Ringo Mühlmann
Fragestunde
Vielen Dank, Herr Präsident. Alternative Maßeinheiten zur Beurteilung des Corona-Infektionsgeschehens PCR-Tests bilden gegenwärtig die Basis für die täglich vom Robert Koch-Institut bekanntgegebenen Corona-Fallzahlen, auf die sich auch die Thüringer Landesregierung hinsichtlich des Corona-Infektionsgeschehens beruft und auf welche bei der Berechnung der sogenannten Inzidenzen im Sinne des § 28a Infektionsschutzgesetz abgestellt wird. Ct-Werte zur Bestimmung des Maßes der Ansteckungsfähigkeit (Infektiosität) sind nur in begrenztem Umfang vergleichbar. Der Leiter der Virologie an der Charité Berlin hat bereits am 9. September 2020 in einem Interview des NDR einen Wert von „einer Million Kopien pro Abstrich-Tupfer oder auch pro Milliliter Flüssigkeit“ als Maßeinheit ins Spiel gebracht, auch wenn er diesen Wert nicht als Empfehlung verstanden wissen wollte. Er betonte die Notwendigkeit einer Standardisierung, verwies aber darauf, dass auch eine andere Zahl als Maßeinheit denkbar wäre. Der Rekurs auf ein Maß für lnfektiosität des Coronavirus anstatt auf die heute primär ausschlaggebenden Inzidenzwerte würde gegebenenfalls zu einem realistischeren Bild des tatsächlich vom Coronavirus ausgehenden Risikos führen. Ich frage die Landesregierung: 1. Zu welchem Resultat im Diskussionsprozess zwischen Experten hinsichtlich eines Maßes für die lnfektiosität des Coronavirus hat die von dem Leiter der Virologie an der Charité Berlin im oben genannten Interview erwähnte alternative Maßeinheit geführt? 2. Welche Überlegungen stellt die Landesregierung an, um realistischere Daten über das lnfektionsgeschehen zu bekommen, als sie die Inzidenzwerte des RKI darstellen und die mittels Zugrundelegung eines einheitlichen Viruslast-Maßes für die Infektiosität des Coronavirus – inklusive seiner Varianten – erreicht werden könnten? 3. Was spricht aus Sicht der Landesregierung dafür bzw. dagegen, dass man in Thüringen einen einheitlichen Messwert für die Ansteckungsgrenze des Coronavirus – inklusive seiner Varianten – festlegt und das lnfektionsgeschehen anhand entsprechend zu ermittelnder Daten darstellt? 4. Wie hoch wären nach Auffassung der Landesregierung die Kosten, um ein entsprechendes Erhebungsverfahren in Thüringen zu etablieren?
