Heike Werner
Der Weg zum selbstbestimmten Patienten: Gesundheitskompetenz bei Kindern und Jugendlichen stärken
Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, es ist schon vieles gesagt worden, was Gesundheitskompetenz ausmacht und vor allem, worum es im Bereich der Gesundheitsprävention und Gesundheitsförderung geht. Deswegen will ich an dieser Stelle gar nicht so sehr viel zu den wirklich richtigen Beschreibungen sagen, nur noch mal darauf hinweisen: Herr Montag, Sie haben zwar jetzt viel darüber erzählt, dass Gesundheitskompetenz und Gesundheitsförderung und -prävention eingeordnet werden muss in ein Gesamtsetting. Aber Ihr Antrag sieht eher anders aus, weil er sich doch sehr darauf konzentriert, die personalen Kompetenzen des Einzelnen in den Blick zu nehmen, und dabei aber vergisst, dass, wenn es um Gesundheitskompetenz geht, wir ein relationales Konzept an der Stelle in den Blick nehmen müssen, das heißt, dass Einfluss auf die Gesundheitskompetenz eben auch andere Faktoren hat wie soziale und strukturelle Umwelt. Und dieses erweiterte Verständnis ist, denke ich, das, was uns hier tragen sollte. Ich hatte gestern schon mal gesagt: Das ist der Landesregierung natürlich nicht neu. Genau deswegen hat die Landesregierung die Landesgesundheitskonferenz gegründet. Ich weiß, gestern haben wir schon mal kurz darüber gesprochen, und Sie meinten, sagen Sie nicht wieder „Landesgesundheitskonferenz“. Deswegen muss ich trotzdem noch mal ganz kurz darauf eingehen, weil Sie, glaube ich, immer noch nicht verstanden haben, worin das Prinzip liegt. Wenn wir tatsächlich Gesundheitskompetenz steigern wollen, wenn wir wollen, dass Prävention und Gesundheitsförderung bei den Menschen auch ankommen, dann müssen wir alle Settings in den Blick nehmen und es müssen alle Akteure, die im Setting sind, miteinander ins Gespräch kommen. Wir brauchen verbindliche Verabredungen und diese Verabredungen können eben in der Landesgesundheitskonferenz getroffen werden. Ein Ergebnis der Landesgesundheitskonferenz war beispielsweise, das Thema „Gesundheitskompetenz“ als Jahresthema 2019 gemeinsam zu behandeln. Das heißt, wir haben uns gemeinsam erarbeitet, was braucht es, damit Menschen mehr Gesundheitskompetenz erhalten, wo müssen hier entsprechende Rahmenbedingungen verbessert werden. Hier sind sehr viele gute Ergebnisse entstanden, die eben dann die Gesundheitsämter mit in ihre Kommunen nehmen, die die Wissenschaft mit in die Wissenschaft nimmt, die die Kassen mit in ihre Kassen nehmen. Insofern denke ich, dass die Landesgesundheitskonferenz hier ein wichtiger Akteur ist. Um ein weiteres Beispiel zu nennen: Wir haben ja gestern oder vorgestern das Thema „Kinder und Jugendliche“ sehr ausführlich diskutiert. Hier kann man sehen, dass das Konstrukt, das wir haben, aus Landesgesundheitskonferenz und Landesrahmenvereinbarung, die das Präventionsgesetz des Bundes auf Landesebene umsetzt, dass wir hier ein gutes Konstrukt gefunden haben, denn die Landesgesundheitskonferenz hat entsprechende Empfehlungen erarbeitet. Die Landesrahmenvereinbarung hat diese Empfehlungen dann übernommen und daraus ist das Konzept „KoBAGS“ entstanden, ein Konzept, das an den Schulen eine Rolle spielt und wo es genau darum geht, Kinder und Jugendliche in dem Setting Schule zu erreichen, um dort gemeinsam Konzepte zu erarbeiten, damit eben in den Schulen das, was uns wichtig ist – nämlich Gesundheitsprävention, Gesundheitsförderung, aber auch Gesundheitskompetenz –, entstehen kann. Dieses Konzept „KoBAGS“ gibt es jetzt seit 2017. Wir haben es für drei Jahre über die Landesrahmenvereinbarung finanzieren können. Dieses läuft jetzt leider ab, aber die Kassen haben sich zum Glück bereit erklärt, für ein Jahr übergangsweise das Konzept zu finanzieren. Ich will noch mal kurz sagen, worum es geht: Es geht genau darum, dass Schulen eine qualitative Beratung erhalten, insbesondere zur Analyse ihrer gesundheitsbezogenen Bedarfe in der Schule. Es geht um die Entwicklung eines individuellen Gesundheitsförderungskonzepts, das in die Schule einfließen soll, das also umgesetzt werden soll und in dem entsprechende Qualitätsmerkmale auch mit aufgestellt werden. Es geht darum, Schulen Zugang zu Informationen zu ermöglichen, aber auch zu regionalen und überregionalen Unterstützungsnetzwerken. Es geht darum, Maßnahmen zu entwickeln für schulische Präventions- und Gesundheitsförderung in den Schulen. Und es geht aber auch darum, dass sich schulunterstützende Einrichtungen vernetzen, dass sie bedarfsgerecht miteinander arbeiten – das Thema hatten wir ja –, zum Beispiel das Einbeziehen der Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen genau in diese Arbeit. Insofern, denke ich, wird es ganz spannend sein, im Ausschuss etwas länger darüber zu diskutieren und auch vorzustellen, was bisher hier im Rahmen der Landesregierung gelaufen ist, was es auch an zusätzlichen Förderungsmöglichkeiten in den Schulen gibt. Aber ich glaube, dass wir hier als Landesregierung tatsächlich gut aufgestellt sind, und wir werden bestimmt darüber sehr ausführlich diskutieren können. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall DIE LINKE, CDU, SPD, BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN)
