Babette Pfefferlein
Gemeinwohl- und Klimaschutzleistungen des Waldes würdigen – Wälder und Waldbesitzer nachhaltig unterstützen
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Gäste, der vorliegende Beschlussvorschlag zeigt die gemeinsame Entschlossenheit in diesem Haus auf, die kommunalen und privaten Wälder zu erhalten. Für den Staatswald haben wir bereits im Zuge der Haushaltsaufstellung umfangreiche Maßnahmen ermöglicht, die von ThüringenForst nun umgesetzt werden. Heute gilt es, nochmals darüber zu reden, wie wir die vom Bund und vom Landtag bereitgestellten Mittel möglichst gut auch für die privaten und kommunalen Wälder einsetzen. Der Antrag stellt klar, dass wir dazu auf bereits vorhandene Fördermethoden wie in der Landwirtschaft zurückgreifen wollen. Die Flächenprämie ist zwar dort alles andere als unumstritten und wird derzeit im Zuge der Gemeinsamen Agrarpolitik viel stärker auf Gemeinwohlleistung umgestellt, aber genau das wollen wir ja mit den Flächenzahlungen für die Wälder auch erreichen: die Entlohnung der Gemeinwohlleistung. Es ist für uns Bündnisgrüne deshalb klar, dass es konsequente ökologische und soziale Kriterien für die Höhe der Flächenzahlung geben muss. Diese müssen sich am Maß der Leistung für die Allgemeinheit, die im jeweiligen Waldstück erbracht wird, orientieren. Für zertifizierte Wälder nach FSC muss es deshalb eine merkbar höhere Prämie geben als für PEFC. Für Wälder, die besondere Erholungsfunktion haben, muss ebenfalls einen Zuschlag möglich sein. Da wünschen wir uns in den Fortschreibungen der inzwischen angeschobenen Förderung in Bund und Land noch mehr Klarheit. Die Leistungen des naturnahen Waldes für unsere Gesellschaft sind kaum zu überschätzen. Neben den hier bereits mehrfach dargelegten Leistungen für das Klima, die Biodiversität und den Rohstoff Holz ist der Wald eine unschätzbare Ressource für die Erholung der Menschen, die Kühlung und Reinigung der Luft und für sauberes Wasser. Bäume sollen sogar spezielle beruhigende Stoffe verströmen. Unter anderem deshalb wird in den Alpen für Gaststättenmöbel Zedernholz verwendet, da dies besonders stark beruhigt und somit das friedliche Beisammensein fördert. Den Superbaum wird es nicht geben, meine sehr geehrten Damen und Herren. Was wir aber brauchen, ist der Superwald – sagt die Försterin und Wissenschaftlerin Diana Pretzell. Dieser Wald ist für sie natürlich verjüngter Mischwald mit mindestens 65 Prozent Laubanteil. Es wird deshalb nicht damit getan sein, dass die Privaten und Kommunen das ganze Geld in die Hand nehmen und damit flächig neue Bäume pflanzen. Vielleicht müssen wir ihnen sogar eine Stillhalteprämie zahlen, damit die Natur wieder selbst die Zügel in die Hand nimmt. Das Kühlaggregat Wald baut sich am besten selbst nach. Deshalb sollten wir, wie es im Thüringer Wald auf Demonstrationsflächen schon getan wird, einen Schwerpunkt darauf setzen, Mutterbäume zu pflanzen, wo dies notwendig ist. Denn Sämlinge sind widerstandsfähiger als gepflanzte Bäume. Das sagen praktische Erfahrungen und Wissenschaft einhellig. Besonders in Kombination mit der Überdüngung mit Sauerstoff, die ebenfalls vor allem das Wurzelwachstum behindert, würde flächige Anpflanzung auf Kalamitätsflächen wiederum zu wachstumsschwachen und anfälligen Bäumen führen – ein Teufelskreis. Hitze, Überdüngung und sogar der Wildbestand sind Faktoren, die die Waldbesitzenden oft kaum beeinflussen können. Die Lösung der Waldkrise liegt also nicht nur im Wald. Der Sachverständigenrat „Umwelt“ warnt sogar davor, dass dem Hainich der UNESCO-Status aberkannt werden könnte, weil externe Faktoren das gesamte Ökosystem unwiederbringlich zerstören könnten. Das darf nicht passieren!
(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Anfangen sollten wir dazu endlich auch mit einem nachhaltigen naturnahen Wildbestand. Durchaus Ansatz bietet hier der Einsatz von Weidegattern, die im Unterschied zwischen innen und außen aufzeigen, ob der Wildtierbestand nachhaltig ist oder draußen viel weniger wächst und entsprechend bei der Jagd nachgesteuert werden muss. Dieses möchten wir deshalb gern besonders stark gefördert sehen. Ran müssen wir natürlich auch – wie gerade schon ausgeführt – an die Überdüngung mit Stickstoff, die noch viel zu oft in ihren negativen Folgen unterschätzt wird, insbesondere in der Wurzelschädigung. Die Überdüngung kommt über die Luft – zur Hälfte aus der Landwirtschaft und zur anderen Hälfte aus dem Verkehr. So gesehen sind die Kompetenzen zur Lösung der Waldkrise schon im TMIL gebündelt. An den Kriterien für die zukünftige Flächenprämie müssen wir noch arbeiten. Kurzfristig ist in der Krise eine pauschalere Zahlung, wie sie jetzt stattfindet, akzeptabel. Mittelfristig müssen wir uns natürlich genau überlegen, für welche Leistungen wir Steuermittel zur Verfügung stellen und für welche nicht, denn die Menschen auf den Waldwegen schauen uns auf die hoffentlich grünen Finger. Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns trotz aller akuten Probleme besonnen bleiben. Genauso wichtig wie schnelle Hilfe bleiben Forschung, vor allem Forschungstransfer, Geduld und Vertrauen in die natürliche Regenerationsfähigkeit des Waldes. Es hilft dabei sehr, für den Waldfrieden an einem Strang und in eine gemeinsame Richtung zu ziehen. Wir werden diesem Antrag zustimmen. Herzlichen Dank.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
