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Christoph Zippel

CDU 02.07.2021 Sitzungen 7/52

Garantiert gut versorgt – Medizinische Leistungen in ganz Thüringen sichern

Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich will zunächst einmal auf die Vorredner kurz eingehen und muss sagen, das war schon ein großes Spannungsfeld von blühenden Landschaften, die da gezeichnet wurden. Da bin ich natürlich emotional sehr nah bei der Kollegin Pfefferlein, die verstanden hat, was die Grundintention des Antrags ist. Natürlich kann man das mit diesem Optimismus betreiben. Dann haben wir das Gegenteil erlebt – eine Partei, eine Fraktion, die davon lebt, alles negativ darzustellen, und uns dargelegt hat, wo hier das Haar in der Suppe ist. Das geht sogar so weit, dass sie nicht nur ein Haar in der Suppe gefunden haben. Alles, was Sie hier dargestellt haben, Herr Dr. Lauerwald, war auch deswegen interessant, weil Sie mit aller Mühe an verschiedenen Stellen gesagt haben, wo alles schiefläuft. An der Stelle, wo Sie nicht sagen konnten, dass etwas schiefläuft, da haben Sie sich plötzlich ausgedacht: Da hat die AfD schon längst etwas gemacht. Ich kann Ihnen mal eins sagen: Alle Anträge, die Sie hier aufgezählt haben, wo Sie angeblich Lösungen vorgelegt haben, das sind eigenartigerweise die Sachen, wozu andere Fraktionen hier im Landtag auch schon etwas vorgelegt haben – verrückterweise, noch bevor Sie überhaupt hier im Landtag waren. Also scheint es mir doch so, dass auch andere parlamentarische Gruppierungen hier wirken. (Zwischenruf Abg. Cotta, AfD: Deswegen sit- zen wir jetzt auch hier!) Ich kann Ihnen mal eins sagen, weil Sie das immer so schön wiederholt haben: Die AfD wirkt vollkommen hilflos in diesem Zusammenhang. (Beifall CDU) Meine sehr geehrten Damen und Herren, nachdem wir das klargestellt haben, will ich mich auf den Inhalt dieses Antrags konzentrieren. Die entscheidende Frage der Gesundheitspolitik wird nämlich in Zukunft sein – und das hat ja ein Großteil der Vorredner erkannt: Wie kommt der Patient zum Arzt, oder wie kommen Patient und Arzt zusammen, und zwar vor allem dort, wo einerseits immer mehr alte und multimorbide Menschen wohnen und andererseits immer weniger Ärzte präsent sein werden? Unsere Antworten darauf: technische Innovation, intelligente Vernetzung und konsequente Nachwuchsförderung. Ich will das Stück für Stück mal kurz auseinandernehmen und Ihnen hier offenlegen. Punkt 1: Thüringen bietet die idealen Voraussetzungen für eine telemedizinische Testregion, für telemedizinische Versorgungskonzepte. Wir haben das schon vereinzelt in Thüringen, aber wir gehören doch ohne Zweifel mit unserer gesamten Struktur, sowohl geografisch als auch von der Bevölkerungsstruktur her, zu einer Region, die dort noch viel Potenzial hat. Wir sind ländlich geprägt. Wir haben aber auch zum Beispiel auf der anderen Seite eine aktive E-Health-Community in Jena. Eine Testregion im ländlichen Raum auszuwählen und dort alle bestehenden Konzepte rigoros auf Herz und Nieren zu prüfen, kann Wege aufzeigen für den gesamten Freistaat. Ich will an der Stelle nur zeigen, dass man das Rad nicht neu erfinden muss, denn wir haben ja schon Projekte, die auf dem Weg sind. Im Rahmen des WIR-Projekts gibt es zum Beispiel auch WeCaRe Jena, die auch voranschreiten und schon viele gute Ideen einbringen und uns zeigen, wie das eben auch laufen könnte. Dann haben wir das Thema „Tele-Notarzt“, Notärzte in der Fläche schneller verfügbar machen. Wir haben natürlich das Problem, dass wir immer weniger Ärzte direkt an die Patienten rankriegen und auch in der vorgegebenen Zeit, und da kann der TeleNotarzt der Schlüssel sein, um den Patienten frühzeitig mit der entsprechenden medizinischen Kompetenz in Verbindung zu bringen. Telekonsile, TeleMonitorings und vor allem aber auch das Ganze in Pflegeeinrichtungen, der Ausbau der Tele-VERAH, der Versorgungsassistent in der Hausarztpraxis, all das sind Themen, die in diesem Rahmen eine Rolle spielen könnten. Nun ist die Frage des Testlaufs. Wo liegen die Probleme? Die Probleme liegen in der Anwendbarkeit, in der sicheren Datenübermittlung, im Datenschutz. Aber das sind alles Themen, die man lösen kann. Das Ziel dabei muss es sein, durch Telemedizin Ärzte und Pflegepersonal effektiver einzusetzen. Es geht eben nicht darum, irgendetwas zu delegieren, irgendjemanden herabzuwürdigen, irgendeine andere Berufsgruppe zu überlasten. Es geht um den effektiveren Einsatz des Personals, das wir haben, darum, Überarbeitung zu verhindern und die Strukturen, die wir haben, auch effektiv zu nutzen. Der zweite große Hebel neben der Digitalisierung ist die Vernetzung medizinischer Leistungen. Auch hier geht es darum, vorhandene Ressourcen effektiver einzusetzen. Die Krankenhausstruktur darf eben nicht dem Zufall überlassen werden. Es geht darum, Akteure an einen Tisch zu bringen und vor allen Dingen ein Zukunftsbild zu entwerfen, mutig und ehrlich. Natürlich haben wir in Thüringen in verschiedenen Rahmenbedingungen, aber auch im Krankenhausplanungsausschuss immer wieder die Akteure alle an einem Tisch. Was uns aber als CDU-Fraktion fehlt – und das atmet der Antrag, den wir hier vorliegen haben –, dass wir eben ein Zukunftsbild entwerfen wollen, dass wir Ansagen haben wollen: Wie soll die Krankenhauslandschaft, wie soll die Gesundheitsversorgung in Thüringen 2030, 2040 aussehen? Mutig und ehrlich! Wir müssen in diesem Zusammenhang aber auch über Rettungsmittel sprechen, bodengebunden und auch die Luftrettung. Das Überschreiten der Hilfsfristen war mehrfach Thema in der Presse, aber der Rettungswagen ist eben nicht nur Transportmittel ins nächste Krankenhaus. Krankenhausähnliche Versorgung muss bereits im Rettungswagen bzw. im Rettungshubschrauber möglich sein. Das sind entscheidende Minuten in der Rettungskette. Und hier reden wir von einem Fundament für eine bestmögliche Anschlussversorgung. Wir schlagen vor, uns hier an Baden-Württemberg zu orientieren. Dort gab es ein Gutachten über die Luftrettung und auch insbesondere über die Rettungsmittel und die Leitstellenstruktur. Das soll als Basis für zukünftige politische Entscheidungen dienen – eine ehrliche, saubere Analyse, ob wir hier in Thüringen noch nachsteuern können und sollten. Es mag sein, dass die derzeit drei Rettungshubschrauber plus ein Intensivtransporthubschrauber ausreichen, wie das Innenministerium im Übrigen in der Antwort auf meine Kleine Anfrage zu dem Thema geschrieben hat. Aber genau das meinte ich vorhin mit dem Thema „Vision“. Nicht nur schauen, was ist jetzt, sondern wo wollen wir hin, was ist in fünf, was ist in zehn, was ist in fünfzehn Jahren? Wie können wir Strukturen, die wir jetzt haben, effektiver gestalten, umstrukturieren und zukunftsfest machen? Eventuell gibt es auch weniger Krankenhäuser im ländlichen Raum, was heißt: Wir brauchen mehr Kapazitäten in der Luftrettung. Das Gesundheitsministerium drängt doch darauf, stationäre Versorgung in größeren Krankenhäusern zu bündeln. Anders – und das ist die Interpretation der CDU-Fraktion, Frau Ministerin, wir sind da oft im Diskurs – ist die Facharztquote doch für uns nicht zu verstehen. Das bedeutet dann aber auch: Die Wege werden länger. Dann muss man so ehrlich sein, die nötigen Konsequenzen beim Rettungsdienst und beim Krankentransport zu ziehen. Der Ausbau des Rettungsdienstes, auch und gerade der Luftrettung, ist eben hier der logische Schritt. Der dritte große Punkt ist der Fachkräftebedarf. Da ist zum einen das Thema der Studienplätze. Der gemeinsam eingeschlagene Weg bei der Humanmedizin, bei den Zahnärzten und bei den Pharmazeuten sollte konsequent weitergegangen werden. Die Stiftung zur Förderung ambulanter ärztlicher Versorgung ist ein gutes und wichtiges Instrument, das von anderen Bundesländern kopiert wurde und sich in Thüringen bewährt hat. Dieses gilt es auszubauen. Die Stiftung sollte auch als Ansprechpartnerin und Vermittlerin dienen, zum Beispiel nicht nur für Absolventen einerseits, sondern auch für arztsuchende Kommunen auf der anderen Seite. Wir erleben immer wieder Kommunen, die einen Ansprechpartner suchen, die auf der Suche nach Hilfe sind, wie sie in ihren ländlichen Raum Ärzte hineinbringen, hineinsteuern können. Dort fehlt oftmals der Ansprechpartner. Ich erlebe auch immer wieder junge Mediziner, die sagen: Ich will mich zwar niederlassen, gern auch in kleineren Städten oder auf dem Land, aber eine eigene Praxis mit allen, auch finanziellen Konsequenzen ist momentan eine zu große Verpflichtung. – Deswegen sehen wir die Stiftungspraxen als ideale Lösung an und schlagen vor, das auch in Richtung der Pharmazie zu erweitern. Warum nicht über die Idee einer Stiftungsapotheke nachdenken? Wir müssen an vielen Stellen das Rad nicht neu erfinden.

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