Marcus Malsch
Baurecht weiterentwickeln – Holzbau stärken
Werter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, der Holzbau bietet Antworten auf bezahlbares und klimafreundliches Wohnen. Er bietet Antworten auf nachhaltige Waldbewirtschaftung und auf Wertschöpfung im ländlichen Raum. Deshalb ist uns das Thema für Thüringen so wichtig. Ich denke, da liegen wir hier in dem Rund auch nicht weit auseinander, wenn wir das Bauen mit Holz vorantreiben wollen und so die Verarbeitung unserer heimischen nachwachsenden Rohstoffe zu einem Schwerpunktthema machen. Wir haben in unserem Wahlprogramm versprochen, den Holzbau nachhaltig zu stärken. Wir wollen das Bauen mit unserem heimischen Holz vorantreiben. Damit schaffen wir Arbeitsplätze im ländlichen Raum und leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Wertschöpfung in unserem Land. Mit dem Ihnen vorliegenden Antrag halten wir dieses Versprechen. Um die Potenziale für Holz als Baustoff für nachhaltiges und energieeffizientes Bauen zu erschließen, soll die Landesregierung die Thüringer Bauordnung novellieren. Wesentliche Maßgaben dabei sind, dass der Baustoff Holz mit konventionellen Baustoffen weitgehend gleichgestellt, die Bautätigkeit mit Holz attraktiver gestaltet und damit der Einsatz klimafreundlicher Baustoffe konsequent vorangetrieben wird. Werte Kolleginnen und Kollegen, Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, die CO -Emissionen im Ge2 bäudebereich erheblich zu reduzieren und bis 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. Da der Gebäudesektor für 30 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich ist, spielt er für die Erreichung der Klimaschutzziele eine entscheidende Rolle. Ein erheblicher Anteil der CO -Emissionen entsteht dabei 2 bereits bei der Herstellung der Gebäude und Baustoffe. Durch den verstärkten Einsatz von Holz im Bauwesen können nicht nur mehr als 2 Millionen Tonnen CO langfristig im Holz gespeichert werden, 2 sondern auch energieintensive Materialien wie Stahl und Beton ersetzt und damit die CO -Emis2 sionen im Bauwesen jährlich um 30 Millionen Tonnen gesenkt werden. Bezogen auf die derzeitige Bautätigkeit im Inland wäre bereits ein Drittel der jährlichen Holzernte ausreichend, um den Holzbedarf für das gesamte Neubauvolumen in Deutschland zu decken. Der flexible und zugleich leichte Baustoff Holz kann somit nicht nur einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz leisten, sondern vor allem in urbanen Gebieten durch Aufstockung dringend benötigten Wohnraum bereitstellen. Werte Kolleginnen und Kollegen, außerdem ist die Forst- und Holzwirtschaft wie kein anderer Wirtschaftszweig in der Lage, zur ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Aufwertung der ländlichen und der urbanen Räume beizutragen. Die Verarbeitung des heimischen Holzes aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stärkt regionale Wertschöpfungsketten, sichert Arbeitsplätze insbesondere im ländlichen Raum, befördert eine dezentrale Energieerzeugung und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Nachwachsende Rohstoffe sind vor dem Hintergrund des Klimaschutzes und der Ressourcenwende einer der Megatrends des Jahrhunderts. Andere Länder haben uns dies bereits vorgemacht: Österreich mit den bereits jetzt auch schon entstehenden Holzhochhäusern oder Bauten in der Schweiz mit der Baubuche aus Thüringen. Gerade Thüringen ist prädestiniert bei Holzverarbeitung und Holzbau, eine Vorreiterrolle einzunehmen, da wir ein waldreiches Bundesland sind und sowohl bauwillige als auch interessierte Architekten haben. Ich möchte hier auf eine Veranstaltung verweisen zu „100 Jahre Bauhaus“, die letztes Jahr im November war, wo der Landesbeirat Wald und Holz Thüringen eingeladen hat und musste 100 Leuten absagen, weil nur für 400 Architekten Platz war. Der damalige Staatssekretar Sühl war mit mir bei der Veranstaltung und konnte sich davon überzeugen. Von daher denke ich, dass das ein guter Start ist, den wir da auch machen können. Die Klimaschutzfunktion deutscher Wälder beruht auf zwei Säulen: der CO -Speicherfunktion im 2 wachsenden Holzvorrat und in der verarbeitenden Holzproduktion sowie auf dem Ersetzen von energieintensiven oder fossilen Materialien. Auf diese Weise entlastet die nachhaltige Waldbewirtschaftung die Atmosphäre jährlich um ca. 126 Millionen Tonnen CO . Würde man auf die Holznut2 zung verzichten, wäre der Klimaschutzeffekt nur durch Vorratsanreicherung im ungenutzten Wald deutlich geringer, der Substitutionseffekt entfällt. Werte Kolleginnen und Kollegen, neben seiner zentralen Rolle für die Steigerung des Klimaschutzes im Gebäudebereich zeichnet sich der Baustoff Holz ebenso durch seine enorme Flexibilität aus. Aufgrund seines geringen Gewichts und des hohen Vorfertigungsgrades eignet sich Holz hervorragend für Aufstockung und Nachverdichtung, Neubau und Sanierung. Die Potenziale eines verstärkten Einsatzes von Holz im Bauwesen in Deutschland sind bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Der Vorrat in den deutschen Wäldern wächst jährlich um über 120 Millionen Kubikmeter. Das entspricht 58 Millionen Tonnen oder 4.320 Holzhäusern pro Tag. All dies hat uns geleitet, Ihnen diesen Antrag vorzulegen und den Holzbauzug so früh aufs Gleis zu setzen. Ich werbe sehr dafür, dass wir hier fraktionsübergreifend eine Zustimmung zu unserem Antrag hinbekommen. Dann können tatsächlich die Fachleute in der Landesregierung anfangen, sich die nötigen Gedanken zu machen. Es stünde Thüringen als waldreiches Grünes Herz Deutschlands gar nicht so schlecht zu Gesicht, wenn wir auf diese Weise eine der modernsten Landesbauordnungen bekommen würden. Werte Kolleginnen und Kollegen, Wissenschaft, Praxis und Politik sollten gemeinsam daran arbeiten, Thüringen zu einem zentralen Stützpunkt der Bioökonomie mit Holz zu entwickeln. Die enormen Potenziale zur langfristigen CO -Bindung, die der 2 Holzbau mit sich bringt, sollten wir maximal nutzen und da sage ich auch gleich, wir sollten das Rad nicht neu erfinden, sondern sollten die Player, die es jetzt schon in Thüringen gibt, einbeziehen. Ich nenne da mal die Fachhochschule Erfurt, den Landesbeirat Wald und Holz Thüringen, weil die die Grundlage haben, die haben das Netzwerk und vielleicht sogar die Möglichkeit für ein Innovationszentrum, was wir in Thüringen ansiedeln können. Ich sehe da unseren Antrag auch nur als Anfang. Denn Ziel muss es sein, weitere Initiativen damit zu verbinden, um die Wertschöpfungskette, welche durch das Selbstverständnis der Thüringer wachsen kann, dort auch anzufangen. Nicht nur die Bauordnung muss einen besseren Rahmen für das Bauen mit Holz setzen, wir brauchen auch weitere begleitende Maßnahmen. So kann es zum Beispiel nicht sein, dass die holzverarbeitende Industrie, unsere Sägewerke hier in Thüringen von der Wirtschaftsförderung ausgeschlossen sind. Wir brauchen deren Kapazität hier bei uns im Land. Und auch die weiteren energetischen Sektoren müssen wir hier berücksichtigen, auch das Thema „Heizen mit Holz“, gerade in den strukturschwachen Gebieten, wo also die Gasversorgung nicht vollständig ausgebaut ist, dass wir da Alternativen schaffen, und da bietet sich Holz sehr gut an und, denke ich, kann das auch gut ergänzen, was unser Antrag heute auslösen soll. Vielen Dank.
(Beifall CDU, AfD)
