Tosca Kniese
f) auf Antrag der Fraktion der FDP zum Thema: „Neustart der Thüringer Wirtschaft beginnt in den Köpfen: Gründergeist im Freistaat nutzen.“
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, liebe Zuschauer am Livestream, Kanada, USA, England, Schweiz, Australien, China, was sich für einige jetzt nach Urlaub anhört – nein, das ist es nicht. In diese Länder wanderten Freunde von mir in den letzten Jahren aus. Sie sind sehr gut ausgebildet und sie kommen auch nicht mehr zurück. Einige von ihnen gründeten erfolgreich Unternehmen, einer arbeitet als Soloselbstständiger in der Kulturbranche, ein anderer lehrt und forscht an einer Universität. Sie werden keine Unternehmen in Deutschland gründen. Es gibt zahlreiche Studien, die besagen, dass Frauen weniger gründen, da sie mehr an sich zweifeln, sich weniger zutrauen oder über weniger finanzielle Mittel verfügen. Aber die Mutigen, die den Schritt wagen, scheitern seltener als Männer. Tja, meine Herren, nehmen Sie sich mal ein Beispiel an uns Frauen!
(Beifall AfD)
Frauen belegen weniger MINT-Fächer, von daher gründen Frauen auch häufiger im Dienstleistungssektor. Der harte Lockdown, die drastischen Corona-Maßnahmen entzogen natürlich gerade in der Dienstleistungsbranche vielen von heute auf morgen vollkommen unverschuldet die Existenzgrundlage. Das schreckt Gründungswillige natürlich ab. Je unsicherer das Umfeld ist, desto weniger Menschen wollen selbstständig sein. Sinkender Gründungsgeist stellt volkswirtschaftlich ein Problem dar. Eine rege Gründungstätigkeit ist volkswirtschaftlich wichtig, weil Gründungen einen Innovationsdruck auf etablierte Unternehmen ausüben und so dabei helfen, dass die Wirtschaft zukunftsfähig bleibt. In Anbetracht der demografischen Alterung ist eine gesunde, starke, zukunftsfähige Wirtschaft von elementar wichtiger Bedeutung. Es stand schon vor der Corona-Krise nicht gut um den Gründergeist in Deutschland. Was brauchen wir also? Aufgrund der knappen Zeit – 5 Minuten sind nicht sehr viel – kann ich an dieser Stelle natürlich nicht ins Detail gehen. Ja, es bedarf einerseits ausreichend finanzieller Unterstützung – es gibt bereits finanzielle Unterstützung –, aber es bedarf eben auch grundsätzlich weniger Verbote, weniger Bürokratie – das wurde auch schon angemerkt –, weniger staatlicher Einmischung und dafür mehr Vertrauen des Staates in die Gründer, in die Unternehmer. Denn der Unternehmer ist nicht das böse Raubtier, als das einige ihn skizzieren.
(Beifall AfD)
Ich denke, es bedarf mehr Akzeptanz des Berufsbilds eines Unternehmers. Weiterhin muss natürlich das nötige Fachwissen vermittelt werden. Ich kann mich noch gut an das dröge Fach „Wirtschaft und Recht“ in der Schule erinnern. Trockenes Fachwissen wurde heruntergebetet ohne jeglichen Elan, ohne Fallbeispiele, ohne jeglichen Bezug zur Realität. Das schreckte mehr ab, als dass es motivierte. Auf meine Kleine Anfrage „Gründerkultur und innovatives Unternehmertum in Thüringen“ erhielt ich in der Drucksache 7/2886 unter anderem die folgende Antwort aus dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft – ich zitiere –: „Die weiterentwickelten Thüringer Lehrpläne sind standard- und kompetenzorientiert aufgebaut. Sie beschränken sich auf die Beschreibung verbindlicher zentraler fachspezifischer bzw. aufgabenfeldspezifischer Kompetenzen und die Ausweisung zentraler Inhalte. Auf eine weitere Präzisierung, auch zum Unternehmertum, wurde bewusst verzichtet.“ Warum? Warum wird darauf bewusst verzichtet? Es geht schließlich nicht nur um die Vermittlung von Rechtsformen und Fachbegriffen, Unternehmertum ist auch ein Lebensgefühl, ein Gefühl von Freiheit und Schaffenskraft. Und ja, zum Leben eines Unternehmers gehören natürlich auch die Bewältigung des täglichen Bürokratiebergs und in harten Zeiten auch die finanziellen Ungewissheiten, wenn die Aufträge ausbleiben aufgrund von zum Beispiel eines angeordneten Lockdowns. Unternehmer müssen so einige Rückschläge einstecken. Ein Unternehmer, den ich kenne, beantragte vor Jahren frohen Mutes Fördermittel. Als er sich nach einigen Wochen nach dem Sachstand erkundigte, wurde ihm mürrisch mitgeteilt, dass er nicht stören möge und – ich zitiere –: „Wir suchen noch nach K.o.-Kriterien.“ Die Behörde suchte also nach K.o.-Kriterien, um ihm die Fördermittel versagen zu können. Das darf nicht sein. Unternehmertum bedeutet, täglich etwas zu erschaffen, ein Produkt, eine Dienstleistung. Unternehmertum bedeutet, Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten, wodurch Familien ihren Lebensunterhalt verdienen. Unternehmertum ist also etwas sehr Positives, etwas sehr Produktives und wir brauchen viel mehr Mut zur Freiheit. Vielen Dank.
(Beifall AfD)
