thueringer-landtag.de ↗

Thomas Hartung

SPD 14.05.2020 Sitzungen 7/13

Schnellere Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse im medizinischen Bereich

Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, es ist so ein bisschen wie „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Herr Zippel, ich weiß nicht, wie oft wir dieses Thema in den letzten zwei Jahren hier beraten haben. Und wissen Sie: Es ist für mich persönlich wirklich ein echtes persönliches Ärgernis, dass Sie damit recht haben, es immer wieder zu thematisieren. Wir haben ganz offensichtlich ein Problem, hier zügig in der Weise zu reagieren, wie es sein müsste. Ich möchte das mal an einem Beispiel von heute kurz erläutern. Das „Freie Wort“ schreibt heute einen Artikel über das Schneckentempo. Ich will das Schneckentempo hier gar nicht thematisieren, aber dann werden halt die Zahlen referiert, dass wir zu Beginn 2019 731 angehende Ärzte in der Warteschleife haben. Diese Zahl wäre mehr als halbiert worden, jetzt sind es nur noch 398 – also es ist nicht halbiert, es ist auch noch ein Rechenfehler drin –, und es sind also insgesamt 333 Fälle abgearbeitet worden, also im letzten Jahr 265 und in diesem Jahr bis März 81 Approbationen erteilt worden. Das wäre ja gut, aber wenn ich dann lese, dass im Jahr 2018 285 Approbationen erteilt worden sind – also 20 mehr als im Jahr 2019 –, dann frage ich mich, was denn passiert ist. Wir haben – ich habe es gerade erwähnt – x-mal darüber gesprochen, wir haben mehrfach Beschlüsse gefasst, wir haben uns tatsächlich dem Thema intensiv gewidmet. Aber ganz offensichtlich ist es eher so ein Wellental und wir müssen darüber reden, was wir noch tun können, um es zu beschleunigen. Herr Zippel, das erspare ich mir aber nicht, das haben wir auch früher schon immer mal gesagt: Wollen wir den Beruf attraktiver machen, müssen wir an die Bezahlung gehen, gerade bei den Pflegekräften. Bei den Ärzten ist das eine andere Geschichte, aber bei den Pflegekräften ist eine Frage der Attraktivität die Bezahlung. Man muss von einem ordentlichen Job in der Pflege, einem 40-Stunden-Job, gut leben können. Und wenn man keinen 40-Stunden-Job bekommt, weil der Träger mit 30Stunden-Stellen besser planen kann, muss man auch davon leben können. Das ist eine wichtige Bedingung, wenn wir tatsächlich erreichen wollen, dass Pflegekräfte in Thüringen generiert werden, wenn wir erreichen wollen, dass sie nicht abwandern. Das ist vielleicht sogar besser, als sie von irgendwo anders her zu beziehen in der derzeitigen Situation, in der Pflegekräfte und Ärzte in ganz Europa unter besonderen Belastungen stehen. Aber dass wir das thematisieren, finde ich richtig. Wir sollten das an den Sozialausschuss überweisen und sollten es auch dort immer weiter besprechen, so lange, bis das Thema kein Ärgernis mehr ist – nicht nur für mich, sondern auch für Sie. Vielen Dank. (Beifall SPD, FDP)

Alle Reden von Thomas Hartung Protokoll ↗