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Thomas Hartung

SPD 02.02.2023 Sitzungen 7/101

b) Integration von Seiteneinsteigern ins Thüringer Schulsystem verbessern, Unterrichtsausfall vermeiden

Sehr geehrte Gäste auf den Rängen, das ist der Klassiker hier im Hohen Haus. Frau Bergner hat hier noch gelobt, dass wir sehr sachlich und an den Themen orientiert diskutieren. Dann kommt Herr Höcke und es wird krawallig. Das ist immer so. Wenn die AfD hier vom Leder zieht, dann ist es mit Sachlichkeit eigentlich vorbei. Herr Höcke, Sie sagen, das DDR-System war zwar ideologisch überlastet, hat aber eine gleichmachende Funktion gehabt, so ungefähr haben Sie sich ausgedrückt. Im Unterschied zu Ihnen durfte ich das DDR-Bildungssystem zwölf Jahre genießen. Ich habe sehr viel gelernt. Es wurden guten Grundlagen gelegt. Aber glauben Sie mir, ich wünsche keinem Schüler heute genau diesen Druck. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das sage ich als jemand, der sich nicht seiner Ausbildung schämt. Aber ich wünsche das tatsächlich den Schülern nicht. Denn es geht uns nicht um Gleichmacherei, um Uniformität und das Erreichen eines Ziels dadurch, dass ich mich einem höheren Ideal unterordne. Es geht darum, dass jeder Mensch in seiner Jugend seine Vielfalt entfalten kann, dass er sich finden kann, dass er den Weg geht, der für ihn angemessen ist, unabhängig davon, was seine persönlichen Einstellungen, seine politischen Vorlieben und seine Eigenheiten sind. Genau diese Uniformität, die die DDR erzwungen hat, die wollen wir nicht. Deswegen: Das unterscheidet uns fundamental voneinander. Und, Christian Tischer, auch das kann nicht unwidersprochen bleiben. Du sagst, die schulstufenbezogene Ausbildung wird keinen einzigen Lehrer mehr nach Thüringen bringen. Das mag sein. Mir würde es aber reichen, wenn die 40 Prozent, die Gymnasiallehrer werden wollen, aber hier nicht gebraucht werden, nicht aus Thüringen weggehen. Wenn sie hier bleiben würden, würde mir das schon reichen, denn dann hätten wir einen Effekt, (Zwischenruf Abg. Tischner, CDU: Sachsen macht es doch auch!) dann hätten wir deutlich mehr Lehrer in der Sekundarstufe. Das ist doch genau das Ziel. Und, lieber Christian Tischer, das Problem ist doch: Wir sind lange über den Punkt hinaus, dass wir sagen, das ist jetzt der eine glücklich machende Weg. Im Moment sind wir in einer Situation, in der wir tatsächlich unterschiedlichste Wege diskutieren müssen, damit wir zu einer Lösung kommen. Es kann kein ideologisches No-Go geben gegen eine schulstufenbezogene Lehrerausbildung, weil du meinst, dass es nichts bringt, (Beifall DIE LINKE) das darf nicht sein. Genauso wie wir unsere Position als Sozialdemokraten bezüglich der Verbeamtung geräumt haben, das sehen wir nicht alle jubelnd. Und du hast recht: Es mag sein, dass in der CDU-Regierungsphase über den Bedarf ausgebildet wurde. Das liegt aber erstens daran, dass ihr den Bedarf deutlich zu niedrig angesetzt habt. Und zweitens wurde nicht nur dahin gehend der Bedarf nach unten korrigiert, sondern auch die Einstellungspraxis. Dem laufen wir heute noch hinterher. (Beifall DIE LINKE) Und das ist irgendwann erledigt, Christian, irgendwann – das ist völlig richtig – können wir uns nicht mehr darauf berufen, dass die CDU so wenig Lehrer eingestellt hat. Aber diese Phase zu verklären, das lassen wir auch nicht zu. Dass ihr euch herstellt und sagt, das war eine gute Zeit, weil wir ja über den Bedarf ausgebildet haben, weil wir den Bedarf niedrig angesetzt haben, das lassen wir euch auch nicht durchgehen. Vielen Dank. (Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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