Heike Werner
Fragestunde
Danke. Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, die Mündliche Anfrage möchte ich wie folgt beantworten. Zu Frage 1: Der Landesregierung liegen dazu keine wissenschaftlich basierten eigenen Daten oder Ergebnisse vor. Die Inzidenz nach Kreistyp für das Bundesland Thüringen kann den Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung – BBSR – entnommen werden. Die Daten sind über einen Link des BBSR abrufbar. Während der ersten Welle im Frühjahr 2020 stieg die Inzidenz im März 2020 zuerst in den Städten auf einen Spitzenwert an und fiel im April 2020 schnell wieder ab. In den ländlichen Gebieten war der Anstieg zeitlich etwas verzögert. Die Kurve verlief flacher, dafür aber länger bis in den Juni 2020 hinein. Die Ursachen für die Unterschiede können bisher nur vermutet werden. Da der Ersteintrag nach Deutschland aus dem Ausland erfolgte, also zum Beispiel aus Österreich und Italien durch Skiurlauber und durch Kreuzfahrttouristen oder durch andere Flüge, kann unterschiedliche Reisetätigkeit ein Grund sein. Aber auch unterschiedliche Altersstrukturen, der Anteil der Unterbringung in Alten- und Pflegeeinrichtungen und damit zusammenhängende größere Ausbrüche, Fälle in Krankenhäusern, die Mobilität – also Berufspendler im ländlichen Raum –, die Durchführung von Faschingsfeiern oder anderen Volksfesten, zum Beispiel Gangelt, oder die Nichteinhaltung der Corona-Maßnahmen durch die Bevölkerung können Ursachen sein. In Thüringen waren während der ersten Welle sehr hohe Inzidenzen bis in den Juni 2020 zu verzeichnen gewesen, darunter insbesondere im Landkreis Greiz. Hauptursache waren ein großer Ausbruch aufgrund einer Familienfeier sowie Ausbrüche in Krankenhäusern und Dialysepraxen sowie in Altenund Pflegeeinrichtungen in Ostthüringen. In der ersten Welle war die Infektion noch nicht flächenhaft verbreitet, sondern trat vor allem in Clustern auf. Einzelereignisse mit Ansteckung vieler Personen führten zu starkem Anwachsen der Inzidenz. Im Oktober 2020 begann die zweite Welle parallel in Städten und ländlichen Gebieten. Der zeitliche Verlauf ist identisch. Die Inzidenzen sind im ländlichen Raum und den städtischen Kreisen allerdings deutlich höher als in den Städten selbst. Mögliche Ursachen, die erneut nur vermutet werden können: unterschiedliche Altersstrukturen, der Anteil der Unterbringung in Alten- und Pflegeeinrichtungen, Mobilität, also Berufspendler im ländlichen Raum, Nichteinhaltung der Corona-Maßnahmen durch die Bevölkerung, die Nähe zu Tschechien und Sachsen mit besonders hohen Inzidenzen, die Einreise von Berufspendlerinnen und -pendlern aus diesen Gebieten in die östlichen Thüringer Kreise und ab 2021 die unterschiedliche Ausbreitung der neuen Virusmutationen, insbesondere der britischen Variante B.1.1.7 mit deutlich höherer Übertragbarkeit. Seit Beginn der zweiten Welle hat sich die Infektion immer stärker in der Bevölkerung ausgebreitet. Einzelne große Ausbrüche tragen weniger zur Ge sam inzidenz bei. Vor allem sind viele kleine famili t äre Ausbrüche zu verzeichnen. Möglicherweise spielen Unterschiede in der Familiengröße, zum Beispiel das Zusammenleben von mehreren Gene rationen in einem Haus und die Art und Weise des Zusammenlebens zwischen Stadt, also in der Stadt viele Singles und isolierte Gegebenheiten, und wie derum auf dem Land, der Dorfgemeinschaft, bei der Verbreitung von Corona eine Rolle. Es gibt unterschiedliche Sozialbeziehungen. In den Städten beispielsweise ist der Verein vor allem ein Ort, zu dem man geht, weil man ein besonderes Spezialhobby hat, während in ländlichen Räumen Vereine wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens sind und deswegen auch mehr Begegnungen stattfinden. Aber dafür liegen noch keine wissenschaftlichen Aufarbeitungen vor. Deutlich ist allerdings, dass vor allem die Kreise in der Nähe zu starken Infektionsregionen wie Tschechien eine deutlich höhere Inzidenz aufweisen als andere Kreise. Zu Frage 2: Zu dieser Frage sind bisher keine Daten verfügbar. Wissenschaftlich basierte Erkenntnisse liegen ebenfalls noch nicht vor. Seit 2021 spielt insbesondere neu die Ausbreitung der Virusvarianten, vor allem der Variante B.1.1.7, eine entscheidende Rolle. Hinzu kommen die durchgeführten Impfungen ab Jahresbeginn 2021, die zum Schutz der Hochbetagten sowie des medizinischen und Pflegepersonals vor schwer verlaufenden Erkrankungen führen. Dadurch ändert sich die Altersstruktur der Erkrankten, was wiederum Auswirkungen auf die Verteilung zwischen städtischem und ländlichem Raum haben könnte. Zu Frage 3: Da wie bereits ausgeführt zu der bisherigen regionalen Ausbreitung von COVID-19 keine wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse vorliegen, ist eine seriöse Beantwortung der Frage zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
