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Andreas Bühl

CDU 06.05.2022 Sitzungen 7/80

Perspektiven für den Thüringer Tourismus – einen erfolgreichen und nachhaltigen Neustart der Tourismuswirtschaft in Thüringen ermöglichen

Sehr verehrte Damen und Herren, ich freue mich, dass wir heute Morgen über das Tourismusthema hier sprechen können mit dem Antrag, der ja von unserer Fraktion schon im letzten Winter eingereicht worden ist. So lange hat es gedauert, bis wir hier zu einem Ergebnis gekommen sind, nicht zu spät hoffentlich, aber doch mit anderen Rahmenbedingungen, als wir uns in dem ursprünglichen Antrag vorgegeben hatten. Die Coronapandemie ist glücklicherweise jetzt so weit überstanden, dass wir von deutlich mehr Öffnungen profitieren können, als wir das noch beim Schreiben des Antrags im Blick hatten, sodass wir den Antrag auch angepasst haben. Aber es bleibt ein grundsätzliches Problem und wir haben ein Problem im Thüringer Tourismus, was man ganz klar ansprechen muss. Wir haben die Zahlen vorliegen – allein im Vergleich von Februar 2021 zu 2022 sieht man das sehr deutlich. In den Übernachtungszahlen ist Thüringen auf dem viertletzten Platz. Sachsen-Anhalt, Saarland, Bremen sind noch hinter uns, aber wir sind auf dem viertletzten Platz. Das ist keine wirklich neue Erkenntnis, weil wir ja die letzten Jahre immer darum gestritten haben – auch hier im Haus – und, ich glaube, da sind wir uns weitgehend einig, was wir tun wollen. Aber ich habe den Eindruck, die Landesregierung setzt es nicht um. Denn wenn die Mehrheit hier im Haus dafürsteht, aber es dann nicht gemacht wird, scheint es ja ein Problem zu geben. (Beifall CDU) Wir konnten auch nicht von den Steigerungen, die im letzten Jahr im Inlandstourismus passiert sind, profitieren. Mein Kollege Knut Korschewsky hat es ausgeführt, es gab einen starken Trend zum Inlandstourismus. Mecklenburg-Vorpommern, das verwundert wenig, hat eine Steigerung von 331 Prozent gehabt, Thüringen liegt dabei im unteren Mittelfeld bei 136 Prozent, der Bundesdurchschnitt sind 160 Prozent. Wir haben es also nicht geschafft, wenigstens den Bundesdurchschnitt zu erreichen, obwohl wir im letzten Jahr eine BUGA hatten, die natürlich auch viele Gäste angezogen hat. Das zeigt, welches Problem wir haben, dass wir augenscheinlich die PS nicht auf die Straße bringen, weder in der Werbung noch in dem, was wir so bieten – da muss sich dringend etwas ändern. (Beifall CDU) Deswegen haben wir jetzt hier eine Neufassung, einen Alternativantrag gemeinsam liegen. Ich will schon mal ankündigen, dass wir deswegen auch unseren ursprünglichen Antrag zurückziehen werden, weil das einfach eine überarbeitete Version ist, in der wir jetzt auch auf die Gegebenheiten nach Corona, nach der Pandemie eingegangen sind, und das damit einfach die aktuellere Version ist. Wir haben dort eine ganze Reihe von Punkten aufgegriffen, von denen ich mir wünsche, dass sie dann auch umgesetzt werden. Da will ich noch einen Punkt einstreuen, den ich mir jetzt nicht verkneifen kann. Ich hätte mir gewünscht, der Wirtschaftsminister wäre da, freue mich aber auch, dass seine Staatssekretärin da ist, aber ich hätte es lieber an den Wirtschaftsminister direkt adressieren wollen. Es wird uns nicht helfen, wenn man Maßnahmen wie zum Beispiel das Projekt „Zukunft Thüringer Wald“ einstellt. Das ist, glaube ich, keine Maßnahme, mit der wir den Tourismus stärken können. (Beifall DIE LINKE, CDU) Und das hat man vom Wirtschaftsministerium so sang- und klanglos gemacht, auch so ein bisschen am Ausschuss vorbei. Uns informiert man da sowieso nicht so gut; ich erinnere nur an die Tourismusmesse, da hatte man uns auch nicht informiert, sondern Fakten geschaffen. Genauso hat man es hier auch gemacht. Das ist ein Projekt, da muss man den ehemaligen Staatssekretär Georg Maier loben, der das damals eingeführt hat. Aber seitdem er nicht mehr da ist, hat man gemerkt, ist die Motivation für den Tourismus doch deutlich zurückgegangen. Das Projekt ist jetzt eingestellt, das ist schade. Ich wünsche mir, dass wir da anschließen, denn wir haben weiterhin ein Problem in der Qualität und in der Vermarktung und wir konnten nur profitieren in den Städten, an der Städtekette, aber abseits davon ist es schwierig. Deswegen haben wir hier eine ganze Reihe von Maßnahmen aufgeschrieben, die wir der Landesregierung ins Stammbuch schreiben dann auch umzusetzen. Kollege Knut Korschewsky hat es schon angesprochen; ich denke auch, wir haben ein Werbeproblem bei der TTG. Ich würde mir da deutlich mehr wünschen. Ich würde mir wünschen, dass wir auch sichtbar werden. Andere Länder sind sichtbar. Wir sind nicht so sichtbar, wie ich mir das wünschen würde, und wir müssen auch gezielter in die Quellmärkte reingehen, die wir uns wünschen würden. Ich habe das Gefühl, wir zerfasern uns da ein bisschen und kommen da nicht wirklich zum Punkt, den wir brauchen. (Beifall DIE LINKE, CDU) Auch die Nachvermarktung zum Beispiel von der BUGA – ich gucke meinen Kollegen Marcus Malsch an –, da sind wir ja stark dabei, dass man die BUGA auch in diesem Jahr noch mit vermarktet. Ich habe das Gefühl, wir machen immer ein Thema, dann fällt das unten runter und dann kommt das nächste Thema, auf das man draufsteigt und das alte ist vergessen. Wir sollten das auch nachhaltiger gestalten, das würde ich mir wünschen. (Beifall CDU) Und wenn man noch mal auf die konkreten Maßnahmen schaut, die Werbung ist das eine, die Qualität ist das andere. Ich denke, die Bezahlung der Mitarbeiter, das ist schon ein wichtiger Punkt, den muss man auch ansprechen, aber das ist natürlich eine Folge, die wird kommen. Anders wird es gar nicht gehen, weil sonst Unternehmer auch gar keine Mitarbeiter mehr finden. Ich glaube, das merken wir alle, die wir im Gespräch sind, dass die Fachkräftesituation eine schwierige ist. Wer Mitarbeiter haben will, der muss auch einen guten Preis dafür bezahlen, sonst wird er seine Firmen nicht mehr ausstatten können. Von daher ist das eine Entwicklung, die positiv ist, die man auch erwähnen muss. Zwei Dinge will ich explizit ansprechen, die wir hier aufgenommen haben: Das sind einmal die Erholungsorte, das Erholungsortthema. Ich weiß, es gibt hier im Hause starke Verfechter für die Kurorte. Ich wünsche mir das aber auch für die Erholungsorte. Da ist es immer ein bisschen schwieriger gewesen in den letzten zwei Jahren, hier auch Mehrheiten zu finden. Es ist dennoch gelungen, mit dem Coronabonus für die Erholungsorte zweimal in Folge etwas zu erreichen. 5 Millionen Euro waren das jeweils und das hat echte Effekte erzielt. Ich habe mich mit den Bürgermeistern unterhalten, was man da an Qualitätssprüngen in den Erholungsorten machen konnte. Das muss man, finde ich, verstetigen. Ich finde gut, dass wir uns hier in dem Antrag darauf verständigen schon mal über vier Fraktionen hinweg, dass wir da was angehen wollen, und das auch im Hinblick auf die kommenden Haushalte. (Beifall CDU) Es gibt jetzt eine Arbeitsgemeinschaft der Erholungsorte, die sich gegründet hat, und ich bin gespannt, mit denen auch ins Gespräch zu kommen, was die sich genau vorstellen. Das sollten wir dann auch gemeinsam begleiten. Ich finde gut, dass es hier drinsteht. Das ist das eine. Das andere sind die Messen. Wir haben in Thüringen noch kein Convention-Büro, also keine Möglichkeit, wo wir zentral Messen und Veranstaltungen für das ganze Land dann auch verteilen und vermarkten können. Das ist ein echter Nachteil, obwohl wir in Thüringen wirklich die beste Lage haben. Ich frage mich, warum das so lange nicht gemacht wurde. Auch da muss man wieder sagen, da haben wir eher ein Ausführungsdefizit als ein Feststellungsdefizit hier im Haus. Deswegen ist es gut, dass man jetzt dort rangeht und dass man sich dem Convention-Büro widmet. Das bedeutet also, dass zentral Anfragen für Veranstaltungen, für Messen gesammelt werden und die dann aufs Land gestreut werden. Deswegen ist es auch gut, dass das der Verein Städtetourismus macht, weil dort eben ein Großteil unserer Thüringer Städte, nicht nur die großen an der A4, sondern weit darüber hinaus, auch drin sind. Abschließend will ich sagen, dass ich mir wünsche, dass wir auch die Destinationsmarken, also unsere örtlichen Vermarktungen, ob das jetzt der Regionalverbund ist oder Saaletourismus oder – wir haben ja eine ganz breite Zahl – Rhön, dass man die weiter unterstützt und auch dort die Finanzierung so ausbaut, dass man vor Ort auch arbeiten kann, denn im Endeffekt wird der Tourismus in der Qualität von unten nach oben aufgebaut und wenn die untere Ebene stark ist, dann wird das auch nach außen strahlen. Deswegen ist es gut, dass wir das hier auch noch mal festgehalten haben. Abschließend will ich sagen: Wir haben viel zu tun im Tourismus. Ich hoffe, dass dieser Antrag einen Anteil leistet, dass es vorangeht, dass auch wirklich die Dinge umgesetzt werden, die wir aufgeschrieben haben. Vor allen Dingen würde ich mir auch wünschen, wenn wir es heute beschließen, dass der Ausschuss, der Wirtschaftsausschuss eng angebunden wird und dass wir dann auch die Dinge mit bewerten können. Ich glaube, das ist im Sinne von Thüringen und auch für den Thüringer Tourismus. Vielen Dank. (Beifall DIE LINKE, CDU)

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