Serpil Midyatli
Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich habe den Zwischenruf gehört, Frau Abgeordnete; ich werde Sie oder Ihre Fraktion daran gegebenenfalls irgendwann mal erinnern. Ich will nicht nur darauf eingehen, wie wichtig Schwimmen ist, auch was den Gesundheitsschutz anbelangt, sondern auch darauf, dass es ein großes Privileg ist und ganz viel mit Teilhabe im weiteren Werdegang zu tun hat. Denn viele Schülerinnen und Schüler, die nicht schwimmen können, werden von vielen weiteren Freizeitaktivitäten oder Ausflügen ausgeschlossen. Es gibt Schulen, die sagen: Wir bieten zwar Segelunterricht an, du kannst aber nicht schwimmen oder nicht ausreichend schwimmen, hast nicht Bronze oder Silber, dann darfst du daran nicht teilnehmen, und wenn du die Fähigkeit nicht selbst erwirbst, dann wirst du davon ausgeschlossen. Frau Kollegin, ich teile die Annahme ausdrücklich, dass das natürlich etwas damit zu tun hat, ob man es sich leisten kann, dass sein Kind rechtzeitig und bereits in der Grundschule schwimmen lernt. Denn davon hängt es dann auch auf der weiterführenden Schule ab, welche Angebote du annehmen kannst. Wir wissen genau, welche Kinder es betrifft. Wenn jedes dritte Kind von Armut betroffen ist, dann sind das viele Kinder. Meine Kollegin hat dazu gerade gefragt, wie es denn aussieht, wenn ich mich für einen Beruf bewerbe, wenn ich Soldatin werden will, wenn ich Polizistin werden will. Es ist nicht banal, wann der Schwimmunterricht gegeben wird, wie viel er gegeben wird und wie gut ich tatsächlich schwimmen kann. Mein ganzer Lebens- oder auch Berufsweg kann davon abhängen, ob ich diese Fähigkeit habe. (Vereinzelter Beifall SPD, FDP und SSW) Ich komme noch einmal auf den vorherigen Tagesordnungspunkt mit der Lernmittelfreiheit zurück: Wenn du Fähigkeiten nicht hast und weißt, dass du nicht das Umfeld oder den familiären Hintergrund dafür hast, dass dir diese Fähigkeiten beigebracht werden, dann schaltest du ab. Dann gehst du bestimmte Wege gar nicht oder schlägst bestimmte Berufsrichtungen erst gar nicht ein, weil du ganz genau weißt, dass du diese Fähigkeiten aus deinem Umfeld nicht bekommen kannst. Das betrifft nicht wenige Kinder. Bitte lassen Sie uns bei dieser Debatte auf die Kinder schauen, auf die Chancen, die wir ihnen geben können, wenn die die Rahmenbedingungen nicht von zu Hause aus mitbringen. Das ist noch einmal mein Appell in dieser Debatte. – Vielen herzlichen Dank. (Beifall SPD, FDP und SSW)
