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Marc Timmer

SPD 27.08.2026 Sitzungen 20/124

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das ist tatsächlich ein sehr wichtiges Thema und ein ganz wichtiger Baustein für den zukünftigen Erfolg von Schleswig-Holstein im Energiebereich, also ein wirklich wichtiger Wirtschaftsfaktor. Was passiert beim Stromgebotszonen-Split? – Ich möchte das mit meinen Worten berichten: Es wird ein bisher einheitliches Marktgebiet, also Deutsch- (Marc Timmer) land-Luxemburg, mit einem Großhandelspreis für Strom in zwei oder mehrere Gebiete geteilt. Aktuell wird so getan, als ob Deutschland eine Kupferplatte wäre, also ungebremste, unbegrenzte Transportkapazitäten hätte. Tatsächlich kann aber nur ein Teil des Stroms physisch in den Süden abtransportiert werden. Die Stromautobahnen sind überlastet. Das Paradoxe: Genau in diesem Moment wird im Süden vermehrt Strom nachgefragt, denn wenn im Norden die Windräder viel Strom produzieren, sinken die Börsenstrompreise. Die Nachfrage auch im Süden steigt, unabhängig davon, dass der Strom tatsächlich nicht geliefert werden kann. Wenn der Strom aber nicht geliefert werden kann, dann müssen die Nachfrager im Süden den bestellten Strom kurzfristig von teuren Gaskraftwerken oder Ähnlichem im Süden beziehen. Diese höheren Kosten nennt man dann Redispatch-Kosten. Allein im Jahr 2025 haben sie sich auf 3 Milliarden Euro belaufen. Die Strommarkttrennung bedeutet nun, dass eine Marktgrenze dort gesetzt wird, wo die Netzengpässe bestehen. Dann berechnet die Strombörse die Preise für jede einzelne Zone grundsätzlich selbst und getrennt. Im Norden gibt es viel Erzeugung, also geringere Preise. Im Süden steigt bei hoher Nachfrage der Preis, denn das Gut Strom ist dort tatsächlich knapp. Es kann ja aus dem Norden nicht geliefert werden. Physisch sind die Märkte nicht getrennt. Es wird im Süden so viel Windstrom abgenommen, wie die Transportkapazitäten es erlauben. Erst wenn die Kapazitätsgrenze erreicht ist, werden die Preise in den jeweiligen neuen Zonen berechnet. Tatsächliche Lieferung und Preissetzung passen also dann zusammen. Deshalb ist die Initiative der IHK Schleswig-Holstein zu einer gemeinsamen Handelszone von Schleswig-Holstein, Hamburg und Westdänemark sehr zu begrüßen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es gibt stabilere und günstigere Preise für Verbraucher_innen und Industrie hier bei uns im Norden. Dies würde sicherlich auch zu neuen Unternehmensansiedlungen führen. Aber nicht nur das: In der neuen Grünstromzone würden über 90 Prozent der Energie aus erneuerbaren Energien stammen. Nach EU-Recht erlaubt dies die sofortige und bedingungsfreie Produktion von grünem Wasserstoff. Die Wasserstoffproduktion wäre in jedem Fall kostengünstiger als derzeit. Dies ist dringend geboten, will man Wasserstoff hier bei uns im Land zu marktfähigen Preisen herstellen. So oder so: Wasserstoff wird am Ende gebraucht, um Klimaneutralität insbesondere in der Industrie zu erreichen. Ohne Wasserstoff wird dies leider nicht gelingen. Gelingt es nicht, einen Kostenreduzierungspfad bei der Herstellung von grünem Wasserstoff bei uns zu erreichen, wird die Wertschöpfung vermutlich aus Spanien oder Portugal kommen, aber nicht von uns hier in Schleswig-Holstein. Das wäre sehr, sehr schade. (Beifall FDP, Dirk Kock-Rohwer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], Birgit Herdejürgen [SPD] und Sybilla Nitsch [SSW]) Liebe Kolleginnen und Kollegen, klar ist, dass dieser Vorstoß massiven politischen Sprengstoff bietet. Die Reaktionen aus Süddeutschland haben auch nicht lange auf sich warten lassen. Wenn der billige Windstrom im Norden verbleibt, steigen die Preise im restlichen Deutschland. Deshalb ist es wichtig, dass der Übergang hin zu mehreren Gebotszonen und deren Auswirkungen sehr sorgfältig bewertet wird. Auch zeitlich muss den Südländern die Gelegenheit gegeben werden, beispielsweise als eine Maßnahme den Kapazitätsausbau von erneuerbarem Strom nachzuholen. Entsprechende Mindereinnahmen bei den bestehenden erneuerbaren Erzeugungsanlagen im Norden bei uns müssen ebenfalls in den Blick genommen werden. Dies führt für mich zu zwei vorrangigen Aufgaben, die die Landesregierung vor sich hat. Erstens. Der Übergang von einer Gebotszone in mehrere mit den Auswirkungen und Maßnahmen ist sehr sorgfältig zu beschreiben. Dies hat für mich den Charakter einer Machbarkeitsstudie, die es in Teilen schon gibt, der die Interessen sämtlicher Akteure beleuchtet. Zweitens. Der Kostensenkungspfad bei der Herstellung von Wasserstoff, um die Marktteilnehmer zusammenzubringen, ist ebenfalls sehr genau zu planen. Denn wir brauchen ein Zielbild für den Ausbau der Wasserstoffwirtschaft in Schleswig-Holstein und, wie ganz genau dieser Weg beschritten werden muss. Das Wasserstoffkernnetz ist hierbei eine unabdingbare Voraussetzung, reicht aber alleine nicht aus. Die Landesregierung muss eine koordinierende Funktion beim Zusammenbringen von Industrie- und Wasserstoffherstellern einnehmen. Der Kostensenkungspfad muss aktiv begleitet werden, weil dies sonst keiner tut – eine ganz wichtige Funktion. Das Zielbild ist auch klar: Drei Euro pro Kilogramm Wasserstoff, da müssen wir hin. Das ist das Zielbild, was den Preis angeht. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Marc Timmer) (Vereinzelter Beifall SPD, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und SSW)

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