Thomas Hartung
Pandemiebewältigung in der Bildung – chancengerechten Zugang zu außerschulischen Lern- und Förderangeboten ermöglichen
Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, die Thüringer Schulen stehen vor einer ganz erheblichen Herausforderung. Auf der einen Seite müssen wir so viel Schule wie irgend möglich zügig wieder zulassen. Dazu wird es notwendig sein, sobald das möglich ist, eine Impfkampagne aufzulegen, die Stück für Stück die einzelnen Schulen aus dem Infektionsgeschehen herauslöst und tatsächlich dazu führt, dass eben Schule dort organisierbar ist. Wenn das möglich ist – ja –, dann müssen wir uns den Lernrückständen widmen, müssen die aufholen lassen und müssen schnellstmöglich dazu kommen, dass die Schüler das aufholen, was sie pandemiebedingt versäumt haben. Diesem letzten Aspekt widmet sich der Antrag der FDP aus meiner Sicht allerdings inhaltlich etwas zu kurz gegriffen, denn es läuft ja im Prinzip, wenn ich es verkürze, darauf hinaus, dass wir die außerschulischen Nachhilfeangebote staatlich finanzieren. Das lässt aus meiner Sicht einen ganz wesentlichen Teil außer Acht, nämlich das Wissen an den Schulen, wie sich Lernrückstände zusammensetzen, gerade durch das Distanzlernen und gerade dadurch, dass die Schüler, wenn sie wieder in die Schule kommen, eben genau mit den Lehrern konfrontiert sind, die am besten einschätzen können, wie die Lernrückstände in den einzelnen Klassen auf die einzelnen Schüler verteilt sind. Deswegen, glaube ich, ist das reine Ausreichen staatlichen Geldes hier nicht wirklich zielführend, weil es erstens kurzfristig ist, und es führt zweitens dazu, dass wir ein Strohfeuer entfachen, anstatt längerfristig Geld anzulegen. Es ist aus meiner Sicht zwingend erforderlich – und da greift Ihr Antrag zu kurz –, dass wir den Lernort Schule als Zentrum dieser Nachhilfe erfassen und begreifen.
(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-
NEN) Ich glaube, dass dieser Lernort in Ihrem Antrag nicht angemessen gewürdigt ist. Bei diesem Zusammenhang sind wir froh – der Zeitpunkt ist zufällig –, dass das Corona-Aufholpaket im Bund verabschiedet worden ist. In diesem Finanzvolumen von 2 Milliarden Euro ist eben auch 1 Milliarde Euro dabei, die eben genau darauf abzielt, dass wir die konkreten Bildungsrückstände, wenn sie erfasst sind, mit dem Zentrum „Schule“ über einen längeren Zeitraum wieder aufholen. Natürlich kann das durch private Angebote, durch außerschulische Angebote ergänzt werden, aber der Kernpunkt muss die Schule sein. Dort werden die Lernrückstände erfasst, dort müssen wir auch damit umgehen. Ich glaube, das wird auch längerfristig wirken, denn darauf ist dieses Paket angelegt. Wir werden da noch eine ganze Weile nacharbeiten müssen, wir werden natürlich auch Landesgeld in die Hand nehmen müssen, aber das sollte es uns wert sein. Aus unserer Sicht ist das vom Bund vorgeschlagene Programm eine gute Basis, auf der wir hier in Thüringen arbeiten können. Ich glaube, da werden wir mehr, breitere und auch langfristiger wirksame Maßnahmen für die Schüler erarbeiten können, als es hier in diesem Antrag vorgesehen ist. Ich gehe davon aus, dass wir im Ausschuss und später dazu verschiedene Beratungen machen. Allerdings denke ich, dieser Antrag ist zu wenig, ist zu kurz und ist dafür nicht geeignet. Vielen Dank.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
