Thomas Hartung
b) Lernlücken schließen – Bildungschancen wahren – Aus der Corona-Krise lernen – Schule der Zukunft jetzt auf den Weg bringen
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Lieber Christian Tischner, in einem Satz muss ich dir unumwunden zustimmen: Die beiden Anträge hatten eine deutlich unterschiedliche Qualität. Deswegen ist einer im Ausschuss durchgewunken worden und einer nicht. Während der Pandemie haben wir verschiedene Probleme erlebt. Wir haben Einrichtungsschließungen erlebt. Wir haben erlebt, dass Distanzunterricht das Verhältnis zwischen Lehrerinnen und Schülern deutlich verändert hat, dass wir durch Digitalisierung, durch Wechselmodelle usw. deutliche Ausfälle in der Stoffvermittlung gehabt haben. Trotz aller Bemühungen der Lehrerinnen und Lehrer, der Erzieherinnen und Erzieher konnten sie genau diese Probleme nicht schultern. Sie waren – das haben wir gemerkt – auf die Herausforderungen, die auf das Bildungswesen zugekommen sind, nicht ausreichend vorbereitet. Das war zum einen erkennbar an der nicht flächendeckenden hohen Medienkompetenz, zum anderen aber auch an der nicht flächendeckenden Ausstattung mit entsprechenden digitalen Endgeräten. Das Problem war erwartbar. Keine Gesellschaft auf der Welt war auf diese Pandemie ausgerichtet. Wir haben es verlernt, mit Epidemien umzugehen, und haben im Prinzip deswegen auch die entsprechenden Vorbereitungen im Vorfeld nicht vornehmen können. Aber, und das ist die Verantwortung, aus den Ereignissen der letzten drei Jahre zu lernen, das wird uns niemand abnehmen, das müssen wir tun und die Konsequenzen müssen wir im Prinzip etablieren. Wir als Koalitionsfraktionen haben relativ zügig erkannt, dass das nicht einfach darin bestehen kann, dass wir uns hinstellen und sagen, das und das ist halt blöd gelaufen, aber jetzt ist die Pandemie vorbei und wir gehen zurück zum Status quo ante. Das wollen wir nicht. Wir wollen im Prinzip am Ende ein Thüringer Bildungswesen, das aus den Erfahrungen der Pandemie gestärkt in die nächsten Jahre geht und uns im Prinzip die Möglichkeit gibt, aus den Ereignissen der letzten Jahre entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Deswegen haben wir im Juli 2021, also noch mitten in der Pandemie, einen Antrag hier eingebracht. Dieser Antrag fasst im Prinzip zusammen, was wir aus sehr, sehr vielen Gesprächen mit Eltern, mit Pädagoginnen und Pädagogen, mit Erzieherinnen und Erziehern, mit Einrichtungsleiterinnen usw. usf. genommen haben. Mit all diesen Menschen haben wir gesprochen. An dieser Stelle vielen Dank an diese Menschen, denn sie haben in der Pandemie wirklich Herausragendes geleistet.
(Beifall DIE LINKE, Gruppe der FDP)
In diesem Zusammenhang war es uns einfach auch eine Verpflichtung, diese Anregungen aufzunehmen; sie sind in unseren Antrag eingeflossen. Das heißt, wir haben nicht nur die Problemanalyse, die hier mehr oder weniger intensiv schon vorgebracht worden ist, gemacht, wir haben auch konkrete Lösungsvorschläge für diese Lernrückstände, für die Probleme formuliert, das heißt also, eine individuelle Förderung jedes Schülers, der Ausgleich der Lernrückstände, die sprachliche soziale Integration. Das kam halt durch diese Distanz zwischen Lehrerinnen und Lehrern und Erzieherinnen sowie Erziehern und den Kindern und Jugendlichen zustande. Wir haben auch etabliert, dass wir die Digitalisierung vorantreiben wollen. Nicht etwa nur, um den Lehrermangel zu kaschieren, sondern einfach, weil es ein Instrument ist, das uns die moderne Technologie bietet. Andere Länder in Europa haben ohne Pandemie die Digitalisierung für sich entdeckt und schon deutlich weiterentwickelt, auch im Lehrbereich, im Schulbereich, als es Deutschland nach der Pandemie bislang geschafft hat. Insofern, glaube ich, brauchen wir nicht alle Details zu rekapitulieren. Es war eine Bereicherung im Ausschuss, dass – anders als die CDU – die Gruppe der FDP in Persona von Frau Baum durchaus bereit war, über die unterschiedlichen Vorstellungen und Anträge zu reden. Insofern ist jetzt eine Beschlussempfehlung des Ausschusses zustande gekommen, die sich in einigen Anstrichen deutlich von unserem Antrag unterscheidet und in die Punkte der FDP aufgenommen worden sind. Ich möchte hier einige nennen: Das ist zum Beispiel die Ermöglichung multiprofessioneller Teams, die Stärkung der Maßnahmen zur Prävention von Gewalt, Medienabhängigkeit und hybridem Mobbing – nein, das ist nicht durch den digitalen Unterricht entstanden, es ist uns im Prinzip jetzt auffällig geworden, dass es so etwas gibt, das gab es auch vorher schon, das gibt es spätestens seit der Einführung von Handys –, Cybermobbing und Ähnlichem. Wir haben jetzt im Prinzip die Möglichkeit, nicht nur die positiven Aspekte für den digitalen Unterricht zu nutzen, sondern wir wollen auch das hybride Mobbing und auch Negativpunkte bekämpfen. All das ist in Zusammenarbeit mit der FDP in unsere Beschlussempfehlung eingeflossen. Vielen Dank für die Zusammenarbeit. Wir hätten auch gern mit Herrn Tischner und der CDU zusammengearbeitet. Das war leider nicht möglich, Kollege Wolf hat es schon gesagt. Insofern ist das, was wir hier vorliegen haben, das, was wir als progressive Politiker zusammenbekommen haben. Wir mussten leider einige auf dem Weg zurücklassen. Dennoch bitte ich um Zustimmung zu unserer Beschlussempfehlung und Ablehnung des CDU-Antrags. Vielen Dank.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
