Jette Waldinger-Thiering
Frau Präsidentin! Es ist jetzt fünf Jahre her, dass wir die Landesstrategie „ Bildung für nachhaltige Entwicklung“ verabschiedet haben. Seitdem haben sich in einer Zeit, die von globalen Krisen geprägt 9272 Schleswig-Holsteinischer (Jette Waldinger-Thiering) ist, einige Prioritäten verschoben. Obwohl nachhaltiges Handeln gerade jetzt unglaublich wichtig und unerlässlich für unseren Planeten und unser Ökosystem ist, haben wir in unserer globalen Alltagsrealität mit komplexen Herausforderungen zu kämpfen, die dazu führen, dass das Thema Nachhaltigkeit immer öfter in den Hintergrund gedrängt wird. Deshalb bin ich froh, dass wir das Thema heute auf die Tagesordnung gesetzt haben und es wieder präsenter werden lassen. Fünf Jahre sind ein guter Zeitraum, um Bilanz zuziehen und zu schauen, was gut funktioniert und wo wir noch nachbessern müssen.Dass sich das Bewusstsein für Nachhaltigkeit nicht von „jetzt auf gleich“ entwickelt und daher die Bildung für nachhaltige Entwicklung der zentrale Bereich zur Vermittlung von Nachhaltigkeit sein muss, haben wir bereits 2021 erkannt. Bildung ist der entscheidende Schlüssel. Das gilt besonders für den schulischen Bereich. An vielen Schulen in Schleswig-Holstein sehen wir ein hohes Engagement und großartigen Projekte und Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit. Aber heute wie auch schon 2021 geht es nicht nur um den schulischen Bereich. Die Landesstrategie umfasst das Gesamtpaket, angefangen bei frühkindlicher Bildung, die allgemeine Schulbildung, die berufliche Bildung, die Hochschulbildung und auch die berufliche Weiterbildung. So zieht sich der Nachhaltigkeitsgedanke durch die verschiedenen Handlungsfelder und steht am Ende für ein lebenslanges Lernen. Darum sollte es für uns als SSW vorrangig bei der Bildung für nachhaltige Entwicklung gehen. Nachhaltiges und ressourcenschonendes Handeln beschränkt sich allerdings nicht auf einzelne Situation oder Bereiche, sondern lassen sich von uns allen in unserem alltäglichen Handeln anwenden. Eine Evaluierung der Landesstrategie ist sinnvoll, damit wir wissen, wo wir heute stehen. Es ist wichtig, dass die, die sich auf den Weg Richtung Nachhaltigkeit gemacht haben, sichtbar gemacht werden und angemessene Wertschätzung bekommen. Im Antrag wird darum gebeten, dass die Landesstrategie BNE evaluiert wird und auf Basis der Ergebnisse zu prüfen ist, wie diese im Rahmen der vorhandenen Strukturen und Ressourcen weiterentwickelt werden kann. Ich befürchte allerdings, dass im aktuellen Rahmen der verfügbaren Ressourcen nicht mehr rauszuholen sein wird. Denn wie ich am Anfang meiner Rede bereits sagte – ob in den Betrieben, an den Schulen oder in privaten Haushalten, nachhaltiges Handeln ist oft eine von vielen Herausforderungen im Alltag. Die Bildungsstrukturen sind am Limit ihrer Belastbarkeit. Wenn wir hier noch mehr Engagement einfordern, dann muss auch die Bereitschaft da sein, mehr finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Nur mit dem Belohnungstempel kommen und zertifizieren reicht hier nicht aus. Abschließend kann man sagen, dass man diesem Moderat formulierten Antrag der Koalition nichts entgegensetzen kann. Wichtig ist einfach, dass die Evaluation der Landesstrategie dazu führt, dass Strukturen nicht zusätzlich belastet, sondern effektiver werden und das an den richtigen Stellen Ressourcen nachgeschoben werden können. Denn wir alle wissen, wie wichtig es für unsere und für die Zukunft unserer Kinder ist, dass wir nachhaltiger Leben und Handeln. Tobias Goldschmidt, Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Heute vor einer Woche hat Staatssekretär Joschka Knuth an drei Einrichtungen im Bereich der BNE, also der Bildung für nachhaltige Entwicklung, das nun-Zertifikat übergeben. Damit sind insgesamt 74 Träger nonformaler Bildungsarbeit zertifiziert. Die Abkürzung „nun“ steht für norddeutsch und nachhaltig, das Zertifikat für hochwertige Angebote. Laut BNE-Landesstrategie sollte die Zielmarke von 70 Einrichtungen im Jahre 2030 erreicht werden. Dass das Ziel vorzeitig und mehr als erfüllt wurde, ist ein schöner Erfolg für BNE in Schleswig-Holstein. Und es ist ein Zeichen für eine große Vielfalt flächendeckender und hochwertiger Angebote. An dieser Stelle einmal herzlichen Dank dafür allen Bildungsträgern, allen Engagierten, allen Zertifizierten für ihre Arbeit. Diese wird von Tag zu Tag wichtiger und wertvoller. Sie stehen mit ihrer Arbeit für Information und Verantwortung. Sie stehen dafür, dass Wissen zu Bewusstsein werden kann. Der Ressourcenverbrauch ist nach wie vor deutlich zu hoch und die Klimakrise ist nicht abgesagt – entgegen anderslautender Äußerungen. Gleichzeitig erleben wir, dass Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen gerade nicht so hoch im Kurs zu stehen scheinen. Es gibt viel Gegenwind, es gibt Bemühungen, Räder wieder zurückzudrehen. Und es besteht die Herausforderung, dass Fakten und Fiktion immer öfter nicht auseinandergehalten werden, dass Meinungen und Glaubenssätze gesichertes Wissen verdrängen. (Minister Tobias Goldschmidt) Bildung für nachhaltige Entwicklung hingegen schafft ein Bewusstsein dafür, dass das eigene Handeln Konsequenzen hat. Es schafft Bewusstsein dafür, was es braucht, um drängende globale Probleme anzugehen. Das kann die Frage sein, wie wir klimaneutral Energie erzeugen und damit Wohlstand sichern. Das kann die Frage sein, welche Rohstoffe die Produktion unserer T-Shirts oder Jeans verbraucht und wie dies ressourcenschonend und sozial verantwortungsvoll passieren kann, oder welche Alternativen wir beim Konsum oder beim Einkaufen haben, um Abfälle zu vermeiden. Dies kann im Kleinen wie im Großen einen bedeutenden Unterschied für die Welt von morgen machen. Meine Damen und Herren, wir haben vor fünf Jahren die Landesstrategie zu BNE erarbeitet und verabschiedet. Das war und ist – passend zum Anliegen – ein ressortübergreifendes Projekt, an dem auch viele Akteurinnen und Akteure aus Zivilgesellschaft, Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft mitgearbeitet haben. Mit der Strategie haben wir erstmals alle Bildungsbereiche unter dem BNE-Dach zusammengeführt und einen gemeinsamen Rahmen gesetzt. In den vergangenen Jahren wurden etliche Maßnahmen aus der Landesstrategie umgesetzt. Ein Erfolg ist die Gründung der BNE-Agentur. Sie ist zentrale Service- und Koordinierungsstelle für die Akteurinnen und Akteure in Schleswig-Holstein und wirkt als wichtiger Dreh-und Angelpunkt in alle Bildungsbereiche hinein. Dazu gehört der Aufbau sechs regionaler BNE-Netzwerke oder das für Besucherinnen und Besucher kostenfreies BNE-Fachforum. Letzteres erreicht mit seinen jährlichen Schwerpunktthemen eine Vielzahl von Bildungsakteurinnen und ‑akteuren im Land. Darüber hinaus hat die BNE-Agentur selbst oder als Kooperationspartnerin viele Projekte in allen Bildungsbereichen umgesetzt. BNE-Bildungsziele finden sich im neuen Kita-Förderungsgesetz oder im allgemeinen Teil der Fachanforderungen für die allgemeinbildenden Schulen in Schleswig-Holstein. BNE ist Teil der beruflichen Bildung und auch viele Studiengänge bei uns greifen BNE-Aspekte auf. Ob über nonformale Angebote oder über die Integration in die formale Bildung – BNE ist erstens fest verankert in unserem Verständnis von Bildung und zweitens erreichen wir Menschen in den verschiedensten Lebenslagen und Kontexten. Nun ist 2026 nicht mehr 2021. Vorzeichen ändern sich, neue Fragestellungen treten auf, neue gesellschaftliche oder mediale Herausforderungen wirken in die Bildungsarbeit. Nicht umsonst befürworten auch Stakeholder aus den unterschiedlichsten Bereichen eine Weiterentwicklung der BNE-Strategie. Auch wir als Land halten es für angezeigt, die Landesstrategie wissenschaftlich zu evaluieren. Die Ergebnisse einer Evaluation können genutzt werden, um gezielt Stellschrauben zu identifizieren – Stellschrauben, mit denen das Bildungskonzept weiter verbessert werden, mit denen BNE noch besser in unsere Bildungslandschaft implementiert werden kann. Zugleich bietet eine Evaluation die Möglichkeit, neue Erkenntnisse und Herausforderungen bei der Fortschreibung der Landesstrategie zu berücksichtigen. Übrigens: Auch andere Länder schreiben ihre BNE-Strategien fort und passen sie an neue gesellschaftliche sowie bildungspolitische Anforderungen an. Meine Damen und Herren, mit der Evaluation und einer anschließenden Weiterentwicklung senden wir wichtige Signale ins Land – auch, aber nicht nur in die Bildungslandschaft. Denn BNE ist kein Selbstzweck und nicht das optionale Sahnehäubchen. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als das Bewusstsein für eine gute Zukunft mit positiven Gestaltungsmöglichkeiten für uns und kommende Generationen. – Vielen Dank. PrEP-Versorgung in Schleswig-Holstein flächendeckend verbessern und Fortschritte in der HIVPrävention verstetigen Antrag der Fraktionen von FDP, SSW, SPD, CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Drucksache 20/4507 (neu) – 3. Fassung
