Robert Sesselmann
a) auf Antrag der Parlamentarischen Gruppe der FDP zum Thema: „Wintersport in Thüringen stärken und fördern“
Sehr geehrte Damen und Herren, Herr Präsident! Es wurde bereits viel Wichtiges gesagt, und eines – das möchte ich hier auch noch mal herausstellen – ist die Tätigkeit der vielen Ehrenamtlichen im Wintersportbereich. Das geht über den Thüringer Wald hinaus bis in die Flachländer hinein, wo man letzten Endes auch mithilft, die Eisbahn zu präparieren, wo man mithilft, Loipen zu präparieren, und das natürlich vielfach auf ehrenamtlicher Basis, und diesen Ehrenamtlern gebührt zunächst mal hier unser Dank.
(Beifall AfD)
Meine Damen und Herren, ich habe früher auch mal Leistungssport gemacht, bin auch nach Oberhof an die KJS delegiert worden, deswegen bin ich auch von meiner Fraktion hier als Redner vorgeschlagen worden. Oberhof ist in der Tat ein wichtiges Zentrum, hat damals eine zentrale Bedeutung gehabt, neben den Zentren Klingenthal, Oberwiesenthal und, nicht zu vergessen, auch Altenberg. Die Skiorte hier in Thüringen, Schmiedefeld, Suhl, Zella-Mehlis, Ruhla – das ist ja schon alles gesagt worden –, Neuhaus am Rennweg, Ilmenau, Brotterode, Schmalkalden und die vielen anderen, spielten im ehemaligen Bezirk Suhl dabei eine herausragende Rolle. Viele Ausnahmeathleten im Rennschlitten, Bobsport und Skeleton, Skisprung, Skilanglauf, Biathlon haben Thüringen in der Weltspitze bekanntgemacht und würdig vertreten. Dabei konnte das Land Thüringen anfänglich noch auf hervorragend ausgebildete Stützpunkttrainer bauen. Das wurde vorhin angesprochen, das lief zu Zeiten der DDR etwas besser. Nach der Wende – und das ist leider der Fall – sind in vielen Stützpunktzentren die Lichter ausgegangen. Die Förderung durch die heimischen Betriebe und Betriebsteile kam zum Erliegen, da diese natürlich meist über die Treuhand geschlossen wurden oder selbst um das Überleben kämpfen mussten und keine finanziellen Möglichkeiten hatten, den Sport zu unterstützen. Aber allgemein ist hier auch schon von Herrn Kemmerich angesprochen worden, dass es um die Verknüpfung geht, Wintersport zu stärken und zu fördern, das heißt, natürlich auch einiges dafür zu tun, dass das Marketing funktioniert. Hier ist es so, dass, wenn man mal im Internet nachschaut, man auf eine Seite oder auf zwei Seiten stößt. Das ist einmal Rennsteig.de und Thueringen.info von einem Herrn Henry Czauderna, der das hier in Eigeninitiative betreibt, und dafür müssen wir Dank sagen. Hier sind offenbar Privatinitiativen besser organisiert, als das seitens der Landesregierung betrieben wird. Wenn wir uns die Zahlen anschauen, also in Zahlen ausgedrückt, betreiben zwei Drittel der sportlich aktiven Deutschen ab einem Alter von 13 Jahren Wintersport. Das heißt, es sind 27,7 Millionen Menschen. Das ist ein Umsatz von 16,4 Milliarden Euro im Jahr. Damit ist das Skifahren mit Abstand die wirtschaftlich bedeutsamste Sportart in Deutschland, von der auch Thüringen viel besser profitieren könnte. Derzeit liegt aber Thüringen nach der Nationalen Grundlagenstudie Wintersport Deutschland 2018 auf den letzten Rängen. Der Harz und das Erzgebirge schneiden hier im Ranking der Wintersportziele bedeutend besser ab. Aber alle Mittelgebirgslagen haben damit zu kämpfen, dass in den vorangegangenen Wintern die Schneesicherheit neben den Corona-Beschränkungen das größte Problem darstellt. 2020, 2021 und 2022 ist aufgrund der COVID-Maßnahmen der Wintertourismus nahezu völlig zum Erliegen gekommen. Noch so einen Winter ohne viel Betrieb kann die Branche nicht verkraften. So sehr auch wir uns über olympische Medaillen Thüringer Wintersportler freuen, so sehr dürfen wir bei aller Bedeutung des Spitzensports den Breitensport nicht aus den Augen verlieren. Und natürlich müssen wir an Anreize für alle Ehrenamtler denken, die Loipen spuren und sich um die Beschilderung in den Wäldern kümmern. Das sollten wir, denke ich, nicht aus den Augen verlieren. Doch wie wird es weitergehen? Die Prognosen für die nächsten Jahre sehen weniger rosig aus. Experten sind sich einig, dass Skifahren bereits in den kommenden 30 Jahren unterhalb von 800 Metern eher zur seltenen Ausnahme werden wird. Schon jetzt ist eine Skisaison ohne Schneekanonen kaum noch denkbar. Bei den immer weiter steigenden Strompreisen kann der Betrieb solcher stromfressenden Schneekanonen privatwirtschaftlich nicht gestemmt werden. Diese Kosten aus steuerfinanzierten Fördertöpfen zu nehmen, wäre Frevel. Meine Damen und Herren, ich komme zum Schluss. Allein auf Schneetourismus können wir also nicht mehr setzen. Es müssen Sommerattraktionen in den Wintersportorten implementiert werden, damit eine ganzjährige touristische Auslastung dort gewährleistet werden kann. Dahin gehende Konzepte werden wir als AfD-Fraktion gern unterstützen. Vielen Dank.
(Beifall AfD)
