Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Sehr geehrte Damen und Herren! „Connecting Horizons“, unter diesem Motto, wollte sich die CAU Kiel als Zentrum für die Forschung im Ostseeraum für den Titel der Exzellenzuniversität bewerben. Es waren niederschmetternde Augenblicke für alle Beteiligten, als am 2. Oktober 2026 die CAU Kiel nicht als eine der fünf vom Wissenschaftsrat neu ernannten Exzellenzuniversitäten genannt wurde. Das innovative Konzept der CAU konnte auch diesmal nicht gegen die Past Performance und die internationale Sichtbarkeit der anderen Bewerber überzeugen; denn der Wissenschaftsrat gewichtet die Past Performance und die internationale Sichtbarkeit besonders hoch. (Jette Waldinger-Thiering) Viele Hoffnungen und Träume zerplatzten in diesen Minuten. Viele Millionen Fördermittel, also Drittmittel, sind der Universität am Freitag wieder durch die Lappen gegangen. So viele Menschen haben seit Jahren auf diesen Moment hingearbeitet. Allein die Bewerbung für das Exzellenzprofil ist eine enorm große Leistung, die angemessen gewürdigt werden muss. Deshalb möchte ich an dieser Stelle einen ganz großen Dank an die Menschen aussprechen, die mit größter Motivation, Enthusiasmus und Leistungsbereitschaft jahrelang an der Bewerbung gearbeitet haben, und dies in den letzten zwei Jahren ohne einen Präsidenten oder eine Präsidentin an der Spitze. Herzlichen Dank dafür! (Beifall SSW und SPD) Sie alle haben Großartiges geleistet, und ich hätte mir wirklich gewünscht, dass es diesmal klappen würde. Es muss jetzt dringend herausgearbeitet werden, was am Ende gefehlt hat und wie man es für die Zukunft besser machen kann. Die Bewerbung der CAU unter den aktuellen finanziellen und strukturellen Bedingungen war ein wahrer Kraftakt, aber es hätte sich gelohnt. 15 Millionen jährlich hätte die Exzellenzbenennung über sieben Jahre gesichert. Diese Drittmittelfinanzierung hätte die CAU erheblich gestärkt. Letztendlich war es die einzige Chance. Die CAU hat ihre gesamte wissenschaftliche Kompetenz eingesetzt, um eine Chance auf finanzielle Stärkung zu bekommen, die sie vom Land Schleswig-Holstein nicht bekommt. Wie soll die CAU mit Past Performance und in internationaler Sichtbarkeit glänzen, wenn keine Professoren und Lehrkräfte eingestellt werden können, wenn man keine Sichtbarkeit bieten kann und ganze Hochschulgebäude marode sind? Die CAU hat alles versucht, um sich selbst aus der Misere zu ziehen. Es hat leider nicht funktioniert. Jetzt ist das Land und somit die Landesregierung in der Verantwortung, unsere einzige Volluniversität in Schleswig-Holstein wieder auf Kurs zu bringen und konkurrenzfähig zu machen. Wir haben bereits im März dieses Jahres über die neuen Zielund Leistungsvereinbarungen zwischen den Hochschulen und der Landesregierung gesprochen. Das Ergebnis dieser Vereinbarungen waren die Wiederbesetzungssperren, denn für die CAU und für die EUF ist die aktuelle Finanzierung nicht auskömmlich. Das ist ein wirkliches Desaster. Ich möchte auch heute noch einmal auf diese Schieflage hinweisen. Auch wenn alle Hochschulen in der damaligen Anhörung zu den Ziel- und Leistungsvereinbarungen in ihren Stellungnahmen einheitlich Verständnis für die Notwendigkeit zu Einsparungen äußerten und Dankbarkeit für die Planungssicherheit ausdrückten, so haben alle Hochschulen darauf hingewiesen, dass ihre Rücklagen knapp werden beziehungsweise aufgebraucht sind. Sie fahren durch eine Unterfinanzierung am finanziellen Limit. Aber warum kommen die Hochschulen mit den bereitgestellten Mitteln nicht aus? Das mag man sich fragen. Eine Antwort darauf ist auf alle Fälle, dass selbst wenn die Landes- und Bundesmittel gleich hoch bleiben, die Lohn- und Betriebskosten der Hochschulen enorm gestiegen sind. Besonders an der CAU schlucken die baufälligen Gebäude hohe Summen an Heiz- und Instandhaltungskosten. Die zusätzlichen Lohnkosten durch Tarifsteigerungen werden zwar vom Land bis 2029 gedeckt, doch die Kosten für die gestiegenen Betriebskosten müssen von der Hochschule selbst übernommen werden. Wenn dann im Haushalt nicht genug für Personal übrig ist, darf man kein Personal mehr einstellen. Deshalb ist der Schritt zu einer Wiederbesetzungssperre an den Hochschulen nachvollziehbar. Es ist wünschenswert, dass die Hochschulen versuchen, von allen Seiten Drittmittel einzuwerben, aber dafür müssen die Hochschulen mit Erfolgen und guten Rahmenbedingungen in Vorleistung gehen. Eine Wiederbesetzungssperre ist keine gute Voraussetzung für Drittmittelfinanzierung. Dass die CAU alles versucht hat, um mehr Drittmittel einzuwerben, sieht man an der Exzellenzbewerbung, aber um dabei erfolgreich und konkurrenzfähig zu sein, muss eine Hochschule vernünftige Infrastruktur und Rahmenbedingungen vorweisen. Hier ist viel Talent und Kreativität gefragt, um im Werben um Drittmittel mithalten zu können. Wie gravierend die finanzielle Not an den Hochschulen ist, sieht man an der Haltung zum Thema Verwaltungsbeitrag. Die Hochschulen erheben diesen Beitrag nicht gerne und auch nicht, um einen besseren Service bieten zu können, sondern um irgendwie die Löcher in der Grundfinanzierung zu stopfen. Auch das steigert nicht die Attraktivität der CAU. (Beifall SSW, SPD und FDP) Der Universitätsstandort Kiel muss attraktiver werden. Das geht nicht, ohne Geld in die Hand zu nehmen. Die Hochschulen, besonders die CAU, müssen vielen Ansprüchen an Vielfalt und Qualität des Lehrangebots gerecht werden. Egal, wo sie ver- (Jette Waldinger-Thiering) suchen zu sparen: Die Universität wird als Standort an Attraktivität verlieren. Wollen wir das? Diese Frage müssen wir uns gefallen lassen. Kann das Land Schleswig-Holstein verantworten, dass sich die Hochschulen selbst kaputtsparen? Ich glaube, die Antwort ist zumindest vonseiten der Opposition: nein. Wo wir das Geld hernehmen wollen? Wenn der Wissenschaftsrat jetzt mit den Fakten kommt, weshalb unsere CAU gescheitert ist, müssen wir diese endlich ernst nehmen. Gemeinsam mit unseren Hochschulstandorten in ganz Schleswig-Holstein müssen wir diese Dinge aufarbeiten. Wir brauchen eine sichtbare Forschung; wir brauchen eine viel deutlichere Vernetzung auch im Ostseeraum. Das wäre in der Situation, in der wir uns befinden, ganz wichtig. Wir haben eine gute Zusammenarbeit. Vielleicht gelingt es der CAU mit dem Campus in Lübeck gemeinsam, eine Exzellenzuniversität zu werden. Insofern bin ich gespannt auf die Beratungen im Ausschuss. – Vielen Dank für die Aktuelle Stunde und für das Zuhören. (Beifall SSW, SPD und FDP)
