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Heike Werner

15.12.2022 Sitzungen 7/97

Thüringer Aktionsplan Endometriose

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Erst mal herzlichen Dank für die fundierte Debatte hier im Landtag zu dem Thema. Es wurden jetzt viele Aspekte schon benannt, die ich gar nicht wiederholen möchte. Wichtig ist – und da bin ich Frau Klisch auch dankbar –, den Fokus auf geschlechtersensible Medizin zu richten. Das ist etwas, wo es in Deutschland noch sehr viel Nachholbedarf gibt, und ich denke, dass dieser Antrag und der Fokus auf die Erkrankung und was daraus folgt, auf jeden Fall einen Beitrag leistet. Im Antrag sind viele Forderungen hinterlegt, die zum Teil schon aufgegriffen werden, aber es gibt natürlich auch noch viele Dinge, die ungeklärt sind. Herr Montag hatte beispielsweise angesprochen, dass es einen neu entwickelten Speicheltest gibt, der seit Oktober 2022 auf dem Markt ist, der – das muss man eben auch sagen – aber momentan nur auf eigene Kosten in Anspruch genommen werden kann. Die liegen im hohen dreistelligen Bereich, und nur auf gesonderten Antrag können Krankenkassen diese Kosten übernehmen. Es liegt ein Antrag vor beim Gemeinsamen Bundesausschuss für die Anerkennung dieser Untersuchungsmethode und dann ist es natürlich auch die Aufnahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen, die noch aussteht. Aber das ist ein Punkt, von dem wir hoffen, dass der schnell umgesetzt wird. Es gibt eine ESHRE-Leitlinie, „Diagnostik und Therapien der Endometriose“. An dieser neu erstellten Leitlinie haben sehr viele Fachgesellschaften mitgewirkt, aber beispielsweise auch die Selbsthilfe. In dieser Leitlinie wurden viele und wichtige Handlungsempfehlungen für Diagnose und Therapie aufgestellt, basierend auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Diese Leitlinie zeigt den behandelnden Ärztinnen und Ärzten auch die neu definierten Handlungsempfehlungen auf für eine – und das ist wichtig, dass es das gibt – strukturierte und standardisierte Diagnostik und Therapie. In Thüringen, um es kurz darzustellen, finden betroffene Frauen beispielsweise in der Poliklinik für Frauenheilkunde und Fortpflanzungsmedizin des Universitätsklinikums Jena ein etabliertes Endometriose-Zentrum. Dieses Zentrum wurde auch rezertifiziert. Das heißt also, dass hier klar ist, dass den Patientinnen und Patienten auf höchstem medizinischen Niveau die Behandlung zugutekommt, die sie brauchen. Es steht ihnen ein umfangreiches, interdisziplinäres Team zur Seite, und natürlich gibt es darüber hinaus auch die Fachabteilungen für Gynäkologie in 26 verschiedenen Kliniken. Auch hier wird den hohen Anforderungen der Therapie und Diagnostik hohe Aufmerksamkeit gewidmet. Alle Ärztinnen und Ärzte sind gemäß der Berufsordnung der Landesärztekammer Thüringen verpflichtet, sich entsprechend dem Umfang fortzubilden, wie es die für die Berufsausübung erforderlichen Fachkenntnisse verlangen, und insbesondere hat der Aspekt der Erlangung von Erfahrungen, Fertigkeiten in Diagnostik und Therapie der Endometriose durch detaillierte Formulierung als Handlungskompetenz mit der im Juli 2020 in Kraft getretenen Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer mehr Berücksichtigung erfahren. Das bedeutet also, dass die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung mit der Bezeichnung „Frauenheilkunde und Geburtshilfe“ eine nachgewiesene Handlungskompetenz in der Endometriose in Thüringen haben. Das Thema „Forschung“ wurde angesprochen. Auch hier können wir darauf verweisen, dass in den Thüringer Forschungsstrategien ausdrücklich die Schwerpunkte der Gesundheitsforschung und Medizintechnik enthalten sind. Aber ich gebe Herrn Montag auch recht: Wir müssen auch darüber reden, wie das dann umgesetzt wird und wie diese Möglichkeiten der Forschung, die wir hier in Thüringen haben, genutzt werden. Ich bin auch ganz bei Ihnen, dass es für die Aufklärung über das Krankheitsbild sehr viel Unterstützung bedarf. Ich bin froh, dass dazu aber auch schon einiges vorliegt. Es gibt Patienteninformationen des Aufklärungs- und Beratungsnetzwerks der Endometriosevereinigung Deutschland, es gibt regional arbeitende Selbsthilfegruppen, auch die Bundeszentrale für gesellschaftliche Aufklärung hat entsprechende Materialien zur Verfügung gestellt. Ich denke, dass die Fragen, die jetzt hier besprochen wurden, und die ersten Hinweise, die ich geben kann aus Thüringen, auf jeden Fall geeignet sind, das im Ausschuss noch näher und ausführlicher zu diskutieren. Ich bin gespannt auf die Beratung im Ausschuss. Vielen Dank. (Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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