Thomas Hartung
Weitere Stärkung und Entwicklung der pädagogischen Arbeit an den Thüringer Regel-, Gemeinschafts- und Gesamtschulen
Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, Regelschulen, Gemeinschaftsschulen und Gesamtschulen bilden als Schularten der Sekundarstufe I das Herzstück des Thüringer Schulwesens. 60 Prozent aller Schüler besuchen die Klassenstufen 5 bis 10 in diesen Schularten. Regelschulen, Gemeinschaftsschulen und Gesamtschulen leisten aber auch den Löwenanteil an Integrations- und Inklusionsarbeit, sowohl bei Schülern mit und ohne Migrationshintergrund als auch bei Schülern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf. Wenn wir also die Situation an diesen Schulen analysieren, dürfen wir nicht nur immer auf die Regelschule schauen, wie das gern getan wird, sondern wir müssen auch die Gesamt- und die Gemeinschaftsschulen in den Blick nehmen, denn nur wenn wir sie gemeinsam schulartenübergreifend betrachten, wird uns auch klar, dass alle diese Schularten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Ich möchte das an drei Beispielen hier kurz aufführen. Erstes Beispiel ist der Personalmangel. Auch nachdem wir die Eingangsbesoldung auf die A13 analog zum Gymnasium angehoben haben, bleibt der Run der jungen Lehrer auf die Gymnasialstufe ungebrochen. Es bleibt bei dem großen Problem, Nachwuchs zu gewinnen. Da müssen wir nachschauen, wie wir diesen Strom an jungen Lehrern, wenn er denn mal einsetzt, besser dahin lenken, wo wir ihn brauchen. Das bedeutet, wir müssen uns endlich ernsthaft damit befassen, von der schulartspezifischen Ausbildung zur schulstufenspezifischen Ausbildung zu kommen. Zweites Beispiel: Die Regelschulen, die Gemeinschaftsschulen und die Gesamtschulen haben einen deutlich höheren Stundenausfall als die analogen Gymnasialstufen. Das hat zum einen mit dem eben geschilderten Personalnachwuchsproblem zu tun, zum anderen aber auch damit, dass viele dieser Schulen sehr klein sind, gerade Regelschulen sehr klein sind. Das bedeutet, mit wenigen Schülern ist das Personaltableau auf Kante genäht, und wenn einer der Lehrer mal krank wird – der Lehrkörper ist nun mal relativ überaltert –, fällt im Prinzip ein großer Teil der Unterrichtsstunden aus. Das bekommen wir immer wieder auch von den Lehrern, von den Eltern, von den Schülern zurückgespiegelt. Das bedeutet, hier müssen wir vermehrt auf Kooperation setzen. Dafür haben wir die Weichen in der letzten Legislaturperiode gestellt. Hier muss man vorankommen, wenn wir die kleinen Schulstandorte erhalten wollen und ihnen einen besseren Zugriff auf einen größeren Lehrerpool gewähren wollen. Ein letztes Beispiel ist die Notwendigkeit, die schulische Berufsorientierung und die Berufsvorbereitung zu verbessern. In den Schulen der drei genannten Schularten ist die Abbrecherquote immer noch viel zu hoch. Sie ist deutlich höher als beim Gymnasium. Wir müssen hier schulartübergreifend Lösungsansätze erarbeiten. Wir schlagen vor, dass wir beginnend mit dem Schuljahr 2021/2022 ein Landesprogramm „Erfolgreich zum Abschluss“ implementieren, um genau auf diesen Punkt einzugehen und hier eine geringere Abbrecherquote zu erreichen. Ich denke, an diesen Beispielen ist deutlich geworden, dass wir eine Vielzahl von Problemen schulartübergreifend betrachten und behandeln müssen. Ich freue mich auf die weitere Beratung im Fachausschuss. Vielen Dank.
(Beifall SPD)
