Olaf Müller
a) auf Antrag der Parlamentarischen Gruppe der FDP zum Thema: „Wintersport in Thüringen stärken und fördern“
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Aktuelle Stunde der FDP lässt aus unserer Sicht nicht klar erkennen, was sie uns eigentlich sagen möchte. Die Begründung liest sich ein Stückchen weit wie ein Sammelsurium an Goodwill-Erklärungen, um über den Standort Oberhof hinaus weitere Wintersportorte fördern zu können. Genannt werden mit den Orten Brotterode, Ruhla und Lauscha Standorte, an denen auch Skisprunganlagen stehen. Daraus kann abgeleitet werden, dass es der FDP insbesondere um die Sanierung der Inselbergschanze in Brotterode geht, und zu dieser Schanze gibt es natürlich eine Vorgeschichte, die ich hier einmal ganz kurz thematisieren möchte. Anfang Dezember hat der Wintersportverein Brotterode ein Schreiben, mitunterschrieben von Landräten und Bürgermeister, an alle Landtagsfraktionen gerichtet, in denen das Anliegen formuliert wird, das Land solle die Sanierung der Inselbergschanze mit 3 Millionen Euro – davon rund eine halbe Million Euro in diesem Jahr und 2,5 Millionen Euro im nächsten Jahr – unterstützen. Damit soll die Ausrichtung des einmal im Jahr stattfindenden Continental-Cups – entspricht ungefähr der zweiten Liga im internationalen Wettkampfkalender der Männer – abgesichert und zukünftig ein Frauen-Weltcup ausgetragen werden. Dazu muss man wissen, dass es sich bei der Inselbergschanze in Brotterode um eine reine Wettkampfschanze handelt, die nur einmal im Jahr für die Austragung eines Continental-Cup-Wettbewerbs der Männer genutzt wird. Vom 11. bis zum 13. März wird in diesem Jahr in Oberhof ein Frauen-Weltcup-Wettbewerb ausgetragen, und dies zeigt, dass für den Skisprungstandort Thüringen eine sanierte und bereits ausgebaute Wettkampfanlage zur Verfügung steht. Zudem werden die Oberhofer Anlagen für den Trainingsbetrieb unter anderem auch für den Nachwuchssport genutzt. Es ist deshalb mehr als fraglich, wie sinnvoll es sein soll, Investitionen in eine reine Wettkampfschanze wie die in Brotterode zu tätigen,
(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN) zudem auch deshalb, weil diese Gelder dann nicht mehr für den Bau und die Sanierung von anderen Sportstätten zur Verfügung stehen würden. Mit Oberhof haben wir in Thüringen bereits einen Standort für die Austragung internationaler Wettbewerbe. Den Bedarf an Investitionen in eine reine Wettkampfschanze ohne Mehrwert für den Breitenoder Jugendsport sehen wir deshalb nicht. Wie hoch die positiven Effekte von Sportevents für die Austragungsorte tatsächlich sind, lässt sich ökonomisch nur schwer quantifizieren. Deshalb wird häufig zur Plattitüde gegriffen, der Werbewert für den Ort bzw. die Region sei unbezahlbar. Dass aus der Austragung der Oberhofer Weltcup-Wettbewerbe im Biathlon und Rodeln positive Effekte für die überregionale Wahrnehmung Thüringens als Wintersportland und damit auch für den Tourismus resultieren, ist unbestreitbar. Durch die Fernsehübertragung der erstklassigen Weltcup-Wettbewerbe ist die mediale Reichweite über Thüringen hinaus gesichert. Diese Reichweite ist für zweitklassige internationale Wettkampfserien im Wintersport wie beispielsweise den Continental-Cup im Skispringen in Brotterode schon nicht mehr gegeben. Die ökonomischen Effekte bleiben also regional begrenzt, und es ist aus unserer Sicht völlig illusorisch, dass neben Oberhof an weiteren Orten in Thüringen zukünftig Weltcup-Wettbewerbe ausgetragen werden könnten. Selbst Oberhof muss regelmäßig darum kämpfen, nicht aus dem Weltcup-Kalender zu fallen. Der Verbleib im Kalender konnte nur durch beträchtliche Investitionen mittels der Doppel-WM 2023 abgesichert werden. Für die Eissportarten ist Thüringen mit der Kunsteisbahn in Oberhof und der Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle in Erfurt bereits mit zwei Sportanlagen von internationalem Renommee sehr gut ausgestattet. Sie werden sowohl für die Austragung von internationalen Wettbewerben als auch für den Trainingsbetrieb des Leistungs- und Nachwuchssports genutzt. Für die Schneesportarten hingegen ist es wichtig, Sportstätten für den Nachwuchsbereich so weit wie möglich zu erhalten. Mit hohen Kosten verbundene Investitionen in internationale Wettkampfstätten wären hier kontraproduktiv, denn sie würden dann eher zulasten der Sanierung von Trainingsstätten für Nachwuchssportlerinnen oder des Breitensports gehen. Voraussetzung für eine Spitzensportkarriere ist eine frühzeitige Nachwuchsförderung. In den kommenden Tagen werden bei den Olympischen Spielen in Peking Athletinnen antreten, die in ihren Thüringer Heimatvereinen entdeckt und gefördert wurden. Bei den Schneesportlerinnen sind dies Erik Lesser, Vanessa Voigt im Biathlon. Alle anderen sind eben schon genannt worden. Auch für die Schneesportlerinnen wurden in die Sanierung und den Neubau von Sportanlagen in den vergangenen Jahren erhebliche Investitionen getätigt, für die Skisprungnachwuchsförderung beispielsweise an den Standorten Schmiedefeld, Steinbach-Hallenberg, Lauscha, Ruhla und am Wadeberg in Oberhof. In die Wettkampfschanzen am Kanzlersgrund in Oberhof wurden 20 Millionen Euro gesteckt und mit der Skisporthalle
