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Jette Waldinger-Thiering

SSW 18.09.2026 Sitzungen 20/128

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Nach den verheerenden Ergebnissen der aktuellen PISA-Studie ist es jetzt wirklich an der Zeit, nachhaltige und effektive Maßnahmen zu ergreifen, die vor allem zur Chancengleichheit in der Bildung in Schleswig-Holstein führen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass wir in den ländlichen Gebieten wie an der Westküste eine ausgewogene Verteilung von Schulangeboten und Abschlussmöglichkeiten für alle Schülerinnen und Schüler möglich machen. Alle Schülerinnen und Schüler müssen die gleichen Möglichkeiten und Chancen erhalten, ihren gewünschten Schulabschluss oder ihre gewünschte berufliche Ausbildung abzuschließen. Es wurden in den letzten Jahrzehnten bereits viele Grundschulen an der Westküste geschlossen oder zusammengelegt. Auch zu den Gymnasien oder Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe ist der Weg oft weit. Deshalb kann es dazu führen, dass der Wohnort den Bildungsweg vorgibt und es somit keine Chancengleichheit gibt. Im Alternativantrag der Koalition wird allerdings behauptet, dass die aktuelle Schulentwicklung zur Chancengleichheit beiträgt. Die Maßnahmen wie zum Beispiel die Abordnung Plus, Anwärtersonderzuschlag oder der Masterplan Berufliche Bildung werden im Antrag aufgezählt. Das sind aber alle keine Maßnahmen, die etwas an der Tatsache ändern, dass viele Schülerinnen und Schüler besonders nach der 4. Klasse lange Schulwege haben und ihre regionale Gemeinschaft früh verlassen müssen. In den ländlichen Regionen besteht oft eine starke regionale Bindung. Deshalb überlegen sich die Familien genau, ob sich der lange Weg zu einem Gymnasium oder einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufe wirklich lohnt oder man sich einfach für die nächstliegende Gemeinschaftsschule ohne Oberstufe entscheidet. (Jette Waldinger-Thiering) In der Anhörung zu den Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufen wurde noch einmal deutlich beschrieben, dass trotz der Kooperationsvereinbarung zwischen den Gemeinschaftsschulen mit und ohne Oberstufen die Barrieren zum Abitur auf der Gemeinschaftsschule ohne Oberstufe deutlich höher sind als auf den Schulen mit Oberstufe. Die deutschen Ergebnisse der PISA-Studie haben erneut gezeigt, dass der Bildungserfolg in unserem Land noch immer viel zu stark von der sozialen Herkunft abhängt. Deshalb dürfen wir die Chancenungleichheit nicht noch verstärken. (Beifall SSW, SPD und FDP) Wenn man die von der Koalition aufgezählten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt bekommt, sie fruchten und es dann gelingt, ausreichend Lehrkräfte an die Westküste zu holen, dann sorgen Sie doch auch dafür, dass die kleinen Grundschulen in den Dörfern erhalten bleiben. Denn gerade die kleinen Schulen in den Dörfern sind mehr als nur Lehreinrichtungen. Sie sind oft ein Dorfmittelpunkt, und sie sind eng mit den lokalen Sport- und Kulturvereinen verknüpft und somit ein wichtiger Bestandteil der Dorfgemeinschaft. Außerdem müssen die Ressourcen genutzt werden, um an weiteren Gemeinschaftsschulen Oberstufen zu etablieren, auch wenn es nur kleine Oberstufen sein werden. Ich nehme Sie beim Wort, liebe Koalition: Holen Sie die Lehrkräfte an die Westküste, und gestalten Sie die Schulstandorte in Dithmarschen und Nordfriesland bildungsgerecht. Ich muss auch sagen, es hat sich tatsächlich seit Juni nichts verändert zum Thema Chancengleichheit an der Westküste, was Bildung betrifft. Ich finde es spannend, wenn wir vormittags über Betriebe, die in Insolvenz gehen und darüber, dass uns die Fachkräfte fehlen, sprechen. Dann haben wir eine ganze Region in Schleswig-Holstein, wo die Chancenungleichheit und der Abstand viel zu groß sind, um einen höheren Bildungsabschluss zu machen. Dass es immer noch nicht geändert worden ist, finde ich wirklich nicht gut. Wenn dann die Koalition da steht und sagt: „Na ja, mein Gott, es ist doch alles in trockenen Tüchern, alles ist gut, alles ist safe!“, man sich aber die Berichte von den letzten vielen Jahren anguckt und sich nichts geändert hat, dann weiß ich nicht, wieso Sie an ihrer Behauptung immer wieder festhalten. Denn wir wissen alle: Die Fachkräfte von morgen brauchen einen guten, auch einen höheren Bildungsabschluss, damit sie den Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt gerecht werden können. Den müssen sie vor Ort machen können. Wenn ich dann in einer Pressemitteilung noch lese: „Na ja, die Schulträger selber vor Ort können ja entscheiden, ob sie eine Oberstufe einrichten wollen“, dann, finde ich, könnten die Koalition und das Ministerium eine Handreichung dazu herausgeben, damit es dann vielleicht mehr kleine Oberstufen gibt. Das würde den Kindern sehr zugutekommen und auch gerecht sein. (Beifall SSW, SPD und FDP)

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