thueringer-landtag.de ↗

Christoph Zippel

CDU 04.06.2021 Sitzungen 7/49

Erforschung von Long-COVID priorisieren: Klinische Daten erheben, Langzeitfolgen analysieren, wirksame Therapien entwickeln und in Regelversorgung implementieren

Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, um es gleich vorweg zu sagen und damit auch nicht der Eindruck entsteht, die CDU-Fraktion wolle sich mit fremden Federn schmücken: Die Feder, aus der dieser Antrag floss, gehört der FDP. Ihr gebührt der Dank und die Anerkennung für diese Initiative. Meine Fraktion ist aufgrund der inhaltlichen Zustimmung beigetreten und in diesem Sinne ist es dann ein gemeinsamer Antrag von FDP und CDU. Wir unterstützen diesen Antrag natürlich sehr gern und vollumfänglich, nicht nur, weil er inhaltlich sehr gut ist, sondern auch, weil er ein sehr wichtiges und – man muss auch sagen – ein beunruhigendes Thema anspricht. Long-COVID oder auch Post-COVID-19-Syndrom genannt ist eine lang anhaltende und wiederkehrende Symptomatik nach einer COVID-19-Erkrankung. Es wurde hier gerade eben schon dargelegt, dass die beobachteten Symptome sehr unterschiedlich sind: Atembeschwerden, Geruchs- und Geschmacksstörungen, chronische Müdigkeit, all das aber eben auch bei mildem Verlauf, in manchen Fällen eben auch Entzündungsreaktionen an verschiedenen Organen, mitunter auch psychologische Symptome wie Depressionen, die Patienten sind im Alltag sehr eingeschränkt, mitunter sogar berufsunfähig. Die Symptome treten in allen Altersgruppen auf. Das Ausmaß der Krankheit ist noch nicht absehbar und es kommen immer wieder neue Erkenntnisse hinzu. Ging man am Anfang noch von einer Atemwegserkrankung aus, ist inzwischen bekannt, dass es sich doch allgemein um eine Gefäßerkrankung handelt, was auch die Komplexität und die weite Verteilung im Körper erklärt. Die Gefahr besteht, dass Long-COVID gerade in Thüringen vergleichsweise häufig auftreten könnte. Das ist nur eine Vermutung meinerseits, wir kennen noch keine Zahlen dazu, aber die Vermutung liegt doch nahe. Thüringen hatte in der zweiten und dritten Welle fast durchweg einen traurigen Spitzenplatz inne, was die Zahl der Infektionen betrifft. Damit ist eben auch die Zahl der potenziell Betroffenen in Thüringen höher. Was heißt das alles nun? Ganz einfach: Wir brauchen mehr Forschung, wir brauchen mehr Daten. Hier setzt dieser Antrag an. Wir wollen die LongCOVID-Forschung durch ein ganzes Bündel an Maßnahmen unterstützen. Gleichzeitig soll eine hochqualifizierte Behandlung der Betroffenen sichergestellt werden. In Rücksprache mit Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung soll auf die Entwicklung einer Leitlinie als Orientierungsund Entscheidungshilfe hingearbeitet werden – ein ganz wesentlicher Schritt für den alltäglichen Kampf des medizinischen Fachpersonals gegen diese Erkrankung. (Beifall CDU, FDP) Gleichzeitig gilt es, den Einsatz für eine dauerhafte Finanzierung der Behandlung durch die Selbstverwaltung zu stärken und die Behandlung am Universitätsklinikum Jena und der dortigen Post-COVIDAmbulanz durch den Landeshaushalt zu flankieren. Die Erkenntnisse aus all dieser Forschung sollen dann auch in die Fortbildungen der Landesärztekammer mit einfließen. Wir wissen noch zu wenig über das Phänomen Long-COVID. Das lässt sich als Fazit über all das zusammenfassen. Was wir aber wissen, ist schlichtweg beunruhigend. Wir brauchen eine breite Evidenzbasis, wir müssen diese Basis schaffen. Ich freue mich, dass die regierungstragenden Fraktionen die Relevanz des Themas erkannt haben und sich nun an dem Antrag beteiligen. Das ist ein gutes Signal. Es geht um die Sache und es kamen auch wirklich gute inhaltliche Ergänzungen im neuen gemeinsamen Antrag. Ich sage es mal so: Über das eingefügte Lob an die Landesregierung können wir großzügig hinwegsehen, wenn es denn der Sache dient. Ich würde mich der Einschätzung von Herrn Plötner doch nur bedingt anschließen. Aber wir arbeiten hier an der Sache und deswegen schweigen wir mal über den Rest. Ich werbe für eine breite Zustimmung zum Antrag in der jetzt vorliegenden Form. Vielen Dank. (Beifall CDU, FDP)

Alle Reden von Christoph Zippel Protokoll ↗