Christoph Zippel
Für sachliche Aufklärung über die Sicherheit der Impfstoffe gegen das Coronavirus SARSCoV-2
Herr Präsident, bei mir wird „Redezeitende“ angezeigt. Vielleicht könnte man das noch anpassen. – Jetzt. Es wäre wirklich schade, wenn die jetzt schon zu Ende wäre. Ich habe noch gar nicht richtig losgelegt. Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, wir haben einen Antrag der AfD-Fraktion vorliegen: Sachliche Aufklärung über die Sicherheit der Corona-Impfstoffe. Wer denkt bei dem Titel „Sachliche Aufklärung“ nicht sofort an die AfD? So viel feinsinnige Ironie hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut.
(Beifall CDU)
Mir kommt da zum Beispiel ein Thüringer Bundestagsabgeordneter in den Sinn, der bei einer Demo gegen die Corona-Maßnahmen mitlief, in der Hand ein Schild,
(Beifall AfD)
darauf der Virologe Christian Drosten in Sträflingskleidung. Und ich denke an den Fraktionsvorsitzenden der AfD, der im vergangenen Sommer Corona kurzerhand für beendet erklärt hat. Aber Sie wünschen sich eine sachliche Aufklärung, da möchte ich gerne auch eine sachliche Antwort auf Ihren Antrag geben. Der Kollege Montag ist gerade schon auf einige Punkte eingegangen. Ich will das nur etwas vertiefen. Sie schreiben in Ihrem Antrag, dass die mRNA-Impfstoffe nie massenweise an Menschen erprobt wurden. Fakt ist, alle Impfstoffe wurden vor der Zulassung in klinischen Studien getestet. Im Fall von BioNTech/Pfizer haben an der Zulassungsstudie 40.000 Menschen teilgenommen – Hälfte geimpft, Hälfte Placebo. Das ist das ganz klassische Zulassungsverfahren. Da ist nichts verkleinert worden oder irgendwas – ganz klassisch getestet wie jeder andere jemals zugelassene Impfstoff ebenfalls. Und natürlich kann man sehr seltene Risiken durch Zulassungsstudien nie ganz ausschließen. Das ist aber schon immer so gewesen. Dafür ist die Zahl der Teilnehmer einfach viel zu klein. Ein Beispiel: Wenn eine Nebenwirkung pro 1 Million Geimpfter viermal auftritt, werden Sie das nicht in einer Studie mit 20.000 Geimpften herausfinden. Aber das war schon immer so. Das ist bei jedem Impfstoff so. Alle Impfstoffe werden mit einem gewissen Restrisiko zugelassen. Inzwischen wurden aber allein in Deutschland mehrere Millionen Dosen BioNTech und Moderna verimpft. Schwere Impfreaktionen sind äußerst selten, und wenn sie auftraten, wurden sie eben auch an das zuständige Paul-Ehrlich-Institut gemeldet. Eben deswegen sind die seltenen Nebenwirkungen, die wir bei AstraZeneca gesehen haben, überhaupt erst aufgefallen, der bekanntermaßen kein mRNAImpfstoff ist. Das Beispiel AstraZeneca zeigt ja eben, dass das System funktioniert. Nichts wird verheimlicht, nichts wird ignoriert, wie Sie das hier suggerieren, und das ist äußerst gefährlich. Sie schreiben außerdem: Die Impfstoffe hätten vor der Zulassung nicht die üblichen Schritte durchlaufen. Auch das ist falsch. Es wurden alle Phasen durchlaufen: die Präklinik und die tierexperimentellen Phasen ebenso wie die drei klinischen Phasen. Es wurde nichts verkürzt. Allerdings wurde der Prozess beschleunigt. Es wurde gerade eben dargestellt. Zum Beispiel wurden die klinischen Phasen überlappend durchgeführt und dabei gab es keinerlei Abstriche bei der wissenschaftlichen Qualität der Studien. Weiterhin schreiben Sie: Die Unbedenklichkeit der Impfstoffe kann endgültig erst nach Langzeitbeobachtungen festgestellt werden. Das ist eine banale Feststellung, denn natürlich kann man Langzeitfolgen erst nach Monaten, teilweise Jahren feststellen. Allerdings – und das haben wir auch gerade korrekterweise gehört – gilt das nicht nur für Impfstoffe, sondern auch für Langzeitfolgen von Erkrankungen selbst. Wir haben bei Impfstoffen tatsächlich die Situation, dass es keine Langfristschäden gibt. Es gibt kurzfristige Dinge, die sich entwickeln können, aber manchmal hat man es erst später festgestellt, dass es diesen direkten Zusammenhang gab. Aber Sie werden diese Impfstoffe nicht so lange im Körper haben, dass sich dort Langfristschäden entwickeln können. Auch das galt schon immer für jeden Impfstoff und nicht erst für diese Impfstoffe. Weitere Punkte will ich uns hier gern ersparen, weil sich vieles in Ihrem Antrag dann auch wiederholt. Es wird jedenfalls doch klar, welches Bild Sie zeichnen wollen. Aber die Welt dreht sich ja nun mal weiter und Meinungen ändern sich. Ich vermute, viele von Ihnen werden das in Ihrem persönlichen Umfeld auch ähnlich erlebt haben. Die anfängliche Skepsis gegenüber mRNA-Impfstoffen hat sich umgekehrt: mRNA-Impfstoffe gelten vielen inzwischen als der Goldstandard. Die Impfbereitschaft ist doch sehr groß, die Nachfrage immer noch größer als das Impfangebot. Fast 40 Prozent der Thüringer haben inzwischen ihre erste Impfung bekommen. Wir sehen, dass Deutschland mit einer Impfkampagne europaweit nun in der Spitzengruppe liegt, und wir sehen inzwischen eben auch, das Schlechtreden von Corona-Impfstoffen hat durchaus System. Es gab koordinierte Kampagnen, vor allem in den sozialen Medien. Bloggern und Youtubern wurde Geld geboten, um Falschinformationen speziell über den BioNTech-Impfstoff zu verbreiten.
(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Und da können wir ja mal ganz in Ruhe überlegen, welche Querverbindungen es hier geben könnte. Wer hat ein Interesse daran, bestimmte Impfstoffe schlechtzureden? Wer profitiert von Desinformationen und Angstmache?
(Zwischenruf Abg. Möller, AfD: Der Russe!)
Wer lässt sich hier vor den Karren spannen, unwissentlich oder wissentlich? Solche Fragen gehören nämlich auch zur sachlichen Aufklärung, wie ich finde.
(Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Mit Ihrer Erlaubnis, Herr Präsident, würde ich meine Rede gern mit einem Zitat beenden, und zwar aus dem Buch „Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“ von Mai Thi Nguyen-Kim. Ich zitiere: „Ohne Impfungen wäre unser Leben richtig [bescheiden].“ Im Buch steht an dieser Stelle ein anders Wort, aber ich wollte das jetzt zumindest kenntlich machen, dass ich nicht ganz sauber zitiert habe. „Wir wären ständig mit dem Überleben irgendwelcher Seuchen beschäftigt. Jedes Jahr wäre mehr oder weniger wie 2020, nur dass wir uns weniger Sorgen um Achtzigjährige machen müssten, weil wir gar nicht so alt werden würden. Keine andere medizinische Errungenschaft, noch nicht einmal Antibiotika, hat mehr Leben gerettet und mehr Lebensjahre geschenkt als Impfungen, abgesehen von sauberem Wasser.“ Ich will es hier einmal so klar und deutlich sagen: Mit allem, was Sie heute hier von sich gegeben haben, mit allem, was ich bisher von Ihrer Seite gehört habe, sehr geehrte Kollegen der AfD-Fraktion, haben Sie eines ganz deutlich, nämlich Blut an Ihren Händen. Danke.
(Beifall DIE LINKE, CDU, SPD, BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN)
(Unruhe AfD)
