Tosca Kniese
Feststellung des Vorliegens einer konkreten Gefahr einer sich dynamisch ausbreitenden Infektionslage im Freistaat Thüringen gemäß § 28 a Abs. 8 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG)
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, liebe Zuschauer! Ich will meine Freiheit zurück – ein oft gehörter Satz in den letzten zwei Jahren. Ich bin an COVID-19 erkrankt, mir geht es so schlecht, ich will nur noch sterben – diesen Satz hörte ich gestern. Da ist die Enkeltochter der Nachbarin, nicht geimpft, die zum zweiten Mal an COVID-19 erkrankt ist, ihre Eltern sind beide geboostert, die Mutter erkrankte, der Vater nicht. Da ist die Bekannte, die ihren gesunden Vater gleich zu Beginn im Frühjahr 2020 an COVID-19 verlor, das war ein sehr qualvoller Tod. Da ist der Polizist, dessen einstmals sportlicher und immer noch sehr junger Kollege erkrankte und fortan unter den Langzeitfolgen leidet. Da ist die Angestellte, Mutter eines Kleinkindes, die nicht weiß, wie sie die Betreuung sicherstellen soll, weil die Betreuerinnen positiv getestet worden sind und die Kita wieder einmal schließt.
(Zwischenruf Abg. Lehmann, SPD: Na klar,
die würden bestimmt wollen, dass ihre Kinder von infizierten Erzieherinnen betreut werden. Da würden sie sich bestimmt freuen. Ironie off!) Da ist die Mitarbeiterin, die sich impfen lassen wollte, einen starken allergischen Schock erlitt, zum Glück sofort behandelt und somit gerettet werden konnte, die aber nicht mehr geimpft werden kann. Da ist der Unternehmer, den die nackte Existenzangst innerlich zerfrisst. Das sind alles nur ein paar ausgewählte Erlebnisse aus meinem Bekanntenkreis innerhalb der letzten zwei Jahre und ich kann beide Seiten gut verstehen. Nein, eine Diktatur, wie von einigen behauptet, liegt in meinen Augen definitiv nicht vor, auch werden meines Erachtens keine Giftspritzen gesetzt. Ich baue allerdings auf die Freiwilligkeit. Ein Basisschutz für die Vulnerablen in besonders schützenswerten Einrichtungen hört sich erst mal gut an, aber viele Familienmitglieder, insbesondere die Frauen, kümmern sich um die älteren Angehörigen und pflegen sie so lange wie möglich zu Hause, und diese Familienmitglieder fallen dann aus der Gruppe, für die ein Basisschutz gelten soll, heraus, so ehrlich muss man an dieser Stelle auch sein. Meine zahlreichen Gespräche mit den Vulnerablen und denjenigen, die sich nicht impfen lassen können, ergaben alle, dass sie einfach weiterhin Masken tragen werden, sie werden die Kontakte meiden, insgesamt sehr vorsichtig sein. Es ist ihnen vollkommen egal, ob jemand sie beschimpft oder als Schaf bezeichnet, wenn sie eine Maske tragen, denn ihre Gesundheit ist ihnen wichtiger und das ist auch richtig so. Es ist vollkommen egal, was andere über einen denken, man muss für sich selbst die Entscheidung treffen. Die Bevölkerung ist zunehmend müde ob der zahlreichen Maßnahmen und Verbote. Längst umgehen viele Bürger die Maßnahmen, sie halten sie sowieso nicht ein. Das war so, das ist so und dies würde auch eine Maßnahmenverlängerung nicht ändern. Die Gesellschaft ist in dieser Hinsicht gespalten und sie wird es meines Erachtens auch bleiben. Die Wirtschaft ist durch die Maßnahmen teilweise heftig getroffen worden. Der Angriffskrieg gegen die Ukraine verschärft die angespannte wirtschaftliche Situation nun erneut. Wieder müssen Kredite aufgenommen werden, entstehen Lieferengpässe, Wartezeiten von teilweise zwölf Monaten, es liegen wahre Preisexplosionen vor und es entstehen Ängste. Aber es muss weitergehen und wir werden lernen müssen, mit dem Virus und anderen Viren zu leben. Dabei müssen wir meines Erachtens die Vulnerablen auf jeden Fall bestmöglich schützen. Als Unternehmerin und Arbeitgeberin trage ich eine besondere Verantwortung. Als Unternehmerin habe ich ein sehr großes Interesse daran, dass es allen Mitarbeitern gut geht und sie gesund sind und bleiben. Ich frage nicht, wieso sich jemand hat impfen lassen oder warum nicht. Ich habe vor zwei Jahren umorganisiert und jeder hat nun sein eigenes Büro und dies werde ich auch so beibehalten. Auch werde ich weiterhin Masken und Schnelltests kostenlos jedem Mitarbeiter zur Verfügung stellen, der sie haben und nutzen möchte. Weiterhin werden wir auch bestimmte Hygienevorschriften beibehalten. Ich wurde darum gebeten und es funktioniert auch sehr gut, weil man respektvoll miteinander umgeht und Rücksicht aufeinander nimmt, auf die jeweilige Situation und die Ansichten des anderen. Ich denke, viele Unternehmen werden dies ebenfalls so handhaben, denn Respekt ist wichtig. Daran mangelt es teilweise erheblich. Es herrscht eine mitunter sehr egoistische Ellenbogenmentalität vor. Einige durchschritten die gute Kinderstube im Sauseschritt. Es wird wild durch die Gegend gehustet und geprustet und das findet man dann auch noch ganz toll. Es galt doch eigentlich schon vor Corona als höflich, seinem Gegenüber – ich drücke das jetzt mal ganz salopp aus – nicht seinen Schnodder in das Gesicht zu niesen. Wir werden lernen müssen, mit diesem Virus zu leben und können uns hierbei nicht durchgehend eine Wirtschaft mit angezogener Handbremse leisten. Von daher Basisschutz – ja, Eigenverantwortung – ja, mehr Respekt und Rücksichtnahme – ja, aber Nein zur Maßnahmenverlängerung. Vielen Dank.
(Beifall CDU)
