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Bina Braun

GRÜNE 17.09.2026 Sitzungen 20/127

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Die Grundidee von „Wohnen für Hilfe“ ist sympathisch und sinnvoll. Manche Familien oder ältere Menschen haben Platz und wünschen sich Unterstützung oder Gesellschaft, und Studierende suchen bezahlbaren Wohnraum. Wenn das zusammenpasst, ist es eine Win-win-Situation. Die entscheidende Frage heute ist aber nicht, ob wir die Idee an sich gut finden, sondern ob es dafür eine neue landesweite Plattform und ebenfalls landesweit zusätzliche regionale Vermittlungsstrukturen braucht. Diese Frage müssen wir uns angesichts der gegenwärtigen schwierigen Haushaltslage umso mehr stellen. Davon bin ich tatsächlich nicht überzeugt. Zunächst stelle ich fest, dass es so ein Angebot in Schleswig-Holstein längst gibt. Das Studentenwerk Schleswig-Holstein vermittelt solche Wohnen-fürHilfe-Partnerschaften in Kiel und Umgebung bereits seit 2012. Es stellt nicht nur ein Portal bereit, sondern die Projektleitung besucht Wohnraumanbietende vor Ort, führt Interessierte anhand von Fragebögen zusammen, bietet an, das Kennenlernen zu begleiten, unterstützt beim Wohnen Partnerschaftsabkommen und bleibt auch bei späteren Fragen oder Problemen Ansprechpartnerin. Das Studentenwerk unterhält zu dem Angebot einen sehr gut gestalteten Internetauftritt und wirbt auch regelmäßig zum Semesterstart noch einmal für „Wohnen für Hilfe“. Trotz dieser Bemühungen ist das konkrete Angebot überschaubar geblieben. Auf der Internetseite des Studentenwerks finden sich unter „Wohnen für Hilfe“ aktuell sechs konkrete Zimmerangebote. Im vergangenen Wintersemester wurden seit Semesterbeginn rund 30 Wohnpartnerschaften vermittelt. Insgesamt waren es in den vergangenen 14 Jahren mehrere hundert. Das ist gut, aber die Größenordnung macht deutlich: „Wohnen für Hilfe“ ist ein kleinerer Baustein, aber keine tragende Säule der Wohnraumversorgung und schon gar nicht landesweit, denn diese Angebote sind in erster Linie für Studierende interessant und damit hauptsächlich in unseren Universitätsstädten. (Martin Habersaat [SPD]: Warum denn nicht für Azubis?) (Bina Braun) Für mich deutet das stark darauf hin, dass der Aufbau einer weiteren digitalen Vermittlungsplattform nur sehr begrenzt hilfreich wäre. Das Land hat das bestehende Angebot finanziell mit aufgebaut. Bis 2024 erhielt das Studentenwerk für „Wohnen für Hilfe“ einen eigenen Zuschuss von 25.000 Euro pro Jahr. Auch wenn dieser Zuschuss mit dem Haushalt 2025 im Zuge der Konsolidierung gestrichen werden musste, unterstützen wir das Studierendenwerk natürlich weiterhin in vielen Bereichen und bauen diese Unterstützung sogar noch weiter aus. Der Zuschuss für soziale Maßnahmen wurde erst 2026 um gut 1 Million Euro auf rund 4,9 Millionen Euro erhöht und wird im Haushaltsentwurf 2027 in dieser Höhe fortgeführt. Dazu kommen jährlich 750.000 Euro für zusätzliche Planungskapazitäten für Wohnheime und 800.000 Euro zur Stärkung des Eigenkapitals, damit das Studierendenwerk Fördermittel aus dem Programm „Junges Wohnen“ in Anspruch nehmen kann. Neu im Haushaltsentwurf 2027 sind insgesamt 10 Millionen Euro direkte Investitionszuschüsse für den Ausbau studentischen Wohnraums für 2027 und die folgenden Jahre. Das ist bestens investiertes Geld. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das Deutsche Studierendenwerk selbst ordnet „Wohnen für Hilfe“ ausdrücklich nur als Ergänzungsangebot ein und betont, dass vor allem mehr Wohnheimplätze gebraucht werden. Das ist für uns in Schleswig-Holstein besonders relevant. Ich habe ein bisschen andere Zahlen als der Kollege Hölck, aber sie liegen im gleichen Bereich. Die Versorgungsquote mit öffentlich geförderten Studierendenwohnplätzen lag 2025 bei 6,7 Prozent. Bundesweit waren es 10,1 Prozent. Dementsprechend legen wir unseren Schwerpunkt genau richtig auf die Schaffung zusätzlicher Plätze. Mit dem geplanten Azubiwerk werden wir künftig endlich auch Auszubildende strukturell bei der Findung von Wohnraum unterstützen. Für diese Zielgruppe scheint mir der Ansatz von „Wohnen für Hilfe“ etwas weniger passend. (Martin Habersaat [SPD]: Weil?) Ausbildungen erfolgen zum größten Teil in Vollzeit und sind an feste Arbeitszeiten gebunden. Im Gegensatz zu Studierenden haben Azubis kaum die Möglichkeit zur freien Zeiteinteilung und können nicht nebenher noch jobben und daher vielleicht auch nur begrenzt Hilfe leisten. Mit den beschriebenen Maßnahmen tun wir als Land alles derzeit Mögliche, um für junge Menschen mehr Wohnraummöglichkeiten zu schaffen. Wir setzen haushalterisch bereits genau die richtigen Schwerpunkte und haben für weniger effektive Maßnahmen mit geringerer Reichweite im Moment einfach nicht die Mittel. Daher lehnen wir Ihren Antrag heute ab. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

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