Babette Pfefferlein
e) auf Antrag der Fraktion der SPD zum Thema: „Familien und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen – Bedürfnisse von Thüringer Kindern, Jugendlichen und Familien in den Fokus politischer Entscheidungen rücken“
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Gäste, in den vergangenen Monaten hat die Corona-Krise unser aller Leben auf den Kopf gestellt. Die notwendigen Kontaktbeschränkungen haben uns wohl alle betroffen und hatten und haben in unserem Alltag großen Einfluss. So notwendig diese Einschränkungen waren und sind, so schwer sind sie an mancher Stelle auszuhalten. Besonders Familien waren und sind von den Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus betroffen. Aber Homeschooling und Homeoffice als Doppelbelastung für viele Eltern unter einen Hut zu bringen, dazu die Isolation, drohende und tatsächliche Einkommensverluste – auch das hat jede Menge Stress produziert. Derzeit können Familien wieder aufatmen. Der Alltag normalisiert sich stückchenweise. Besuche und Kontakte mit anderen sind wieder ein Stück weit mehr möglich. Dennoch sind in vielen Familien die wirtschaftlichen Einschränkungen noch nicht vorbei, werden die Folgen der Isolation womöglich noch immer als bedrückend empfunden. Es hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten noch deutlicher als sonst gezeigt: Obwohl Deutschland ein wirklich reiches Land ist, sind die Chancen total ungleich verteilt. Da erhält zum Beispiel die Lufthansa eine 9 Milliarden Euro schwere Finanzhilfe vom Staat. Das geht. Aber immer noch wächst jedes fünfte Kind in Armut auf – und das ist ein wirkliches Armutszeugnis für unser Land. Die Automobilkonzerne werden ins Kanzlerinnenamt geladen, die Kinderlobby nicht. Kinder und Familien müssen endlich in den Mittelpunkt unseres Handelns gerückt werden. Gerade nach diesen harten Wochen, in denen die häusliche Isolation in den Familien eine besondere Belastungssituation war, auf die wohl kaum jemand vorbereitet war. Wir wollen eine Familienförderung, die bei allen Kindern und ihren Familien ankommt und dafür sorgt, dass Kinder bekommen, was sie für ein gutes Aufwachsen brauchen. Für uns von Bündnis 90/Die Grünen ist Familie bunt und vielfältig – mit all den besonderen Lebenslagen von Alleinerziehenden, Regenbogenfamilien und Mehrkindfamilien. Überall dort müssen familienpolitische Leistungen schnell und unkompliziert ankommen. Dazu muss so einiges neu organisiert, unter veränderten Gesichtspunkten neu gedacht und bedacht werden. Dies erfordert unser aller politisches Engagement. Dafür setzen wir uns in Thüringen ein. Gerade in der Corona-Pandemie wurde klar: Die Einschränkung von Kindern und Jugendlichen ist viel größer, als wir uns vorstellen konnten. Das muss uns allen als politische Entscheidungsträger bewusst sein, die damit einhergehende Verantwortung darum auch. Wir leben heute in einer offenen Gesellschaft. Nicht tradierte Familienbilder, sondern Vielfalt und Veränderung prägen unseren Alltag. Familien sind so unterschiedlich wie die Menschen in ihnen. Aber sie brauchen mehr Unterstützung, eine zeitgemäße und der Situation angepasste Familienförderung. Wie wichtig das ist, dass jedes Kind das bekommt, was es für ein gutes Aufwachsen benötigt, müssen wir auch durch das Corona-Brennglas beurteilen. Wir brauchen jetzt viele Ideen, um Antworten und Handlungskonzepte für die jetzige Situation zu finden. Und wir brauchen natürlich die bewährten Konzept- und Fördermöglichkeiten, um auf den gesellschaftlichen, ökonomischen und demografischen Wandel zu reagieren. Auf Bundesebene hat unsere Bundestagsfraktion zum Beispiel schon lange eine Kindergrundsicherung vorgeschlagen, die nach Einkommen gestaffelt ist. Wenn auch derzeit besonders über die Rechte und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen geredet wird: Wir dürfen nicht vergessen, dass in einer guten Familienpolitik auch immer die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf mit guten, generationsübergreifenden Rahmenbedingungen einhergehen muss. Nur so können wir eine bedarfsgerechte soziale Infrastruktur aufbauen und die langjährig aufgebauten Strukturen in den Regionen weiter vorhalten. Dazu gehört unter anderem auch die auskömmliche Finanzierung von Frauenzentren ebenso wie von Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen, Familienzentren und der Seniorenbeauftragten. Ein gutes Miteinander und der Zusammenhalt der Generationen brauchen Mut, Ideen und die gute Zusammenarbeit von Trägerorganisationen und den Entscheidungsträgern vor Ort. Das haben wir in Thüringen bereits auf einen guten Weg gebracht. Aber wir sind auch noch nicht am Ende. Es gilt weiter, Antworten auf Fragen zum Zusammenleben der Generationen zu finden. Es gilt weiter, Politik für gute Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen für Familien zu machen. Wir Bündnisgrünen wollen, dass Beruf und Privatleben besser miteinander zu vereinbaren sind. Dann haben Familien Zeit miteinander. Familien leisten viel. Das ist zeitweise ganz schön anstrengend und kann manchmal sehr belastend sein. Deshalb brauchen wir Konzepte, die Familien entlasten. Das ist eine große Aufgabe und viel Verantwortung. Daran arbeiten wir gern zusammen mit allen demokratischen Fraktionen hier im Landtag. Vielen Dank.
(Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
