Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wie meine Kollegin Sybilla Nitsch gerade festgestellt hat, bin ich ohne mein Manuskript losgegangen und habe mir den Antrag der FDP-Fraktion mitgenommen. Da steht unter dem ersten Punkt: „… LeA.SH umfassend wissenschaftlich evaluieren zu lassen und dabei zu untersuchen, ob die Erhebungen der Lernentwicklung der Schülerinnen und Schüler verbessert werden konnten;“ Jeder von uns hier in diesem Hohen Hause, der zur Schule gegangen ist – ich habe immer gesagt, du musst immer dem Pädagogen dankbar sein, denn der- oder diejenige hat dir das Lesen beigebracht –, weiß: Das ist super wichtig. – Das ist genau das, was Anne Riecke in ihrer Rede gesagt hat. Keiner von uns hat etwas gegen LeA.SH. Jetzt spreche ich kurz als farmor, als Großmutter von drei Enkelkindern, deren mittleres letztes Jahr in der 1. Klasse, kurz nachdem es angefangen hatte, LeA.SH machen sollte. Meinem mittleren Enkelkind ist sehr bewusst, was sie machen möchte und was sie nicht machen möchte. Da hat sie nämlich diesen Test nicht wirklich gut ausgefüllt, weil sie gesagt hat: Ich habe ein paar Klassenkameraden, die können das noch gar nicht. Man kommt in die 1. Klasse und soll unter anderem Silben erkennen, man soll vielleicht schon einige Wörter lesen können, man soll vielleicht auch noch Mengenlehre machen, Zahlen erleben. Wir wissen alle, wie schwierig es für viele Kinder ist, in die 1. Klasse zu kommen, in den ersten acht Wochen, die Schule vielleicht gerade kennenzulernen, keine vernünftige Zusammenarbeit mit der Kita, mit der Vorschule und der Grundschule gehabt zu haben. Ich könnte dabei bleiben. Insofern habe ich natürlich zu meinem Enkelkind Nummer zwei gesagt: „So macht man das nicht!“, und sie hat gesagt: „Doch, weil ich möchte, dass keiner von uns ausgegrenzt wird und wir gemeinsam am Unterricht festhalten können.“ – Das finde ich bemerkenswert für ein Kind, das sechs Jahre alt ist. Ich will damit sagen, dass die Abgeordnete Anne Riecke recht hat mit ihrem Antrag. (Jette Waldinger-Thiering) (Beifall Sybilla Nitsch [SSW], Dr. Bernd Buchholz [FDP] und Anne Riecke [FDP]) Denn wozu erheben wir Daten, wenn sie nicht zeitgleich evaluiert und mit zusätzlichen Ressourcen unterlegt werden? Das ist doch genau die Herausforderung, die wir in unserem Bildungssystem haben. Wir haben gestern in einer Aktuellen Stunde zu den PISA-Ergebnissen gesprochen. Das ist doch genau das: Wie und wann kann sich Schule tatsächlich einsetzen und etwas für die Kinder tun – denn die müssten ja jetzt im Mittelpunkt stehen? Schülerinnen und Schüler müssen im Mittelpunkt stehen, damit sie genau die Hilfe kriegen, damit sie in ihren Leistungen gestärkt und gefördert werden. Etwas anderes wollte eigentlich der FDP-Antrag gar nicht aussagen. Was ich auch noch bei all den Testungen sagen möchte – wir haben ja gestern eine wunderbare Debatte zu PISA geführt, wenn man sich alle anderen Länder anguckt – ich habe gestern Abend von meiner dänischen Lehrergewerkschaft eine ganz lange Mail gekriegt, in der steht, was jetzt in Dänemark alles anders gemacht wird –: Hut ab. Ganz wichtig ist Vertiefung für die Schülerinnen und Schüler, weniger Unterrichtsverpflichtung für die Lehrkräfte und zusätzliche Möglichkeiten, damit sie das nachbehandeln und vorbereiten können. Wir haben hier gestern noch nicht darüber geredet, dass wir guten Unterricht benötigen, der bei den Kindern ankommt, und die Fortbildung für die Lehrkräfte, damit sie genau diesen neuen Herausforderungen gewachsen sind. Insofern sehe ich gar nicht die Herausforderung in diesem FDP-Antrag, dass man das nicht verstehen kann. Ich finde den Antrag wichtig. Vor allen Dingen wird ja in der 5. Klasse wieder getestet, und da gilt eigentlich fast das Gleiche, das hat Martin Habersaat schon gesagt: Man wechselt von der Grundschule in die weiterführende Schule. Die ganze Zeit vergessen wir: Welchen Effekt hat das eigentlich für die Vorschule, die Kita, die abliefert? Welchen Effekt hat es auf die Grundschulen, die abliefern, auf die weiterführenden Schulen, Zweck: Zusammenarbeit, Ausweitung des Nutzerkreises, damit man von diesen Daten auch profitieren kann? (Beifall SSW, SPD und FDP)
