Thomas Hartung
b) Integration von Seiteneinsteigern ins Thüringer Schulsystem verbessern, Unterrichtsausfall vermeiden
Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren, in einem stimmen alle Redner bislang überein: Wir brauchen Seiteneinsteiger, weil wir im Moment einen Mangel an grundständig ausgebildeten Lehrkräften haben. Da gibt es überhaupt nichts zu diskutieren, wir brauchen die Seiteneinsteiger. Viele Punkte, die die CDU in ihren Antrag geschrieben hat, kritisiere ich gar nicht. Wir sind manchmal in den Lösungsansätzen nicht immer einer Meinung, aber zumindest die Problemanalyse teilen wir. Es würde uns allerdings helfen – ich habe es eben schon im persönlichen Gespräch angesprochen –, wenn wir die Problemanalyse ein bisschen erweitern und schauen: Was können wir denn tun, um mehr Lehrer aus der grundständigen Lehrerausbildung in die Schule zu bringen, zum Beispiel indem wir von der schulartenbezogenen auf die schulstufenbezogene Lehrerausbildung umschwenken? Ungefähr 50 Prozent der Sekundarstufenlehrer wollen Gymnasiallehrer werden, davon brauchen wir aber nur 10 Prozent. Da ist ein erhebliches Delta. Wenn dann noch dazu kommt, dass man sich Fächer wählt, bei denen der Bedarf nicht ganz so groß ist, gehen einfach ausgebildete Lehrer verloren, weil sie in Thüringen oder möglicherweise sogar in ganz Deutschland nur eingeschränkt gebraucht werden. Da können wir nachsteuern und könnten im Prinzip dazu kommen, dass einige von den grundständig ausgebildeten Lehrern bei uns im Schuldienst landen. Aber selbst das würde wahrscheinlich nicht reichen, weil einfach die Zahl ausgebildeter Lehrer zu gering ist. Selbst das reicht nicht. Wir brauchen trotzdem Seiteneinsteiger. Das ist aber kein Thüringer Problem, das ist bundesweit so. Das heißt, wir sind im Moment in einem Wettbewerb um die besten Modelle, um die besten Köpfe, um die beste Einstellung. Und da – da sind wir wieder gar nicht so weit auseinander – müssen wir die Einstellungspraxis und die Qualifizierungspraxis der Seiteneinsteiger deutlich verbessern, deutlich reformieren. Wir brauchen also nicht nur die Entbürokratisierung, wir brauchen auch eine bessere Begleitung. Und ja, ich rede auch mit einer ganzen Reihe Seiteneinsteigern und manchmal ist es tatsächlich so, dass man nur den Kopf schütteln kann und überhaupt nicht begreift, wie man bürokratisch zu diesen teilweise lebensfremden Entscheidungen kommen kann. Nur ein Beispiel der letzten Wochen: Der junge Kollege, der bei mir war, erzählte mir, dass er für eine unbefristete Einstellung gewisse Qualifikationen erbringen muss, aber bis zur unbefristeten Einstellung von dem größten Teil der Angebote unseres ThILLM und unserer staatlichen Weiterbildung ausgeschlossen ist. Dann macht er die Weiterbildung, um sich dann sagen zu lassen: Die hätten Sie gar nicht gebraucht, Sie brauchen den Pädagogikteil. Da beißt sich dann die Katze in den Schwanz. Das sind Dinge, da müssen wir wirklich besser werden, weil – und das sagen auch die Abbrecherquoten – die Menschen irgendwann sagen: Nein, dann lieber nicht, dann gehe ich in ein anderes Bundesland, wo die Betreuung besser ist. Mecklenburg-Vorpommern wird gern genannt, Sachsen weniger gern – warum auch immer. Aber es gibt andere Bundesländer, die den Wettbewerb um dieselben Köpfe führen, um die wir werben. Deswegen müssen wir da einiges tun. Und ich bin da ganz dabei, das ist auch im Punkt III des CDU-Antrags: Wir brauchen auch bundesweite Projekte, bundesweite Lösungsansätze, die uns dabei unterstützen. Wir brauchen eine bessere Zusammenarbeit der Bundesländer. Ich glaube, es lohnt sich tatsächlich, über diese Ansätze im Ausschuss zu diskutieren. Vielleicht kriegen wir dann auch eine Antwort auf die Diskrepanzen zwischen der Frage dieses Antrags und der Frage, Lehrerberuf attraktiver machen. Da sind nämlich manche Antworten unterschiedlich. Aber Christian, das kannst du mir dann im Ausschuss vielleicht erklären. Anhörung gern! Und am Ende, glaube ich, sind wir durchaus in der Lage, einen vernünftigen Beschluss hier zusammen auf den Weg zu bringen. Ich glaube allerdings nicht, dass der vorliegende AfD-Antrag substanziell dazu etwas beitragen kann, weil die Sachen entweder in anderen Anträgen stehen oder schon umgesetzt werden oder schlicht und ergreifend überflüssig sind. Bei der Gelegenheit möchte ich mir die Bemerkung erlauben, dass ich nicht glaube, dass die Sprachbarriere für einen Lehrer beispielsweise aus Österreich größer ist als für einen aus Bayern. Vielen Dank.
(Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
