Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Erst einmal von meiner Seite aus vielen Dank für die Antwort auf die Große Anfrage der FDP-Fraktion. Der NDR meldete vor einigen Tagen, dass die Zahl der tödlichen Badeunfälle im Norden insgesamt rückläufig ist, in Schleswig-Holstein aber 2026 gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. (Peer Knöfler [CDU]: Da sind auch Touris!) Offenbar haben die zahlreichen Debatten im Landtag an der Prävention wenig bis kaum etwas ausgerichtet, und das finde ich sehr entmutigend. Ich bin davon überzeugt, dass wir bei den Erwachsenen, über die wir noch gar nicht gesprochen haben, und ganz speziell bei den Senioren noch einiges vorhaben, was die Schwimmfähigkeit und ihre korrekte Selbsteinschätzung betrifft. Denn diese Personengruppe ist wesentlich schwieriger anzusprechen als die Schülerinnen und Schüler. Es ist schon ganz viel über die Lehrkräfte gesprochen worden, die Schwimmlehrkräfte, die auch regelmäßig zur Fortbildung gehen müssen, damit sie auch weiterhin Schwimmlehrkräfte sein können. Wir haben über die Erreichbarkeit gesprochen, und jeder von uns kennt vielleicht aus seinem Wahlkreis gute Beispiele, wo sich der Schulträger vom ÖPNV abgemeldet und kleine Schulbusse für die Grundschule gekauft hat, damit sie die auch gebrauchen können, um zum Schwimmunterricht zu kommen. Denn machen wir uns nichts vor: Will eine Schule Schwimmunterricht erteilen, muss sie die Lehrkraft haben, und nicht nur eine, sondern zwei. Sie muss in erreichbarer Nähe die Infrastruktur, nämlich die Schwimmstätten, haben. In meinem Wahlkreis weiß ich ganz genau, wo die weißen Flecken sind. Ich finde es auch nicht besonders praktisch, dass nämlich der Schwimmstättenatlas, den die SPD gefordert hatte – der Kollege Kianusch Stender –, nicht gemacht wird, weil das nämlich einen Überblick gegeben und zur Debatte beigetragen hätte. Wenn ich bei mir in Eckernförde gucke: Unsere Schwimmstätte muss echt saniert werden, eigentlich muss sie neu gebaut werden. Dann gehen wir weiter und gehen an der Schlei längs nach Kappeln: Da ist gar nichts mehr. Olpenitz: Da ist gar nichts mehr. (Zuruf CDU: Aber die Schlei!) – Ja, genau, man könnte auch die Schlei zum Schwimmenlernen nehmen, man könnte die Naturbäder nehmen, das könnte man auch. Ob das für den Schulunterricht geht, weiß ich nicht, ich habe es auch schon ein paar Mal angesprochen. Wenn man sich das dann ausrechnet, wie dann der Schwimmunterricht in einen Stundenplan passen soll, und man dann vielleicht noch mit öffentlichen Transportmitteln versuchen muss, da hinzukommen: Da geht mindestens ein ganzer Tag drauf, um vielleicht 30 Minuten im Wasser zu sein. Langer Rede kurzer Sinn: Die Große Anfrage der FDP hat wieder gezeigt, dass wir echt noch vor großen Herausforderungen stehen, die mit Personal, dem Transport, damit auch der Erreichbarkeit und auch dem Punkt, dass wir einfach eine marode Infrastruktur haben, zu tun haben. (Jette Waldinger-Thiering) Es wurde schon ganz viel davon gesprochen, wie die Unterschiede sind, ob man zur Gemeinschaftsschule geht oder aufs Gymnasium geht. Wir haben ja vorhin über Schulranzen geredet. Dann sage ich noch mal: Ein Schwimmkurs, um Seepferdchen in Flensburg zu machen, kostet 150 Euro für die Sommerferien. Wenn man dann als Elternteil vielleicht auch noch zwei oder drei Kinder hat, denen man das ermöglichen möchte, dass sie zumindest das Seepferdchen kriegen, dann sind das neben all den anderen Kosten 450 Euro für drei bis vier Tage in den Sommerferien. Ich höre gleich wieder: Will sie das jetzt auch noch mit in die Lernmittelfreiheit reinhaben? – Nein, aber das gehört zur Bildung, und das gehört zum Unterricht dazu. Wenn wir diese Imbalance im Bildungssystem auch beim Schwimmunterricht abschaffen wollen, dann müssen wir auch verlässlichen Schwimmunterricht für die Grundschulen bis zur 6. Klasse anbieten. Wenn man Schülerinnen und Schüler in der Gemeinschaftsschule hat, die noch kein Seepferdchen, kein Bronze-Abzeichen abgelegt haben, dann muss man individuell mal gucken, wie wir diesen helfen können. (Beifall SSW, SPD und FDP) Denn ganz nebenbei: Wer schwimmen lernt im Schwimmverband und Verbund, schließt auch Freundschaften. Schwimmen zu können, fördert die Motorik, und man hat auch viel mehr Lust, wieder in die Schule zu gehen, sich hinzusetzen und dem Unterricht zu lauschen. Insofern wäre das eine absolute Win-win-Situation, wenn jeder am Schwimmunterricht teilnehmen könnte. (Beifall SSW, SPD und FDP)
