Ute Bergner
Das Thüringer Bildungswesen stärken – Schlussfolgerungen der Corona-Monate umsetzen
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kollegen Abgeordnete, liebe Zuhörer! Wir diskutieren hier über die Lehren aus der Corona-Krise. Digitalisierung ist sicherlich ein Stichpunkt, aber es ist nicht ausreichend, den Schülern einen Laptop in die Hand zu drücken, wenn sie von zu Hause aus keine Verbindung haben. Das heißt, wir müssen die landesweite Infrastruktur für Internet sicher gestalten, Lehrer müssen entsprechend ausgestattet sein und vor allem dürfen in Zeiten des Wandels nicht datenschutzrechtliche Fettnäpfchen für die aufgestellt werden, die kreativ neue Wege gehen. Wenn sich dann datenschutzrechtliche Lücken auftun, müssen sie geschlossen werden, anstatt diejenigen, die neue Wege gehen wollen, zu bestrafen. Was auch wichtig ist: Digitales Lernen ist etwas anderes als Präsenzlernen. Dafür braucht es neue Methodik, und Methodiken müssen in Software umgesetzt werden. Da gibt es ein Riesenpotenzial, und das hat nichts nur mit Corona zu tun. Kommen wir auf die Gesundheit der Kinder zu sprechen: Was haben wir in der Corona-Krise geschafft? Wir haben gespalten, wir haben Angst gesät. Es gibt auf einer Seite die Eltern, die Angst haben, ihre Kinder in die Schule zu schicken, weil sie sich dort infizieren könnten. Und es gibt auf der anderen Seite die Sorgen der Eltern, die sich sorgen um die physische und psychische Gesundheit ihrer Kinder, wenn sie den ganzen Tag mit Masken in der Schule sitzen müssen. Es gibt auch die Sorgen der Eltern bezüglich der Impfungen: Für die einen ist die Impfung die volle Rettung und die anderen Eltern machen sich Sorgen vor der Impfpflicht. An dieser Stelle gilt es zu vermitteln und nicht weiter zu spalten. Aus einer Impfmöglichkeit darf keine Impfpflicht werden.
(Zwischenruf Abg. Dr. Hartung, SPD: Doch!)
Nein, es muss nicht. Und es darf – und das wird an vielen Schulen in Thüringen betrieben – kein Keil zwischen Eltern und Kinder getrieben werden.
(Beifall AfD)
Das ist der falsche Weg.
(Zwischenruf Abg. Rothe-Beinlich, BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN: Das ist unfassbar!) Die Eltern sind gesprächsbereit. Herr Holter, ich kann Ihnen empfehlen: Nehmen Sie die Gesprächsbereitschaft der Eltern an, denn aus meiner Sicht finden wir Lösungen nur im Dialog und nur gemeinsam mit den Eltern. Was uns die Corona-Krise auch gezeigt hat, ist die Belastung für die Lehrer, die geht an den Lehrern nicht spurlos vorüber. Wir haben es unter der Lehrerschaft mit Krankenständen zu tun, die Spitzenwerte erreichen. Auch hier haben wir eine ähnliche Spaltung wie bei den Schülern und den Eltern: Die einen Lehrer lassen sich krankschreiben, weil sie Angst haben, sie könnten sich infizieren, und die anderen Lehrer lassen sich krankschreiben, weil sie dieses Dogma nicht mitmachen wollen. Also auch hier bedarf es der Vermittlung, und ich denke, das können wir nur über den Dialog in den Griff kriegen. Das ist mein Appell an dieses Hohe Haus und auch an das Bildungsministerium, hier den Dialog zu suchen, damit wir wieder zusammenführen und nicht weiter spalten. Ich danke für die Aufmerksamkeit.
(Beifall AfD)
