Babette Pfefferlein
c) auf Antrag der Fraktion DIE LINKE zum Thema: „‚Workers Memorial Day‘ am 28. April 2023 – Arbeitsschutz in der Baubranche in Thüringen ernst nehmen und nachhaltig absichern“
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Gäste hier im Thüringer Landtag, die Fraktion Die Linke nimmt den Workers‘ Memorial Day zum Anlass einer Aktuellen Stunde. Seit fast 40 Jahren gibt es diesen Tag, an dem jährlich am 28. April der Arbeitenden gedacht wird, die in der Ausübung ihrer Tätigkeit gestorben, verletzt oder krank geworden sind. Der Tag wurde 1984 in Kanada von der Internationalen Arbeitsorganisation ILO ins Leben gerufen. Das Bewusstsein für Arbeits- und Gesundheitsschutzfragen steht an diesem Tag im Mittelpunkt. Nun gibt es sicher in jedem Beruf mögliche Gesundheitsgefährdungen, aber die Statistiken zeigen, dass gerade im Bereich der gewerblichen Wirtschaft insbesondere in der Industrie, im Baugewerbe und im Handel die meisten Unfälle passieren. Laut der Statistik der Gesetzlichen Unfallversicherung DGUV waren im Jahr 2020 Bauarbeiter, Lagerarbeiter, Berufskraftfahrer und Pflegekräfte die am meisten davon betroffenen Berufsgruppen. Das verwundert nicht, sind es doch genau die Beschäftigten, in denen die körperlichen Belastungen und der Stress besonders hoch sind. Wir nehmen heute diesen Tag zum Anlass, um über die Notwendigkeit und Bedeutung von Sicherheit am Arbeitsplatz für die Gesundheit zu sprechen. Ganz sicher hat sich da in den vergangenen Jahren sehr viel geändert, unbedingt zum Positiven. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stärker auf ihre Rechte pochen, zum anderen aber auch damit, dass sich in den Unternehmen die Erkenntnis durchsetzt, dass Menschen, die bereit sind, in diesen Berufen die schwere Arbeit zu leisten, ein hohes Gut sind. So zielen die heutigen Arbeitsschutzregeln stark darauf ab, die Sicherheit und die Gesundheit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern durch persönliche Schutzausrüstung, durch Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz, aber auch durch Schulungen und regelmäßige Sicherheitsbriefings zu gewährleisten. Auch vernünftige Arbeitszeitregelungen gehören dazu. Nur so können Ermüdung und Überanstrengung vermieden werden. Nicht zuletzt ist sicher auch die erhöhte Maschinensicherheit zu nennen, durch die Verletzungen oder Krankheiten vermieden werden. Mir ist klar, dass in Realität bei Weitem nicht alle Anforderungen an den Arbeitsschutz in allen Branchen eingehalten werden. Doch umso wichtiger ist, dass wir uns heute mit diesem Thema befassen. Dann haben wir die bekannten Gefahren in den Berufsbildern halbwegs im Griff. So wird der Einfluss von sich ändernden Klimabedingungen noch viel zu wenig wahrgenommen. Auf den ersten Blick mag es keinen direkten Zusammenhang zwischen Arbeitsunfällen und Klimawandel geben. In wohltemperierten Büros, in denen vielleicht sogar eine Klimaanlage mitläuft, sind heiße Sommertage sicher auch am Arbeitsplatz erträglich. Doch extreme Wetterereignisse werden mehr, die Häufigkeit und Intensität von Stürmen, Hochwasser und Hitzeperioden wächst. Das macht auch die Arbeit in Berufen unter freiem Himmel unsicherer. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dort sind oft hohen Risiken ausgesetzt. So kann extreme Hitze zu Hitzschlag und Dehydration führen. Hochwasser und Stürme gefährden Leib und Leben. Es ist wichtig, diese Zusammenhänge zu verstehen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um das Risiko von Verletzungen und Unfällen auf Baustellen zu reduzieren.
(Beifall DIE LINKE)
Vor den zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels auf Umwelt und Gesellschaft dürfen wir nicht die Augen verschließen. Auch wenn Unachtsamkeit auf Unfallquellen oder die Nichteinhaltung von Vorschriften auf Baustellen, Stress durch hohen Aufgabendruck in Pflegeheimen noch immer die bei Weitem häufigsten Unfallauslöser sind, müssen wir wahrnehmen, dass mit veränderten klimatischen Verhältnissen hier noch weitere Gefahren dazugekommen sind. Um diesen Gefahren zu begegnen, müssen auch die Unternehmen aktiv werden. Hier liegt aus unserer Sicht aber auch gerade bei der Vergabe öffentlicher Aufträge die Verantwortung bei denen, die die Aufträge vergeben. Allein gegen die Auswirkungen von Hitzetagen reichen schon einfache Maßnahmen. So gehört die Bereitstellung von ausreichend Trinkwasser dazu, doch kann es auch notwendig sein, die Arbeitszeit anzupassen oder körperlich anstrengende Aktivitäten zu reduzieren. Auch der Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung, die Bereitstellung von Hautpflegeprodukten oder entsprechender Arbeitskleidung können helfen. Womöglich sollten auch flexible Arbeitszeiten ermöglicht werden, um die Arbeit in der kühleren Zeit zu erledigen, und nicht zuletzt ist auf die Einhaltung regelmäßiger Pausen zu achten. Schon diese einfachen Maßnahmen können dazu beitragen, dass Unfälle am Arbeitsplatz während der kommenden heißen Sommertage vermieden werden. Der Workers‘ Memorial Day erinnert daran, wie wichtig es ist, die Rechte der Arbeitnehmenden zu schützen, für sichere und gesunde Arbeitsbedingen zu sorgen und damit die Würde und den Respekt für alle Menschen zu fördern, die schwere körperliche Arbeit unter freiem Himmel leisten. Diesen Menschen gilt meine Hochachtung, denn sie haben es verdient. Vielen Dank.
(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN)
