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Olaf Müller

GRÜNE 29.01.2020 Sitzungen 7/4

d) Aktuelle Stunde auf Antrag der Fraktion der SPD zum Thema: „Nationale Demenzstrategie – Initiativen Thüringens im Bereich der Pflege und der Unterstützung pflegender Angehöriger“

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Damen und Herren, liebe Abgeordnetenkollegen, liebe Gäste, gute Pflege muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden. Pflegebedürftige Menschen und pflegende Angehörige verdienen unseren besonderen Respekt und unsere besondere Unterstützung. Die Zahl der Demenzkranken nimmt in Deutschland kontinuierlich zu. Derzeit leben nach Angabe der Deutschen Alzheimer Gesellschaft rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz in der Bundesrepublik und alljährlich treten rund 300.000 Neuerkrankungen hinzu. Mehr als die Hälfte der pflegebedürftigen Demenzkranken lebt zu Hause. Je stärker die Demenz fortschreitet, desto umfassender benötigen Kranke Betreuung und Pflege. Wir alle kennen sicher im Freundes- und Verwandtenkreis Erkrankte und kennen ihre Angehörigen, deren Sorgen und Nöte. Diese tückische Erkrankung schleicht sich an und macht nach und nach alles schwerer – mehr Verantwortung, mehr Belastung, mehr Einschränkung im Alltag. Dazu kommt die emotionale Bürde der Situation. Leben mit einem an Demenz erkrankten Familienangehörigen oder Freund bedeutet ein langes und schmerzvolles Abschiednehmen von einem vertrauten Menschen. Aufgaben und Verantwortlichkeiten müssen geregelt werden. Oft kommen finanzielle Probleme hinzu. Pflegende Angehörige brauchen Beratung und Beistand. In Thüringen gibt es schon ein gutes Angebot. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, die Krankenkassen, die Verbraucherzentralen und Selbsthilfegruppen beraten zu Leistungen und Pflegeversicherung. Es gibt lokale Beratungsstellen, ambulante Dienste, Tageseinrichtungen und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Aber wie das immer so ist im Dschungel mehrerer Angebote, braucht es einen guten Kompass, um möglichst schnell die richtigen und die hilfreichen Wege und Pfade für Kranke und Pflegende zu finden. Die sogenannte Nationale Demenzstrategie soll die Strukturen zur gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Demenz, die Unterstützung von Angehörigen, die Weiterentwicklung der medizinischen und pflegerischen Verantwortung und die Förderung der Grundlagen- und Anwendungsforschung zu Demenz untersuchen und verbessern. Unabhängig davon aber stehen in Thüringen viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen täglich vor großen Herausforderungen im städtischen wie im ländlichen Raum. Professionelle Unterstützung, Beratung, Diagnostik, medizinische und pflegerische Begleitung und auch das bürgerschaftliche Engagement müssen als Gesamtkomplex wahrgenommen werden. Und hier findet das Thema der heutigen Aktuellen Stunde der SPD seinen Niederschlag, denn die bestehenden und geplanten Thüringer Initiativen zur Verbesserung der Pflege von Menschen und zur Unterstützung pflegender Angehöriger sind unentbehrlich. Ernst zu nehmende Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl der pflegebedürftigen Menschen bis zum Jahr 2035 insgesamt um 50 Prozent steigt. In Thüringen werden 2035 voraussichtlich von zehn Personen vier älter als 60 sein. In diesem Zusammenhang ist die Erarbeitung eigener Thüringer Konzepte und Unterstützungsangebote unumgänglich und darf nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden. Insbesondere Angebote für eine gute wohnortnahe Pflege sollen auch unter gesundheitsförderlichen Aspekten weiterentwickelt und entsprechend finanziert werden. Pflegebedürftige und pflegende Angehörige sollen insbesondere im ländlichen Raum über das Landesprogramm Solidarisches Zusammenleben der Generationen Entlastung, Unterstützung durch niedrigschwellige Angebote erhalten und Betreuungs- und Unterstützungsangebote nutzen können, die auf präventive Gesundheitsförderung orientiert sind. Für den Ausbau und die Sicherung der ambulanten Versorgung der Kurzzeitpflege und die regionalen Beratungsund Netzwerkstrukturen brauchen wir ein Landesnetzwerk zur Pflegeprävention. Wir wollen die Einführung einer freiwilligen Berufsvereinigung für die, die in der Pflege arbeiten. Um den Herausforderungen der kommenden Überalterung der Bevölkerung zu begegnen, bedarf es gut abgestimmter Konzepte und der Zusammenarbeit aller Akteurinnen und Akteure auf Landes- und Kommunalebene, für die ich an dieser Stelle werben möchte. Vielen Dank. (Beifall DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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