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Thomas L. Kemmerich

FDP 24.09.2021 Sitzungen 7/59

Perspektiven für den Thüringer Tourismus – einen erfolgreichen und nachhaltigen Neustart der Tourismuswirtschaft in Thüringen ermöglichen

Sehr verehrte Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren Abgeordneten, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer an den Endgeräten und als Gast hier im Hause und Frau Rothe von der dpa! Der Thüringer Tourismus leidet nicht nur unter den Folgen der Pandemie, sondern insgesamt unter Standortqualitätsparametern, die seit Jahren etwas ins Wanken gekommen sind, die wir ins Auge nehmen müssen, um tatsächlich die Faktoren zu verbessern, damit der Tourismus der Rolle wieder nachkommen kann, die er in der Volkswirtschaft von Thüringen spielen kann und muss. Analysieren wir mal tatsächlich die Lage, unabhängig von Corona: Das ITB Thema ist jetzt neu dazu‑ gekommen, der Antrag war aus dem Februar und tatsächlich sind wir schlechter wieder an den Start gekommen. Aber das sind in meinen Augen Gründe, die vorher schon, vor der Krise, der Pandemie angelegt waren und auch heute noch Bestand haben. Viele der gastronomischen und touristischen Betriebe gerade im ländlichen Raum sind in die Jahre gekommen. Wenn sie nicht nur an den Betrieben vorbeifahren, sondern auch teilweise hineingehen, sehen Sie, dass vielleicht Anfang oder Mitte der Neunziger noch investiert worden ist, aber in den letzten Jahren zusehends weniger. Mit Recht sprechen wir die Situation der Fachkräfte an, die gerade dort fehlen. Aber das hat insgesamt damit zu tun, dass eher die Leute vom Land zurzeit nicht nur in die Städte Thüringens, sondern aus Thüringen weggegangen sind. Das sind in meinen Augen fehlende Vermarktungsketten. Wir konzentrieren uns zu sehr darauf, einzelne Standorte bekannt zu machen und dort dafür zu sorgen, dass man eine Woche an diesem Leuchtturm im ländlichen Raum verbringt. Aber das ist zu wenig. Wenn man sich zum Beispiel die Vermarktung von Tirol oder im Salzburger Land anschaut, dann wirkt das auch flächenübergreifend in die einzelnen Gemeinden hinein. Die sprechen sich ab und sagen: Bleibt bitte sieben Tage in Tirol, nicht sieben Tage in Salzburg. Deshalb müssen wir da Vermarktungsketten aufbauen, die Leute einfach in Thüringen binden. (Beifall Gruppe der FDP) Tourismus ist ein sehr entscheidender Wirtschaftsfaktor. Das ist er auch noch, aber wir müssen ihn wieder aufbauen. Frau Lehmann ist ja leider nicht mehr da, ich erkläre es ihr gern fürs Protokoll. Wir brauchen erst attraktive Tourismusangebote, wir brauchen erst Touristen, die kommen, Touristen, die Geld ausgeben, und dann können wir darüber reden, dass die Fachkräfte, die Mitarbeiter vor Ort dann natürlich auch mehr Geld verdienen müssen. (Beifall Gruppe der FDP) Aber was soll die Erhöhung des Mindestlohns dem Tourismus bringen? Jedenfalls keine Fachkräfte in den Thüringer Wald. Es ist ein großes Investitionsprogramm und ich weiß, dass das Wirtschaftsministerium das auch sehr großzügig unterstützt. Allerdings muss eben eine Investition in die Zukunft auch das Versprechen einlösen, dass es sich rentierlich gestaltet. Insofern müssen wir beides machen: Geld zur Verfügung stellen, aber auch Tourismusströme organisieren, und das machen andere Länder deutlich besser als wir. Nicht umsonst – wir sprechen immer über die Corona-Maßnahmen, Frau Kniese, die sind in Bayern deutlich härter gewesen und trotzdem sind die Leute nach Bayern gefahren, weil es für sie attraktiver erschien, nach Bayern zu fahren, anstatt nach Thüringen. Das müssen wir uns einfach gefallen lassen. (Zwischenruf Abg. Bilay, DIE LINKE: Die Al- pen hierherholen?) Ich beantworte Ihre Frage gern nach meiner Rede, aber fünf Minuten ist etwas knapp. Insofern muss es immer ein vernünftiges Miteinanderwirken sein. Das ist eine unerlässliche Werbung für den Standort Thüringen, der über Tourismus hinausgeht. Nicht nur der Tourist kommt dann nach Thüringen, sondern auch wieder jemand, der vielleicht aus Thüringen stammt oder sich für Thüringen interessiert und hier dann vielleicht wieder auf die Suche geht, um einen Arbeitsplatz in einem Industriebetrieb, in einem digitalen Betrieb oder Handwerk zu finden. Sie können ja mal versuchen, im Handwerk zurzeit Fachkräfte zu bekommen.

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