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Heike Werner

21.10.2021 Sitzungen 7/61

Starthilfe für Auszubildende aus einkommensschwächeren Familien

Die Haushaltsverhandlungen sind morgen und da kann man sich sicherlich noch mal zum Thema austauschen. Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ich freue mich natürlich auch, dass wir jetzt einen Antrag haben, der sich mit der Fachkräftesicherung für Thüringen beschäftigt, vor allem aber, weil es mir die Möglichkeit gibt, mal darzustellen, was in Thüringen gerade in Zeiten der Pandemie geleistet wurde, um Fachkräfte, um Ausbildung zu sichern, um den jungen Menschen hier eine Perspektive und vor allem auch einen Ausblick zu geben. Insofern bin ich dankbar für den Antrag. Ich denke, wir sind uns einig – das haben jetzt auch schon verschiedene Vorredner gesagt –, dass uns das System der dualen Ausbildung wichtig ist, dass wir alles dafür tun wollen, um es aufrechtzuerhalten und vor allem auch zu stärken – auch unter schwierigen Bedingungen, weil eben diese Fachkräfteausbildung, die Fachkräftesicherung das Rückgrat der Entwicklung in Thüringen ist und absehbar auch sein wird. Wichtig für junge Menschen ist es, dass eine Ausbildung auch in der Pandemie begonnen, fortgesetzt oder erfolgreich abgeschlossen werden konnte und kann. Und wir müssen gemeinsam deutlich machen, dass eine duale Berufsausbildung trotz der Pandemie eine sehr gute und verlässliche Zukunft hat und viele Perspektiven in Thüringen bietet – das vor allem mit Blick auf die im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 signifikant zurückgegangene Zahl an Bewerberinnen um freie Ausbildungsstellen. Ich denke, dazu besteht hier Konsens. Allerdings bin ich mit dem Ansatz des FDP-Antrags eben nicht glücklich, denn er greift schlicht zu kurz, wenn er wirklich den Wunsch hat, die duale Ausbildung zu stärken und vor allem die Attraktivität der dualen Ausbildung zu stärken. Anders als die Parlamentarische Gruppe halte ich einen einmaligen finanziellen Zuschuss in diesem Zusammenhang nicht für zielführend und vor allem auch nicht für nachhaltig, und das ist ja eigentlich eine Kategorie, die Herr Montag zumindest in anderen Diskussionen immer wieder als eine wichtige Kategorie, wenn es um Entscheidungen geht, vor sich herträgt. Wir brauchen vielmehr strukturelle und langfristige Maßnahmen, die flankierende Unterstützungsmöglichkeiten für Unternehmen und potenzielle Auszubildende bieten. Dass dieser Ansatz erfolgreich ist, zeigen auch die im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Pandemie im Bereich der Berufsausbildung ergriffenen Maßnahmen auf Landes- wie auf Bundesebene. Gemeinsam mit vielen Akteuren der beruflichen Bildung, also den Kammern, dem VWT, den Gewerkschaften, der Bundesagentur für Arbeit, hat mein Haus große Anstrengungen unternommen, um Fördermöglichkeiten, neue Unterstützungsansätze zur Stärkung der Berufsausbildung in Thüringen abzustimmen und umzusetzen. Hierzu wurde bereits im Frühjahr letzten Jahres eine regelmäßig tagende Taskforce „Ausbildung“ ins Leben gerufen, an der die Kammern und der VWT, die Generaldirektion der BA und der DGB beteiligt sind. Vor dem Hintergrund der zwischenzeitlich erheblich eingeschränkten Angebote der beruflichen Orientierung bzw. der Berufsberatung wurde bereits im März ein Onlineportal entwickelt, das die unterschiedlichen Angebote unter dem Motto „Deine Ausbildung in Thüringen“ auf einer zentralen Plattform zusammenführt. Damit wird vor allem ein unkomplizierter Zugang für Schülerinnen und Schüler und Eltern, aber auch für Beratungslehrerinnen und lehrer ermöglicht. Perspektivisch sollen möglichst ‑ viele Angebote, unter anderem auch Ausbildungsmessen und Angebote der beruflichen Orientierung, virtuell realisiert werden können. Die Plattform „www.deine-ausbildung-in-thueringen.de“ ist nun seit Mitte März 2021 erreichbar, wobei wir – und mit „wir“ meine ich die Thüringer Partner der Allianz für Berufsbildung und Fachkräfteentwicklung – diese kontinuierlich weiterentwickeln und durch Inhalte ergänzen. Eine erste Weiterentwicklung mit optimierter Nutzerführung und erweitertem Informationsangebot, vor allem im Bereich der Sozial- und Gesundheitsberufe, erfolgte Ende April. Weitere Berufsgruppen und Branchen werden sukzessive folgen. Weiterhin beteiligen sich die genannten Akteure aktiv mit unterschiedlichen Angeboten und Veranstaltungen am von der Bundesallianz für Aus- und Weiterbildung initiierten „Sommer der Berufsausbildung“. Hier möchte ich insbesondere auf das Thüringer Sommerpraktikum hinweisen, das Schülern die Möglichkeit eines Betriebspraktikums während der Sommerferien ermöglichte. Dazu wurde eigens eine onlinebasierte Praktikumsbörse mit entsprechenden Angeboten der Betriebe aufgesetzt. Hier konnten Interessierte auch über den Sommer hinaus Praktikumsplätze finden und sich direkt an die Betriebe wenden. Die Praktikumsbörse ist ebenfalls über die Onlineplattform „Deine Ausbildung in Thüringen“ erreichbar. Außerdem werden aktuell durch die Thüringer ESF-Ausbildungsrichtlinien zahlreiche zusätzliche Unterstützungsleistungen zur Überwindung der Auswirkungen der Corona-Krise auf dem Thüringer Arbeits- bzw. Ausbildungsmarkt realisiert, die ich an dieser Stelle nur kurz anreißen möchte: beispielsweise die Übernahme der Eigenanteile in Höhe von 25 Prozent bis zum Ende des Ausbildungsjahres 2021 im Fördergegenstand „Überbetriebliche Lehrunterweisung im Handwerk“. Im Fördergegenstand „Überbetriebliche Ergänzungslehrgänge und Lehrgänge für Zusatzqualifikation zur Vermittlung von digitalen Kompetenzen“ gab es zum einen die Aufhebung aller zeitlichen Beschränkungen der Ergänzungslehrgänge je Ausbildungsjahr bis Ende des Ausbildungsjahres 2020/2021. Es gab die Möglichkeit der Durchführung von zusätzlichen sogenannten Krisen-Ergänzungslehrgängen zur Überbrückung von pandemiebedingten Beschäftigungs- oder Ausbildungsfreistellungen von Auszubildenden bis zum Ende des Ausbildungsjahres 2020/2021 und die Förderung beispielsweise der Unterbringungskosten für Teilnehmende an Ergänzungslehrgängen in Höhe von 9,20 Euro je Übernachtung. Das sind ganz konkrete Unterstützungen für Auszubildende. Aufgrund der anhaltenden Pandemielage wurde diese Maßnahme auf das Ausbildungsjahr 2021/2022 übertragen. (Unruhe Gruppe der FDP) Ich weiß nicht, interessiert Sie eigentlich, was derzeit passiert? Wahrscheinlich nicht. Herr Kemmerich, Sie haben vorhin ganz viele Fragen gestellt. Wenn es aber darum geht, auf die Antworten zu hören, sind Sie dazu leider nicht in der Lage. Es tut mir sehr leid. Aber Sie können es ja nachlesen. (Beifall DIE LINKE) (Zwischenruf Abg. Kemmerich, Gruppe der FDP: Bleiben Sie beim Thema!) Die Antwort bekommen Sie auch noch. Aber ich habe ein Kriterium, was Ihnen immer sehr wichtig ist, nämlich Ausbildungsbetriebe und die Auszubildenden nachhaltig zu unterstützen, was in den letzten Monaten an der Stelle Neues auch auf den Weg gebracht wurde, hier sehr ausführlich dargestellt. Wie gesagt, Sie können das gern dann auch noch mal nachlesen. Ich will noch auf ein Programm des Bundes aufmerksam machen, wo es darum geht, Ausbildungsplätze zu sichern, und wo Unternehmen bei der Ausbildung finanziell unterstützt werden, zum Beispiel mit Ausbildungsprämien, Übernahmeprämien usw., damit Ausbildungsplätze gesichert und beispielsweise auch neue Ausbildungsverhältnisse in der Pandemie begründet werden. Seitens des BMAS wurde das Programm mit Wirkung vom 26. März mit verbesserten Konditionen verlängert. Laut Bundesagentur wird das Programm von den Thüringer Unternehmen rege in Anspruch genommen. Im Zeitraum August 2020 bis September 2021 gingen allein 1.493 Anträge auf Ausbildungsprämien und Ausbildungsprämien plus bei der Bundesagentur ein. Drei Viertel von denen konnten positiv beschieden werden. Also, wie Sie sehen, wird eine ganze Menge zur Stärkung der dualen Ausbildung und für die Auszubildenden gemacht. Ich hoffe und gehe davon aus, dass vieles auch nach der Pandemie Bestand haben wird. Nun zu dem von der FDP geforderten Programm „AusbildungThüringenPlus“. Ich bin skeptisch, ob ein einmaliger finanzieller Anreiz in der aktuellen Lage und auch perspektivisch wirklich dazu führt, dass mehr junge Menschen als bisher in einer dualen Ausbildung münden, zumal neben einer angemessenen und attraktiven Ausbildungsvergütung auch gute Ausbildungsbedingungen und die berufliche Perspektive im Unternehmen nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung eine wesentliche Rolle spielen. Das ist genau das, warum sich junge Leute momentan entschieden haben, eher noch eine schulische Ausbildung oder Ähnliches zu machen, weil sie Angst haben, nicht übernommen zu werden. Das wird man auch mit einer Prämie nicht erhöhen. Das ist ein Problem. Es gibt die Allianz für Berufsausbildung. Die haben genau identifiziert, was die Gründe dafür sind, dass sich junge Leute derzeit zurückhalten, wenn es um Ausbildung geht. Einer dieser Gründe besteht darin, dass es Ängste gibt, dass man in dem Betrieb keine Zukunft hat, weil der Betrieb beispielsweise insolvent gehen könnte, und dass man langfristig dann keine Zukunft im Unternehmen hat.

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