Olaf Müller
Fragestunde
Vielen Dank. Behandlungskapazitäten in der kinder- und jugendpsychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung Mit Blick auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen weisen verschiedene Studien aus Deutschland auf hohe psychosoziale Belastungen von Kindern und Jugendlichen durch die Pandemielage und die pandemieassoziierten Eindämmungsmaßnahmen hin. Dabei ist zu differenzieren zwischen erhöhten psychischen Belastungen als Reaktion auf ein erhöhtes Stressniveau, dem Auftreten erster psychischer Auffälligkeiten und schließlich der Entwicklung von psychischen Erkrankungen. In der bundesweit repräsentativen COPSY-Studie des Universitätsklinikums HamburgEppendorf wurden für Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 17 Jahren während des ersten Lockdowns im März 2020 mehr psychische und psychosomatische Symptome berichtet. Ein höherer Anteil an Kindern und Jugendlichen wies zudem eine eingeschränkte Lebensqualität und ein geringeres Wohlbefinden auf als im vorpandemischen Zeitraum. Aus der COPSY-Folgebefragung im Zeitraum des zweiten Lockdowns (Dezember 2020/Januar 2021) geht hervor, dass die psychosozialen Belastungen der Kinder und Jugendlichen weiter zugenommen haben. Vier Fünftel der Kinder und Jugendlichen geben an, sich durch die Situation belastet zu fühlen. Aus den vorliegenden Daten lässt sich derzeit keine Zunahme von psychischen Erkrankungen ableiten. Besonders betroffen sind von diesen Entwicklungen vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Verhältnissen oder mit Migrationshintergrund. Ich frage die Landesregierung: 1. Ist eine erhöhte Nachfrage nach psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten und -plätzen für Kinder und Jugendliche während der Pandemielage bekannt und wenn ja, wie gestaltet sich diese? 2. Wie wurde auf die zu vermutende erhöhte Nachfrage in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie reagiert? 3. Welche Anstrengungen werden seitens der Landesregierung unternommen, mögliche Entwicklungsdefizite von Kindern und Jugendlichen im sozialen, emotionalen und motorischen Bereich in den Blick zu nehmen? 4. Wie wird mit Blick auf die Folgen der CoronaPandemie in den relevanten Versorgungsformen nach möglichst rasch umsetzbaren Möglichkeiten für eine Ausweitung der Behandlungskapazitäten gesucht?
