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Anne Riecke

FDP 16.09.2026 Sitzungen 20/126

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Mobbing ist kein Streit, Mobbing ist Gewalt. (Beifall FDP und SSW) Wenn ein Kind systematisch ausgegrenzt, gedemütigt oder bedroht wird, dürfen wir das nicht als einen normalen Konflikt abtun, für das betroffene Kind ist das nicht normal. Es ist der tägliche Gang zur Schule mit Angst vorm nächsten Kommentar, dem nächsten Lachen und auch dem nächsten Post. Durch Cybermobbing endet dieser Druck nicht mit dem Klingeln nach Schulschluss, er geht mit nach Hause, rund um die Uhr. Aber wir selbst müssen auch auf uns Erwachsene schauen. Wenn öffentlich zum Beispiel in WhatsApp-Gruppen oder bei Instagram beleidigt und diffamiert wird, können wir nicht gleichzeitig von unseren Kindern einen respektvollen Umgang verlangen. (Beifall FDP und SSW) Kinder schauen auf uns. Deshalb ist Mobbing auch eine Frage unserer gesellschaftlichen Kultur. Meine Damen und Herren, wir reden seit Jahren über Gewaltprävention und Konzepte. In Schleswig-Holstein erfassen wir mit GEMON Gewaltvorfälle an Schulen. Aber eine Statistik kann nur abbilden, was gesehen, erkannt und gemeldet wird. Genau da liegt das Problem. Mobbing ist Gewalt, aber nicht jedes Mobbing wird erkannt und gemeldet. Deshalb müssen wir nicht nur fragen, wie viele Fälle registriert wurden, wir müssen wissen, wie viele Kinder Mobbing oder Cybermobbing tatsächlich erlebt haben. Wir brauchen mehr Sensibilität, eine bessere Datengrundlage und regelmäßige anonyme Befragungen der Schülerinnen und Schüler. Wir müssen zudem unsere Lehrkräfte besser unterstützen. Sie können aufklären und erste Anzeichen erkennen, aber schwere oder festgefahrene Fälle brauchen einfach professionelle Hilfe, (Beifall FDP und SSW) nicht nur für ein einmaliges Gespräch, sondern so lange, wie es notwendig ist. Dafür brauchen wir mehr Personal, und wir brauchen endlich unsere multiprofessionellen Teams und verlässliche Schulsozialarbeit. Ich werde nicht müde, es zu sagen: Es darf nicht von der Kassenlage eines Schulträgers abhängen, ob ein Kind jemanden findet, der hinsieht und ihm hilft. (Beifall FDP und SSW) Wir brauchen klare Zuständigkeiten. Ein Kind darf nicht von Tür zu Tür geschickt werden. Bei schweren Fällen müssen Schulpsychologie, Schulsozialarbeit und Jugendhilfe schnell zusammenarbeiten können. Auch beim Thema Social Media müssen wir Klartext reden. Wir nehmen Cybermobbing, Beleidigungen, Ausgrenzung und Gruppendruck ernst. Aber hier wieder ein pauschales Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige ins Gespräch zu bringen, löst das Problem nicht. (Beifall FDP und Christian Dirschauer [SSW]) Denn wenn wir das Handy wegnehmen, verschwindet der Hass nicht. Kinder lernen dadurch nicht automatisch, Grenzen zu setzen, Hilfe zu holen oder andere zu schützen. Unser Ziel muss sein: Wir müssen Kinder stark machen. Sie brauchen Medienkompetenz und digitale Resilienz, und sie brauchen Erwachsene, die sie dabei begleiten. Digitale Medien werden Teil ihrer Lebenswelt bleiben, sie verschwinden nicht. Wir können Kindern diese Welt nicht einfach verschließen, wir müssen ihnen beibringen, sicher durch sie hindurchzugehen. (Beifall FDP und SSW) Deshalb brauchen wir Prävention, Aufklärung und konkrete Unterstützung, nicht nur neue Verbote. Genau deshalb reicht auch der Alternativantrag der Koalition mit einem weiteren Leitfaden nicht aus. Ich weiß gar nicht, wie viele Leitfäden es für Absentismus und so weiter gibt, die überall in den Lehrerzimmern hängen und den Lehrerinnen und Lehrern Orientierung bieten sollen. Das ist es auch nur, denn ein Leitfaden kann nur Orientierung bieten, er ersetzt keine professionelle Beratung und löst keinen Mobbingfall. Papier ist nämlich geduldig. (Beifall FDP, SSW und vereinzelt SPD) Wenn ein Kind über Wochen oder Monate leidet, braucht es keinen weiteren Leitfaden, es braucht jemand, der hinsieht, der zuhört, der professionell hilft und der dranbleibt. Für betroffene Kinder ist nicht entscheidend, wie ein Konzept heißt oder wie viele Seiten es umfasst, es will gesehen werden, es (Anne Riecke) will in seiner Lage ernst genommen werden, und es will wissen: Da ist jemand, der mir hilft. Wir dürfen nicht erst handeln, wenn ein Kind zusammenbricht. Wir dürfen nicht warten, bis aus Ausgrenzung Verzweiflung wird. Wir haben hier von Absentismus und Zusammenbrüchen gehört. Auch ich weiß – nicht an meiner eigenen Schule, aber zum Beispiel an der Schule meiner Tochter oder an Schulen meiner Kollegen –, dass Fälle teilweise bis hin zum Suizid gehen. Das ist dann das Ende von allem. Wir müssen hinschauen, wir müssen handeln, und wir müssen dranbleiben, denn jedes Kind hat das Recht, ohne Angst, in die Schule zu gehen. Dafür sind wir verantwortlich, dafür müssen wir sorgen. – Vielen Dank. (Beifall FDP, SPD und SSW)

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