir haben es nicht geschafft, auch damals schon nicht aus ganz unterschiedlichen Gründen. Wir werden es auch einfach nicht schaffen, wenn wir nicht grundlegend andere Wege gehen, den erheblichen Überhang an Gymnasiallehrern – ich will das jetzt mal vorsichtiger formulieren –, die wesentlich höhere Bereitschaft, das Gymnasiallehramt gegenüber dem Regelschullehramt zu studieren, nicht dadurch, sage ich mal, verändern, dass wir sagen: Es wäre aber schön, wenn ihr Regelschullehrer werdet. Sondern wir werden andere Schritte gehen müssen. Das offen zu diskutieren, steht uns noch bevor. Denn wir haben auch einen Antrag zur ersten Phase der Lehrerbildung. Aber jetzt zum Gegenstand des heutigen Antrags. Es ist schon gesagt worden: Ein Kernpunkt ist, dass wir die Studienseminare dezentraler gestalten wollen. Das heißt, in den einzelnen Schulamtsbezirken wird es Seminare geben. Das heißt, es wird Seminare in Eisenach, Meiningen, Erfurt, Nordhausen und Gera geben. Das bedeutet, dass Referendare nicht mehr so viel fahren müssen wie bisher. Sie können in ihrer Region bleiben. Sie können auch in ihrer Region ausgebildet werden. Dadurch erhoffen wir uns eine höhere Effizienz der Lehrerausbildung. Und auf diese höhere Effizienz durch Dezentralisierung setzen wir noch eins drauf, indem wir sagen: Okay, wenn sie dann an den Schulen sind, sollen die Schulen erheblich mehr Mitsprache bei der Einstellung dieser Referendare bekommen. Denn – und da möchte ich durchaus an die Vorredner anschließen – es kann nicht sein, dass es in anderen Ländern möglich ist, dass die Schulen sich da wesentlich besser einbringen und beteiligen können, und in Thüringen ist es das nicht. Denn wir brauchen diese höhere Beteiligung.
(Beifall Gruppe der FDP)
Wir brauchen das Werben um die Lehrkräfte. Wir brauchen die Möglichkeit, dass Menschen in der Schule, in der sie ihr Referendariat ableisten, in der sie sich vielleicht wohlfühlen, auch eine Perspektive bekommen, so es dort freie Stellen gibt – und ich bin da sehr zuversichtlich, dass es an fast allen Schulen, wo Referendare tätig sind, freie Stellen gibt. Also, dass wir diesen Menschen einfach den Weg ebnen, dass wir wesentlich mehr darum kämpfen, dass wir sie behalten, und alles, was dazu nutzt, sollten wir aktivieren, das sollten wir in Erwägung ziehen. Deswegen wollen wir im Prinzip hier die Möglichkeit schaffen, dass Menschen deutlich besser betreut werden, deutlich besser umworben und dann dazu motiviert werden, an der Schule, an der sie sich wohlfühlen, auch eine Stelle zu bekommen. Ein anderer Schwerpunkt – auch das ist schon angesprochen worden –, ist der Einsatz von Seiteneinsteigern. Auch hier brauchen wir das MentoringProgramm. Viele Seiteneinsteiger schmeißen hin, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Das können wir uns eigentlich nicht erlauben. Wer in der Lage ist, den Lehrberuf auszuüben, der sollte auch so betreut werden, dass er im Hinschmeißen keine Alternative sehen muss, sondern dass er sich tatsächlich wertgeschätzt, sich aufgenommen fühlt und wir diese Lehrkräfte dann auch in den Unterricht bekommen. Kurz und gut: Ich glaube, hier ist ein Sammelsurium von Vorschlägen zusammengetragen, die wir umsetzen sollten. Ich freue mich auf die Debatte im Ausschuss. Ich bin mir sehr sicher, dass wir uns im demokratischen Spektrum auf eine Variante einigen können, die wir dann hier verabschieden können. Ich bin mir auch sehr sicher, dass wir über das Thema „Lehrermangel“ nicht das letzte Mal reden. Ich glaube, wir werden noch sehr viele andere Maßnahmen ergreifen müssen, weil es eine Aufgabe ist, die uns noch eine Weile begleiten wird, denn wir haben dieses Problem zu lange nicht lösen können. Ich habe es vorhin angesprochen, mich begleitet es seit fast 15 Jahren, und insofern wird es nicht mit einem Antrag, mit einer Gesetzesänderung erledigt sein, aber wir sollten die ersten Schritte tun. Vielen Dank.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
