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Thomas Hartung

SPD 16.07.2020 Sitzungen 7/20

b) Weitere Stärkung und Entwicklung der Digitalisierung des Thüringer Schulwesens

Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, als letzter Redner ist vieles schon gesagt worden. Trotzdem möchte ich eines wiederholen, denn ich glaube, es ist wichtig: Wir haben im Zuge dieser Corona-Pandemie erkannt, dass wir nicht irgendwie auf einem guten Weg bei der Digitalisierung in Schule sind, wir sind am Anfang. Das ist, glaube ich, die Lehre aus dieser Pandemie. (Beifall FDP) Ich denke auch, wir müssen aus dem, was bislang passiert ist, durchaus unsere Konsequenzen ziehen. Das heißt, wir müssen wesentlich konsequenter für die Ausstattung, für die technische Ausstattung unserer Schulen werben, im Digitalpakt ist wirklich viel Geld eingestellt. Wenn sich nicht mal 50 Schulen bislang auf den Weg gemacht haben, diese Mittel abzurufen, dann ist das eigentlich ein Armutszeugnis, so hat es Kollegin Rothe-Beinlich vor einigen Tagen in einem Interview gesagt, und dem kann ich mich nur anschließen. Meines Erachtens müssen wir genau schauen, warum das so ist. Wenn die Schulen mit der Erstellung von Konzepten, die Voraussetzung für die Beantragung sind, überfordert sind, dann müssen wir ihnen dabei helfen, dann müssen wir Handreichungen geben, müssen wir sie unterstützen, dann müssen wir dafür sorgen, dass diese Überforderung nicht dazu führt, dass die Mittel nicht abgerufen werden. Wenn es aber so ist, dass die Schulträger warum auch immer ein bisschen zurückhaltend agieren, dann müssen wir bei den Schulträgern werben und müssen sie ein wenig besser motivieren, sich hier auf den Weg zu machen und eine Digitalisierung zu unterstützen. Und ja, man kann unterschiedlicher Meinung sein, ob es bei der Verteilung der Mittel für Bedürftige einen Sozialindex geben kann oder nicht. Wenn man sich aber für einen Sozialindex bei der Mittelverteilung auf die unterschiedlichen Gebietskörperschaften einigen sollte, wenn man das möchte – und so ist ja die Strategie, wenn ich es richtig verstanden habe –, dann darf es nicht damit enden, dass man einen Sozialindex bei der Verteilung auf die Gebietskörperschaften anwendet, dann müssen auch die Schulen die entsprechende Handreichung bekommen und auch nach diesem Sozialindex die Geräte vergeben. Es kann nicht sein, dass die Kreise und die kreisfreien Städte das Geld nach Sozialindex zugeteilt bekommen, aber in der Schule dann völlig egal ist, wie man das Geld freihändig vergibt. Wenn man es so macht, dann kann man auch einfach nach Schülerzahl vorgehen, das Geld an die Kreise und die kreisfreien Städte verteilen, weil der Sozialindex konterkariert wird. (Zwischenruf Abg. Tischner, CDU: Wenn man es denn so machen würde, genau!) Ich weiß nicht, wie oft das vorkommt, Herr Tischner, aber dieses Mal sind wir uns scheinbar einig. Es geht aber gar nicht darum, dass wir einmalig die Mittel aus dem Digitalpakt abschöpfen und Geräte anschaffen, es geht uns auch darum, dass wir hier in eine Evaluierungsstrategie hineintreten und auch immer wieder schauen, was die notwendige Ausstattung ist; dass es kein Punkt ist, bei dem wir jetzt mit dem Auslauf der Digitalpaktmittel irgendwann mal ein Ziel erreicht haben, sondern das muss immer wieder nachjustiert werden, wir müssen immer wieder neu anschaffen. Ziel ist es tatsächlich, nachhaltig am Ende eine Grundausstattung für Lehrer und Schüler an allen Thüringer Schulen zu beschaffen. In diesem Zusammenhang würde mich mal interessieren, wie die AfD dazu kommt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Genuss von Süßgetränken und dem Vorhandensein digitaler Endgeräte gibt, das hätte ich gern mal mit einer Studie belegt. Ich bin hoch gespannt, wenn das kommt. Sollte man dann den Umkehrschluss finden, wir senken den Konsum von Süßgetränken, indem wir digitale Endgeräte in Schulen verbieten, dann erinnert mich das in seiner Logik an das China Mao Tse-tungs (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und wird insofern hier, glaube ich, denselben Weg gehen, nämlich den Weg auf den Müllhaufen der Geschichte. Es reicht aber nicht, wenn wir digitale Endgeräte anschaffen, wir müssen auch dazu kommen, Lehrer und Schüler bei diesem Kulturwechsel – und das wird einfach durch einen vermehrten digitalen Unterricht eintreten – zu unterstützen. Und ich habe zum Beispiel ungefähr ein halbes Dutzend Bilder aus unterschiedlichen Schulen geschickt bekommen, bei denen Lehrer unterschiedlicher Fachrichtungen, unterschiedlicher Klassenstufen die Aufgaben, die Textaufgaben auf ein Blatt Papier geschrieben haben, abfotografiert haben und dann das Foto über die E-Mail-Adressen an die Schüler versandt haben. Das spricht auf der einen Seite dafür, dass die Lehrer sich zu helfen wussten. Es zeigt aber auch, dass nicht verinnerlicht ist, dass man diese Texte vielleicht nicht mit der Hand schreiben muss, sondern gleich digital in ein Gerät eingeben könnte. Das wäre der Schritt, zu dem man offensichtlich noch nicht gekommen ist. Das bedeutet aber keinen Vorwurf an den Lehrer. Es bedeutet einfach, hier braucht es noch Schulung, hier braucht es intensive Aufklärung, hier braucht es einfach das Gefühl dafür, was man mit digitaler Infrastruktur leisten kann. Weitere Dinge möchte ich hier nur stichpunktartig anführen. Sie sind verschiedentlich schon erwähnt worden. Wir brauchen einen Niederschlag der Digitalisierung in der Bildung in allen Phasen der Lehrerausbildung, wir brauchen einen Zustand, in dem Lehrer vom ersten Tag an, also auch angehende Lehrer, mit Digitalunterricht vertraut gemacht werden. Dazu müssen wir die Lehrpläne umgestalten, sodass Digitalunterricht Normalität sein kann und wir jederzeit dazu übergehen können, sollte es zum Beispiel eine weitere Pandemie oder eine weitere Welle dieser Pandemie geben. Hier brauchen wir einen echten Entwicklungsschub. Ein Verharren im Althergebrachten führt uns da nicht weiter. Im letzten Punkt möchte ich darauf eingehen, dass wir natürlich auch den Schulbuchkatalog in Thüringen durchgehen müssen. Hier müssen digitale Lehr- und Lernmittel deutlich gefördert werden. Wir sollten auch all die Bücher und Lernmittel aussortieren, die sich in einer digitalen Gesellschaft nicht mehr weiter bewähren und die einfach nicht zeitgemäß sind. Vielen Dank. (Beifall DIE LINKE, SPD)

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