Jasper Balke
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dass der Klimawandel die größte Bedrohung für die menschliche Gesundheit ist, weiß die Weltgesundheitsorganisation schon seit mehreren Jahren. Obwohl manche auch heute noch der Meinung sind, man hätte den Schutz vor dieser Bedrohung in den vergangenen Jahren überbetont, zeigt uns doch dieser Sommer einen Teil des Ausmaßes eindrücklich. Wir erleben Hitzeperioden und Temperaturen in einem Ausmaß, die wir bisher so noch nicht kannten. Im Zusammenhang mit diesen Hitzeperioden sprechen wir in Deutschland laut RKI von circa 14.500 Menschen, die an Hitzefolgen gestorben sind. Hitze ist nicht nur unangenehm. Extreme Hitze macht krank, und Hitze tötet. Sie belastet unser Herz-Kreislauf-System, erhöht das Risiko für Nierenversagen, verschärft bestehende Erkrankungen und erhöht die Sterblichkeit. (Jasper Balke) Sie trifft eben nicht alle Menschen gleich. Das können wir auch immer schön beobachten, denn in jeder Hitzeperiode erleben wir auch in Deutschland, nicht hier in diesem Haus, einzelne Politiker, Parteien und Medienhäuser, die bei circa 37 Grad immer wieder Nachforschungen darüber betreiben, ob es solche Temperaturen nicht schon einmal in den 1950er-Jahren gegeben haben könnte. Das zeigt nicht nur, wie wenig Verständnis für komplexe klimatische Zusammenhänge dort vorhanden ist, sondern auch, wie privilegiert diese Blase sein muss. (Vereinzelter Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Denn wer in einer aufgeheizten Dachgeschosswohnung sitzt und nicht auf ein klimatisiertes Haus oder gar einen klimatisierten Arbeitsort ausweichen kann, wer körperliche Arbeit bei extremer Hitze und Sonneneinstrahlung verrichten, als Eltern Sorge um den Säugling oder bei 35 Grad in einem Krankenhaus Patienten pflegen und therapieren muss, den interessiert nicht, ob es irgendwann früher vielleicht auch mal heiß war, (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) sondern der realisiert diese neue Lebensrealität und wünscht sich konkrete, auch politische Antworten für seine jetzige Lebenssituation. Genau um diese Menschen, vulnerable Gruppen und solche, die nicht genug Geld haben, um sich in Hitzeperioden Kälte einfach so zu kaufen, muss es uns politisch doch gehen. Deshalb haben wir als Landtag bereits in vergangenen Beschlüssen besonders diese Gruppen in den Blick genommen, und auch die Landesregierung hat ganz konkrete Maßnahmen in diesem Bereich getroffen. Mit unserer Klimaanpassungsstrategie betrachten wir die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels ressortübergreifend. Wir verbessern Informationen und Warnungen, unterstützen Kommunen und Einrichtungen beim Hitzeschutz. Die Landesregierung erarbeitet im Rahmen der Städtebauförderung Maßnahmen wie Grün- und Belüftungstrassen, Schattenplätze, Flächen- und Dachbegrünung, die dem Klimaschutz und der Klimafolgenanpassung dienen. Wir wollen Klimaanpassung stärker in der Krankenhausplanung verankern und entwickeln im Rahmen von Beyond Expediency unser neues Standard-Raumprogramm gemeinsam mit der TH Lübeck für die Krankenhausinfrastruktur der Zukunft, indem Resilienz, Nachhaltigkeit und Hitzeschutz mitgedacht werden. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir werden Hitzeschutzmaßnahmen für soziale Einrichtungen über die Richtlinie zur Umsetzung des Sondervermögens aus dem Sozialministerium fördern, Pflegeeinrichtungen weiterhin unterstützen und über den HITZESERVICE Personal schulen und beraten. Wir müssen darüber reden, wie wir gerade vulnerable Menschen in Dachgeschosswohnungen und älterem Gebäudebestand besser auch mit Fördermaßnahmen schützen können. Denn eines ist klar: Dieser Sommer ist für uns außergewöhnlich heiß. Für junge Menschen und für Kinder, die in diesem Jahr geboren wurden, wird er aber vermutlich einer der kühlsten Sommer ihres Lebens gewesen sein. Darauf müssen wir uns vorbereiten und gleichzeitig anerkennen, dass Klimaschutz die kostengünstigste Maßnahme ist, um diese radikale Verschärfung an Gesundheitsrisiken und übrigens auch an volkswirtschaftlichem Schaden in Form von hitze- und gesundheitsbedingten Produktionsverlusten wenigstens abzumildern. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) In anderen Ländern mit ähnlichen Sommern ist längst klar, dass bei extremer Trockenheit nicht jeder Rasen grün bleiben kann, dass körperliche, schwere Arbeit in der größten Mittagshitze angepasst werden muss, dass Städte Schatten brauchen und Wasser speichern müssen und sich das tägliche Leben mehr in den späten Abend verlagern muss. Wir alle müssen Klimaanpassung deshalb nicht nur in Form von Förderrichtlinien oder Meldeketten verstehen, sondern vor allem als Gesellschaft eine Anpassung an die für uns neue Lebensrealität vornehmen. Denn dass der menschengemachte Klimawandel längst zum klimagemachten Menschenwandel geworden ist, muss eine Gesellschaft auch erst einmal in seiner ganzen Tragweite begreifen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) In Schleswig-Holstein sollte uns dieses Bewusstsein deshalb weiterhin leiten. – Ich danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)
