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Uta Wentzel

CDU 07.10.2026 Sitzungen 20/129

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ein schwerer Cyberangriff ist nicht dann vorbei, nur weil die Systeme wieder laufen. Wenn Server wieder erreichbar sind, Daten hoffentlich wieder hergestellt werden konnten und der unmittelbare Schaden begrenzt wurde, beginnt eine zweite, ebenso wichtige Aufgabe. Wir müssen verstehen, warum der Angriff erfolgreich war und was wir daraus für die Zukunft lernen, um unsere Systeme besser zu schützen. Genau darum geht es in unserem gemeinsamen Antrag. Denn die Bedrohung durch Cybercrime in Deutschland bleibt auf hohem Niveau. Deutschland zählt als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt weiterhin zu den wichtigsten Angriffszielen im Cyberraum. Besonders schwere Cyberdelikte sowie Angriffe auf Unternehmen, Behörden und kritische Infrastruktur nehmen weiter zu. Das geschätzte Schadensvolumen für die deutsche Wirtschaft liegt laut des Bundeskriminalamtes bei 202,4 Milliarden Euro jährlich und entspricht damit rund 4,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Bitkom addierte in der Wirtschaftsschutzstudie 2025 analoge Schäden hinzu und kommt sogar auf ein Schadensvolumen von 289,2 Milliarden Euro. Das deutsche Cybercrime-Lagebild 2025 erreichte ein neues Rekordniveau. 2025 wurden rund 335.000 Fälle von Cybercrime im engeren Sinne registriert. Etwa zwei Drittel der Taten wurden aus dem Ausland oder von unbekannten Tatorten aus begangen. Die tatsächliche Bedrohung dürfte allerdings aufgrund eines erheblichen Dunkelfeldes deutlich höher liegen. KI senkt die Einstiegshürden für Täter dramatisch. Die meisten Angriffe kommen weiterhin aus Russland und China. Es gilt also, unser Land besser gegen diese Angriffe zu schützen und Schaden von unserer Volkswirtschaft abzuwenden. Deutschland verfügt bereits über starke Strukturen der Cybersicherheit: das BSI, CERT-Bund, das Nationale Cyber-Abwehrzentrum, Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden und die entsprechenden Strukturen der Länder. Auch Schleswig-Holstein stärkt seine Resilienz konsequent mit dem IT-Sicherheitsschirm und dem Ausbau von CERT-Nord zum CSIRT und zu einer noch engeren Zusammenarbeit mit dem BSI. Aber diese Strukturen haben vor allem die Aufgaben, Gefahren zu erkennen, Angriffe abzuwehren, Schäden zu begrenzen und Täter zu verfolgen. Eine andere Frage stand bislang nicht genug im Fokus: Wie werten wir besonders schwerwiegende Cybervorfälle unabhängig und systematisch aus? Wie identifizieren wir nicht nur die konkrete Schwachstelle, sondern auch strukturelle Ursachen und Wirkungszusammenhänge, und wie sorgen wir vor allem dafür, dass die daraus gewonnenen Erkenntnisse allen zugutekommen? Andere sicherheitsrelevante Bereiche zeigen uns seit Langem, welchen Wert eine solche Lernkultur hat.

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