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Thomas L. Kemmerich

FDP 21.10.2021 Sitzungen 7/61

Starthilfe für Auszubildende aus einkommensschwächeren Familien

Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren und sehr verehrte Vorredner und Interessierte an der Debatte, es geht ja um Symbolik – ich lasse mal das Aufgeschriebene ein bisschen weg. Es geht um Symbolik, die die Landesregierung mit ihrem Signal gegeben hat, 500 Euro für Studienbeginner zu geben. Es ist ausformuliert worden, wie das funktioniert, es gibt ein System und es ist, glaube ich, jetzt nicht Sache von uns als Opposition, ein komplett fertiges System abzubilden. Es geht uns um eines: Wir wollten dieses Signal, was an die Willigen der Studierenden gesandt worden ist, auch an Leute senden, die sich vielleicht für eine Ausbildung entscheiden wollen. (Beifall Gruppe der FDP) Und warum sollen wir hier einen Unterschied machen zwischen jungen Menschen, die sich zur Wahl eines Studiums entscheiden? Warum sollen Menschen, die sich für eine Ausbildung, eine duale Ausbildung entscheiden, nicht auch vor demselben Problem stehen, nämlich die Erstausstattung zu finanzieren? Klar ist der Hinweis richtig, dass es eine Ausbildungsvergütung gibt, auch das wissen wir. Wir kennen auch die ganzen Fördermöglichkeiten, BAföG etc., darum geht es nicht. Aber das ist systematische Diskriminierung der Auszubildenden, wenn man sagt, hier gibt es eine Prämie oder eine Unterstützung von 500 Euro für deinen ersten Laptop, und die Auszubildenden bekommen das nicht. Das halten wir für falsch. Deshalb sagen wir: Stellt die Leute gleich. Einkommensschwach soll genauso definiert sein, wie es bei den Studenten gilt. Da brauchen wir uns auch nichts Neues auszudenken, das ist auch nicht unsere Aufgabe. Deshalb sehen wir den systemischen Unterschied und fragen einfach hier an der Stelle die Regierung: Wenn ihr das da macht, warum macht ihr es nicht für die Auszubildenden? Deshalb ist unser politischer Antrag: Stellt sie bitte gleich. Deshalb kann ich meinen Vorredner der CDU nicht verstehen – alles richtig, was Sie gesagt haben: duale Ausbildung stärken, damit sie stärker im Leben stehen kann. Aber warum wir hier diese Gruppe nicht gleichstellen mit den Studierenden, erschließt sich mir aufgrund des Redebeitrags nicht. (Beifall Gruppe der FDP) Ich möchte noch auf etwas anderes hinweisen, eine große Gefahr bei der Diskussion, die wir jetzt gerade auch aus Berlin haben, nämlich zum Mindestlohn von 12 Euro: Das wird den einen oder anderen dazu verführen, bevor er sich einer Ausbildung stellt, die drei Jahre oder länger dauern kann, die mit einer deutlich niedrigeren Ausbildungsvergütung versehen ist, das wird den einen oder anderen in die Gefahr begeben, sich einfach einem ungelernten Beruf hinzugeben, weil er sich sagt, bevor ich durch die harte Schule der Ausbildung gehe, dann gehe ich für 12 Euro meinetwegen bei irgendjemandem Pakete schleppen. Die werden, glaube ich, kaum mehr davon runterkommen. Deshalb ist es noch wichtiger zu sagen: Beginnt eine Ausbildung. Und wenn es da Hürden gibt, dann müssen wir die beseitigen. (Beifall Gruppe der FDP) Es ist vielleicht für einen 16-/17-Jährigen erst mal attraktiv und interessant, mit 12 Euro zu beginnen. Aber wie kommt er da jemals wieder raus, wenn er keine Lehre gemacht hat? Duale Ausbildung ist ein unheimliches Aufstiegsversprechen in dieser Gesellschaft. Deshalb sind uns Handwerk und Gewerbe da sehr wichtig. Wir haben oft genug gesagt, ein Meister muss uns so viel wert sein wie ein Master, ein Auszubildender muss uns so viel wert sein wie ein Student. Das ist kein Gegeneinander-Ausspielen, das ist ein gleichwertiges Angebot. Wir wissen heute schon, wie sehr die Handwerkerschaft um Nachwuchs barmt – aber nicht nur die Anbieter von Handwerksdienstleistungen, sondern auch wir als Kunden. Rufen Sie doch mal jemanden an und sagen: Mein Wasserhahn tropft. Es dauert Wochen, wenn nicht länger und geht kaum noch ohne gute Beziehungen, dass man tatsächlich Nachfrage nach Handwerksdienstleistungen befriedigen kann. Wir brauchen ein Signal zu sagen: Handwerk hat goldenen Boden. Geht in die Handwerksberufe, geht in die gewerblichen Berufe, da ist eine unheimlich goldene Zukunft. Nehmt sie wahr – für euch, für die Gesellschaft, für eure Zukunft, für die Zukunft eurer Familien. (Beifall Gruppe der FDP) Thüringen braucht die Leute, die ihre Potenziale an den richtigen Stellen einbringen. Das ist überhaupt keine Gegenrede gegen das Studium, aber den alleinigen Wert eines Studiums sollte man infrage stellen. Es gibt in Deutschland, glaube ich, 18.000 verschiedene Studiengänge, das kann man keinem mehr erzählen. Auch da sollten wir uns darauf konzentrieren zu sagen, es muss Sinn machen, auch volkswirtschaftlich. Wenn wir viel Geld in die Hand nehmen mit Studierenden, dann ist es wichtig und richtig für die volkswirtschaftliche Entwicklung. Aber wir sollten genauso viel Geld in die Hand nehmen – und deshalb auch noch mal der Appell und da kann ich nur unterstützen –, Meisterausbildung sollte man kostenfrei herstellen, es muss möglich sein, sich auch da weiterzuqualifizieren, das darf kein Disprivileg im Handwerk und Gewerbe sein. Lasst uns damit anfangen, das wäre ein tolles Symbol, wenn wir den Auszubildenden auch die 500 Euro zukommen lassen. Wenn die Mehrheit des Hauses sich dem verschließt, dann werden wir an der Stelle nicht aufhören, dieses Ziel weiterzuverfolgen. Vielen Dank. (Beifall Gruppe der FDP)

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