Dr. Bernd Buchholz
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Landesregierungen bemühen sich seit Jahren darum, die Situation von Auszubildenden in Schleswig-Holstein zu verbessern, mehr für Ausbildende und Ausbildung zu tun. Das stigmatisierte Thema „Alle müssen Abitur machen und dann studieren“ wegzunehmen und zu sagen: Leute, eine Ausbildung ist super. Das ist nicht unerfolgreich. Die Anzahl der Auszubildenden in diesem Jahr zeigt, dass sich da gerade in Richtung duale Ausbildung etwas positiv entwickelt. Deshalb ist es vordergründig total toll, wenn man versucht, für Auszubildende mehr zu tun, aber es ist eben auch irgendwie schade, wenn man strukturell an den Bedürfnissen dieser Leute vorbeigeht, (Beifall FDP) weil die Unterschiede zwischen dem, was ein Studentenwerk und ein Azubiwerk ausmacht, nicht so richtig verstanden werden. Bei all den Überlegungen – solange die berufliche Bildung, Frau Ministerin, noch sinnvollerweise im Wirtschaftsministerium angesiedelt war –, die berufliche Bildung zu verbessern, geht es immer darum, dass im Gegensatz zum Hochschulstudium, das in der Regel mit Volljährigen beginnt, wir es bei einer Ausbildung mit Minderjährigen zu tun haben, denen in den ersten Jahren eine wohnortnahe Beschulung und ein wohnortnahes Ausbildungsthema wichtig sind. Das entscheiden übrigens die Auszubildenden selbst danach. Sie wollen in der Nähe ihres Heimatortes bleiben. Deshalb haben Sie am Anfang auch überhaupt kein Wohnungsproblem. Sie wohnen da zum Teil gerne bei ihren Eltern. Erst im Laufe der Zeit, gerade nach dem Masterplan, versucht man dann, dafür zu sorgen, dass die eher zentralisierten Themen in der Berufsausbildung an zentrale Orte gebracht werden, sodass eine möglichst lange Zeit in der Ausbildung am Wohnort stattfinden kann. Deshalb, Herr Kollege Petersdotter, nehmen Sie ernst, was Ihnen die IHK’en und Handwerkskammern zurufen. (Zuruf Lasse Petersdotter Munstermann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Der Bedarf in dieser Form ist so nicht vorhanden. (Dr. Bernd Buchholz) Das Zweite und Wichtige, was Ihnen die IHK’en und die Handwerkskammern zurufen, ist: Leute, wir wollen da helfen. Wir tun es vor allem durch die Betriebe. – Wenn Sie in die Befragungen der Auszubildenden reinsehen, dann sehen Sie, dass die jungen Leute im Wesentlichen sagen: Wenn mir der Betrieb selbst bei der Wohnungssuche unter die Arme greift, dann klappt das super. – Deshalb sind hier auch die Unternehmen in der Pflicht, (Beifall FDP, Peer Knöfler [CDU] und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) etwas für ihre Ausbildung zu tun. Mich wundert, dass Sie diesen Aspekt, wo Sie ansonsten so oft die Unternehmen schröpfen wollen, nicht in den Vordergrund stellen. Die Unternehmen sind bereit, etwas dafür zu tun. Sie haben Organisationen mit Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern, die dabei unterstützen. Meine Damen und Herren, es gibt weder Bedarf noch ist es sinnvoll, hier eine neue Struktur aufzubauen. Mein Appell an Sie ist: Hören Sie dann wenigstens in der Anhörung anständig zu! Herzlichen Dank. (Beifall FDP und SSW)
