Babette Pfefferlein
Erforschung von Long-COVID priorisieren: Klinische Daten erheben, Langzeitfolgen analysieren, wirksame Therapien entwickeln und in Regelversorgung implementieren
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, auch ich möchte mich an der Stelle erst mal dafür bedanken, dass wir so schnell einen gemeinsamen Antrag auf den Weg gebracht haben und die FDP wirklich den Aufschlag gemacht hat. Ich finde das sehr kollegial und ich bin das auch gewohnt, muss ich ausdrücklich sagen, in diesem Ausschuss, dass wir da so miteinander umgehen und auch für die Sache ganz schnell eine Lösung finden und das haben wir gestern gefunden. Ich finde, das ist ein starkes Signal auch für die Betroffenen, was wir heute, wenn wir diesen Antrag beschließen, geben. Vielen Dank an dieser Stelle.
(Beifall DIE LINKE, CDU, SPD, BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN, FDP) Die vom Robert-Koch-Institut veröffentlichten Zahlen zeigen nämlich ein düsteres Bild, auch wenn die Zahlen im Prinzip fallen – Gott sei Dank auch in Thüringen – und die Hoffnung wächst, dass wir vielleicht keine vierte Welle bekommen, doch so sind in den vergangenen Wochen und Monaten viele Menschen Opfer des Coronavirus geworden. Ich möchte noch mal die aktuellen Zahlen von heute nennen: 3.702.535 Menschen sind nachweislich an COVID-19 erkrankt, 3.526.100 Menschen gelten davon als wieder genesen, das heißt, sie sind nicht mehr ansteckend. Aber sind alle wieder gesund? Viele Menschen, die an COVID-19 erkrankt waren, leiden nach Abklingen der akuten COVID-19-Infektion unter vielfältigen unterschiedlichen Beschwerden, sie brauchen eine lange Zeit zur Genesung. Forschungsministerin Karliczek nannte Anfang der Woche die unglaublich hohe Zahl von 350.000 Patientinnen und Patienten – Herr Montag hat es vorhin schon gesagt –, die von Long-COVID betroffen sind. Jeden Zehnten also plagen lang anhaltende Spätfolgen. Die Menschen berichten nach einer COVID-19-Erkrankung von ausgeprägter Müdigkeit, die über viele Wochen anhält. Andere klagen über Schmerzen in der Brust oder Muskelbeschwerden. Einige haben neurologische Probleme wie Lähmungserscheinungen, Kopfschmerzen oder Geschmacks- bzw. Geruchsverlust, aber an allererster Stelle steht die chronische Erschöpfung. Was genau auf Betroffene zukommen kann, ist bislang nicht erforscht. Allerdings gibt es viele Berichte aus der Praxis. Viele Patientinnen und Patienten berichten von Symptomen, die an einem Tag kommen und am nächsten Tag wieder verschwinden, manche beschreiben es wie einen Adventskalender, bei dem sich an jedem Tag eine Tür öffnet und ein neues Symptom zeigt. Solche Spätfolgen können einen oder sogar bis vier Monate nach der Corona-Infektion auftreten. Die Ursachen für diese langwierigen Krankheitsverläufe sind noch weitgehend unklar, die Anzahl der Betroffenen ist unklar und auch insgesamt gibt es bisher nur wenige gesicherte Erkenntnisse zu den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. Wir haben hier nun unseren gemeinsamen Antrag. Dieser Antrag spricht viele Aspekte an und macht viele Vorschläge. Vieles davon ist aber wichtig für die bundesweite und sogar internationale Entwicklung. Manches liegt nicht in den Händen der Landesregierung und lässt zum Beispiel eine Entscheidung unabhängiger Organisationen wie des UKJ zu. Thüringen aber muss vieles davon und vieles andere unterstützen und wir müssen da die Augen ganz genau aufhalten, um nichts zu verpassen, was Unterstützung braucht. Und Thüringen muss sich noch besser vernetzen. Um wirklich ein gutes Handlungskonzept für Thüringen zu entwickeln, brauchen wir den Zugang zu belastbaren Zahlen, das Wissen über schon vorhandene Behandlungsmöglichkeiten und Versorgungslücken. Deshalb habe ich im April die Kleine Anfrage 7/2062 dazu eingereicht, falls jemand nachschauen möchte. Ich bin hoffnungsfroh, dass ich bald mit einer Antwort von der Landesregierung rechnen kann. Die Versorgung der Patientinnen und Patienten mit Spät- und Langzeitfolgen von COVID-19 befindet sich national und international in sehr unterschiedlich fortgeschrittenen Entwicklungsstadien. Fakt ist, es braucht Post-COVID-Ambulanzen, Post-COVIDKliniken und Rehabilitationskliniken sowie Selbsthilfegruppen, auch wenn sicher eine Beurteilung der Effektivität der unterschiedlichen Versorgungsformen derzeit noch nicht möglich ist, und einen länderübergreifenden Austausch über die im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie stehenden Folgen. Sicher müssen wir Behandlungsangebote im Bereich von Post- und Long-COVID ausbauen. Hier brauchen wir die Kassenärztliche Vereinigung an unserer Seite. Die Unterstützung von Selbsthilfegruppen zu Long-COVID und von Austauschnetzwerken ist meist kurzfristig und vor Ort machbar. Aber das braucht auch unsere Unterstützung. Wir haben also jede Menge große Aufgaben vor uns. Das schaffen wir nur zusammen. Deshalb bitte ich um Unterstützung für diesen Antrag und bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich.
(Beifall DIE LINKE, CDU, SPD, BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN, FDP)
