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Jette Waldinger-Thiering

SSW 26.08.2026 Sitzungen 20/123

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Landesregierung hat den Landesplan Niederdeutsch fortgeschrieben. Das ist gut und richtig, denn entgegen der landläufigen Meinung entwickelt sich die oftmals als altmodisch verschriene niederdeutsche Sprache jeden Tag weiter. Es ist gut, dass auch die Maßnahmen damit Schritt halten. Das bedeutet allerdings nicht, dass ich alle Befunde in dem Bericht teile. Ich hätte mir neue, innovative Konzepte gewünscht, die zukunftsfähig sind. Das A und O der Sprachenarbeit ist die Hauptamtlichkeit, und zwar eine verlässliche und existenzsichernde Hauptamtlichkeit. Wenn die Landesregierung den Verfassungsauftrag ernst nimmt, muss sie selbstverständlich die institutionelle Förderung absichern. Das Niederdeutsche Zentrum in Leck leistet Überragendes, muss aber personell weiter verstärkt werden, damit die Ehrenamtlichen verlässliche Ansprechpartner bekommen. (Beifall SSW, SPD und FDP) Die Landesregierung muss andererseits auch ihre eigenen internen Strukturen stabilisieren. Damit meine ich einerseits – meine Kollegin Anne Riecke hat es schon gesagt –, dass die Stelle der IQSHLandesfachberatung Niederdeutsch schleunigst zu besetzen ist, und andererseits, dass Niederdeutsch auch in der Verwaltung einen Platz bekommt. Ein Gesetz wird nicht schlechter, weil es auf Niederdeutsch beraten wurde, eine Auskunft nicht unzuverlässiger, weil sie auf Niederdeutsch gegeben wurde, und ein Bericht nicht unseriöser, wenn er auf Niederdeutsch geschrieben wurde. (Jette Waldinger-Thiering) (Beifall SSW, SPD und FDP) Die Landesregierung und die Behörden der Landesverwaltung sind Teil der niederdeutschen Szene, schließlich arbeiten hier sehr viele, die die Sprache beherrschen. Aber wenn es ernst wird, ist es dann doch die hochdeutsche Sprache, in der die Landesregierung kommuniziert. Da verschenkt die Regierung ein enormes Potenzial, das ansonsten als Vorbild dienen könnte, als Best-Practice-Beispiel, und nicht zuletzt als Ermutigung. Die bestehende Förderung muss weiter verstetigt werden. Gerade im europäischen Kontext ist die Zusammenarbeit der Minderheiten und Volksgruppen sowie der regionalen Sprachen sehr wichtig. Der Landesplan zeugt von der guten Zusammenarbeit, indem beispielsweise Landesfachtage und Weiterbildungen für alle Sprechergruppen durchgeführt werden. Gleichzeitig darf es nicht zu Verteilungskämpfen angesichts knapper Ressourcen kommen. Der Eindruck, den auch der Landesplan erweckt, dass alle heimischen Sprachen und Kulturen irgendwie aus einem Topf gespeist werden, ist falsch. Wenn bestimmte Gruppen eine Förderung bekommen, sollte das nicht zulasten der anderen gehen. Wer die kleinen Gruppen gegeneinander auszuspielen versucht, erweist der Gemeinschaft in Schleswig-Holstein einen Bärendienst. Zum Schluss möchte ich einen Punkt hervorheben: Niederdeutsch ist eine Ressource und ein Schatz, den es zu heben gilt. Niederdeutsch zeichnet den echten Norden aus. Das ist ein Unique Selling Point, auf den uns übrigens nicht erst die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen aufmerksam gemacht hat. Niederdeutsch gehört zu Schleswig-Holstein und ist auch Standortpolitik. Auch wenn ich nicht perfekt Plattdüütsch schnack, ein bisschen kann ich, und ich kann alles verstehen. Wir haben für Niederdeutsch und Friesisch einen ganz wichtigen Punkt gemacht, indem wir Niederdeutsch und Friesisch an der EUF lehren können. Denn ohne Lehrkräfte werden wir unsere beiden kleinen Sprachen nicht am Leben erhalten können. (Beifall SSW und SPD) Was unsere Europa-Universität in Flensburg leistet, ist richtig klasse, und wir alle wissen, welche Unterfinanzierung die Europa-Universität hat. Die kleinen Fächer sind so wichtig, auch wenn keine Massen von Studierenden sie belegen. Ohne die Möglichkeit, Lehrkräfte für diese Fächer auszubilden, können wir die Sprachen nicht am Leben erhalten. Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Auch ich möchte, dass der Plan und die beiden Anträge an den Europaausschuss überwiesen werden, damit wir mit der Sprechergruppe diskutieren können, wie wir etwas Gutes tun können für den Erhalt und die Entwicklung der niederdeutschen Sprache. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SSW, SPD und FDP)

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