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Anne Riecke

FDP 26.08.2026 Sitzungen 20/123

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Niederdeutsch ist ein lebendiger Teil der vielfältigen Kultur unseres Landes. Plattdeutsch ist ein sprachlicher Ausdruck von Geschichte, Heimat, aber vor allen Dingen von Identität. Für viele Menschen in Schleswig-Holstein gehört es ganz selbstverständlich zum Alltag. Es gibt natürlich regionale Unterschiede und auch unterschiedliche Regionen, die natürlich auch das beste Platt für sich beanspruchen. Zum Beispiel das Dithmarscher Platt, sagt man ja, ist das beste und das reinste Platt. (Christopher Vogt [FDP]: Sagt man in Dithmarschen!) – Sagt man in Dithmarschen, findet Volker, glaube ich auch. (Birte Pauls [SPD]: In Angeln sagt man das auch!) – In Angeln sagt man das auch. Das ist etwas Besonderes, das wir auch künftig erhalten und fördern sollten. Für uns ist klar, dass gerade die sprachliche Vielfalt in Schleswig-Holstein ein kultureller Schatz ist. Regional- und Minderheitensprachen bereichern unser gesellschaftliches Miteinander. In diesem Haus zeigen wir erfreulicherweise häufig große Einigkeit, wenn es um sensible Fragen in der Sprachenpolitik geht. Denn Sprache ist nicht nur ein Mittel zur Verständigung, sie vermittelt Herkunft und Zugehörigkeit. Sprachenpolitik sollte deshalb nicht zum Gegenstand parteipolitischer Abgrenzungen werden. (Beifall FDP, Birte Pauls [SPD], Sandra Redmann [SPD], Marc Timmer [SPD] und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Wir pflegen eine gute Tradition, Minderheiten- und Sprachenpolitik über Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg gemeinsam zu gestalten. Der vorliegende Antrag setzt vor diesem Hintergrund einen wichtigen und aktuellen Impuls. Denn er trifft auf eine Landesregierung, deren eigene Fortschreibung des Landesplans Niederdeutsch zeigt, dass an zentralen Stellen noch erheblicher Handlungsbedarf besteht. Das beginnt bei den Grundlagen. Die letzte repräsentative Untersuchung zur Verbreitung des Niederdeutschen stammt aus dem Jahr 2016. Damals hatte sich der zuvor festgestellte Rückgang der Zahl aktiver Sprecherinnen und Sprecher zwar stabilisiert. Wie sich die Sprecherzahl und Sprachkenntnisse in den vergangenen (Anne Riecke) zehn Jahren entwickelt haben, ist nach Aussagen der Landesregierung aber leider unklar. Im Bildungsbereich gibt es positive Entwicklungen. Im Schuljahr 2025/2026 gab es 55 Modellschulen, an denen gut 4.000 Schülerinnen und Schüler Niederdeutsch lernten. Allerdings sind davon 43 Grundschulen, und nur 12 Schulen sind Schulen der Sekundarstufe I. Der Schwerpunkt liegt damit weiterhin sehr deutlich im Grundschulbereich. Gleichzeitig ist die Landesfachberatung Niederdeutsch beim IQSH seit 2023 nicht besetzt. Fortbildungen werden zwar weiter angeboten, ein Landesfachtag konnte wegen der unbesetzten Stellen aber seit drei Jahren nicht stattfinden. Zudem hat der Europarat Schleswig-Holstein empfohlen, das Bildungsangebot für Niederdeutsch zu stärken und sicherzustellen, dass ausreichend qualifizierte Lehrkräfte hier zur Verfügung stehen. Auch der praktische Gebrauch des Niederdeutschen in der Verwaltung soll gestärkt werden. Diese Empfehlungen zeigen: Es geht längst nicht mehr nur um wohlmeinende Bekenntnisse, sondern um konkrete Strukturen und verlässliche Angebote. (Beifall FDP, Marc Timmer [SPD] und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Gerade bei der Verwaltung zeigt sich, dass gesetzliche Regelungen allein hier nicht ausreichen. Seit 2016 können Anträge und Dokumente bei Behörden auf Niederdeutsch eingereicht werden. Die Evaluation hat aber eine geringe Bekanntheit der Regelungen, unklare Verfahren und Zuständigkeiten sowie fehlende Ressourcen festgestellt. Dass die Debatte über ein Niederdeutschgesetz deshalb nicht aus dem luftleeren Raum kommt, zeigt der aktuelle Achte Staatenbericht zur Europäischen Sprachencharta. Die Sprechergruppe Niederdeutsch kritisiert dort, dass gerade auch der Handlungsplan Sprachenpolitik aus dem Jahr 2024, den Sie im Handlungsplan ins Schaufenster stellen, aus ihrer Sicht keine zukunftsweisenden Aktivitäten enthalte. Vielmehr wird eine Rückschau beziehungsweise eine Feststellung des Status quo konstatiert. Die Sprechergruppe fordert ausdrücklich ein Niederdeutschgesetz für Schleswig-Holstein. Das ist eine deutliche Kritik, die Sie als Koalition zum Anlass für Verbesserungen nehmen sollten, meine Damen und Herren. (Beifall FDP, SSW, Birte Pauls [SPD] und Marc Timmer [SPD]) Wir sollten deshalb im Europaausschuss gemeinsam klären, wo gesetzliche Regelungen fehlen, wo es Vollzugsprobleme gibt und welchen konkreten Mehrwert ein Niederdeutschgesetz schaffen kann. Wir unterstützen die Zielsetzung des Antrags und wollen die Beratungen im Ausschuss fortsetzen, insbesondere unter der aktiven Einbeziehung der Sprechergruppe. Gerade weil Sprache Identität bedeutet, sollte Sprachenpolitik in Schleswig-Holstein verbinden und nicht trennen. – Vielen Dank. (Beifall FDP, vereinzelt SPD und Beifall Christian Dirschauer [SSW])

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